Aus der Zeit gefallen
Ein Artikel von Mátyás Kiss.
Dabei lohnen sie – nach diesen sorgfältig vorbereiteten und edierten Einspielungen zu schließen – das Kennenlernen, da Durosoir keiner der musikalischen Strömungen zwischen den Kriegen folgt: Seine Klänge, allen voran die luzide Behandlung des Klavierparts in den Duowerken, wirken wie aus der Zeit gefallen.
Von den drei Streichquartetten in verschiedenen Molltonarten holt das erste von 1919/20 mit seinen vier Sätzen und einer guten halben Stunde Spieldauer am weitesten aus (die beiden anderen sind nur dreisätzig angelegt). Jedes der Werke jedoch stellt höchste Ansprüche an das Können der Streicher und die Auffassungsgabe der Hörer. Durch anfänglich aufkommendes impressionistisches Flirren scheint Durosior zwar an unmittelbare kompositorische Vorgänger anknüpfen zu wollen, seine tief ernste, kompromisslos kontrapunktische Tonsprache – eine veritable musica reservata – aber erweist sich als so eigen, dass man als nächstes die Orchesterwerke kennenlernen möchte. Einstweilen gebührt dem Diotima-Quartett ein dickes Lob für seinen rückhaltlosen Einsatz.
Lucien Durosoir: Musik für Violine und Klavier - Streichquartette
- Lucien Durosoir: Musik für Violine und Klavier: Sonate in a-Moll, 5 Aquarelle, Einzelstücke
- Geneviève Laurenceau, Violine, Lorène de Ratuld, Klavier.
- Alpha/Note
- Bestellnummer: 1 105
Lucien Durosoir: Streichquartette 1–3; Quatuor Diotima.
Alpha 125
Tags in diesem Artikel
Ähnliche Artikel
04.05.2009 Ausgabe 5/09 - 58. Jahrgang - Rezensionen - Hanspeter Krellmann
05.09.2008 Ausgabe 9/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Christoph Schlüren
07.11.2008 Ausgabe 11/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Christoph Schlüren
07.11.2008 Ausgabe 11/08 - 57. Jahrgang - Rezensionen - Christoph Schlüren
19.02.2009 Ausgabe 2/09 - 58. Jahrgang - Rezensionen - Christoph Schlüren
01.02.2009 Ausgabe 2/09 - 58. Jahrgang - Rezensionen - Hans-Dieter Grünefeld
02.03.2009 Ausgabe 3/09 - 58. Jahrgang - Rezensionen - Peter P. Pachl

Kommentar hinzufügen