Cluster 2010/11
Neue Musik lohnt sich nicht
Ein Artikel von Gerhard Rohde.
Man könnte sich jetzt bequem zurücklehnen und sagen: das kommt wohl davon, wenn man von Rechtsradikalen mitregiert wird. Genauer: von deren Zustimmungen zu allem und jedem abhängig ist. Neue Musik als Feindbild. Wir wollen aber nicht bequem sein und protestieren energisch gegen den geplanten Kahlschlag.
Muss man holländischen Besserwissern, die uns mit ihrem hirnlosen Rasen auf unseren tempofreien Autobahnen gefährden, weil sie ungeübt in hohen Geschwindigkeiten sind, muss man holländischen Politikern, deren Wählerklientel grölend und besoffen in Kölner Kneipen oder in Fußballstadien randaliert, muss man ihnen allen erst sagen, dass ihr Land auch ein zweites, ganz anderes Gesicht zeigt: ein Land großer Künste, zu denen besonders die Musik zählt? Ein Land, das ein Concertgebouworkest und weitere gute Orchester besitzt, in Amsterdam eine international bedeutende Oper, zwei großartige Ballettcompagnien, das Holland Festival und eben die Rundfunkensembles unterhält? Anstatt stolz auf diesen Reichtum zu sein und ihn auch für die Erziehung junger Menschen zu nutzen, fällt so genannten Verantwortlichen nur das Wort Abschaffung ein.
Es sollte in den Niederlanden doch noch genügend intelligente und engagierte Menschen geben, die den drohenden Kulturbolschewismus stoppen, notfalls per Gerichtsverfügung. Das ist keine äußere Einmischung in innere Angelegenheiten eines fremden Landes, sondern die Solidarität europäisch denkender und fühlender Menschen, die sich der wichtigen Rolle der Kunst im gesellschaftlichen Leben bewusst sind. Außerdem wirken schlechte Beispiele stets ansteckend.
In den deutschen Funkanstalten ist auch nicht aller Tage sanfter Ruhe-abend. Es rumort hier und da. Man wird wachsam bleiben müssen.
Tags in diesem Artikel
Ähnliche Artikel
27.03.2009 Ausgabe 4/09 - 58. Jahrgang - Kommentar/Glosse - Martin Hufner
29.05.2009 Ausgabe 6/09 - 58. Jahrgang - Kommentar/Glosse - Martin Hufner
02.11.2010 Ausgabe 11/10 - 59. Jahrgang - Kommentar/Glosse - Martin Hufner
14.12.2010 Ausgabe 12/10 - 59. Jahrgang - Kommentar/Glosse - Martin Hufner
13.10.2008 - Theo Geißler
30.09.2008 Ausgabe 10/08 - 57. Jahrgang - Kommentar/Glosse - Martin Hufner
27.02.2009 Ausgabe 3/09 - 58. Jahrgang - Kommentar/Glosse - Martin Hufner

Kommentar hinzufügen