Das Neue fördern, wo immer es sich regt

20 Jahre Tonkünstlerverband Sachsen-Anhalt


(nmz) -
Nach dem Fall der Mauer entwickelte sich in den neuen Bundesländern ein freies Musikleben. Im Juli 1991 wurde in Weimar ein 5-Länderverband des DTKV gegründet, bereits wenige Monate später, am 23. November, entstand in Sachsen-Anhalt der erste neue Landesverband der neuen Bundesländer. 2011 feiert er sein 20-jähriges Bestehen, das zugleich mit dem 20. Tonkünstlerfest und dem 200. Geburtstag von Franz Liszt zusammenfällt, der einst einen wichtigen Beitrag leistete, um den Tonkünstlerverband und die Tonkünstlerfeste ins Leben zu rufen. Eines seiner zentralen Anliegen war, „das Neue zu fördern, wo immer es sich regt“. Der Tonkünstlerverband Sachsen-Anhalt unter seiner engagierten Vorsitzenden Dr. Sigrid Hansen sieht bis heute in der Förderung der zeitgenössischen Musik eine seiner zentralen Aufgaben. Die von ihm veranstalteten Tonkünstlerfeste haben sich zu einem für ganz Deutschland beispielhaften Modell entwickelt.
Ein Artikel von Franzpeter Messmer.

In den seit 1992 stattfindenden Tonkünstlerfesten fanden über 100 Uraufführungen statt und wurden über 50 Preisträger des Jugendkompositionswettbewerbs ausgezeichnet – eine erstaunliche und höchst positive Bilanz. Die Tonkünstlerfeste führen alte Magdeburger Traditionen fort: Dort wurden bereits im 19. Jahrhundert Musikfeste veranstaltet und 1987, kurz vor der Wende, wurden die Magdeburger Musikfeste gegründet. Die Tonkünstlerfeste sind ein Forum für in Sachsen-Anhalt geborene oder dort wirkende Komponisten und Interpreten. Im Zentrum steht Kammermusik vom Solorezital bis zum Kammeror-chester. Erweitert wird das Programm durch die Einbeziehung von Jubiläen bedeutender Komponisten wie 2007 Strawinsky oder 2011 Liszt. Dabei ist es das Ziel, innovative Strömungen der musikalischen Gegenwart aufzugreifen und sie mit den großartigen Kompositionen des 20. Jahrhunderts in Verbindung zu setzen. 

Besonders wichtig ist dem Tonkünstlerverband die Förderung der Jugend. 1994 regte Klaus Obermayer die Ausschreibung eines Jugend-Kompositionswettbewerbs an, der seitdem mit reger Beteiligung durchgeführt wird: Alle mit einem Preis ausgezeichneten Kompositionen werden während des Tonkünstlerfestes uraufgeführt. Die mit einem ersten Preis prämierten Kompositionen werden im k.o.m. bühnen- und musikverlag München, nun nach dem Tod Klaus Obermayers im k.o.m. musikverlag Berlin, ediert.  

Das 20. Tonkünstlerfest vom 17. bis 26. November bietet ein breites musikalisches Spektrum: Leitfaden ist dieses Mal die Musik von Franz Liszt.

Das Auftaktkonzert (17. und 18.11.) mit der Magdeburgischen Philharmonie unter Catherine Larsen Maguire bringt Liszts Sinfonische Dichtung „Von der Wiege bis zum Grabe“ und die Uraufführung eines neuen Werks von Klaus-Dieter Kopf zu Gehör. Das Jubiläumskonzert am Ende des Festivals (25.11.) mit der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie unter Christian Simonis stellt in drei Uraufführungen Werke von Peter Petkow, Thomas Buchholz und Curt Dachwitz vor. Dazwischen bietet das Festival Gesprächskonzerte, Komponistenporträts und Vorträge. Außergewöhnlich ist das „Live Feature“ (23.11.) mit dem Thema „Die soziale Kunst ist nicht mehr und ist noch nicht“, das die Aktualität Liszts für unsere Zeit zeigt. Für die Zukunft hat sich das Tonkünstlerfest vorgenommen, Neue Musik im Dialog mit anderen Künsten wie Film, Tanz, Musik/Zeit/Raum/Bewegung, Literatur und Bildender Kunst, vorzustellen. „So wird es möglich sein, die vielseitigen Aspekte des gegenwärtigen künstlerischen Schaffens zu präsentieren und neuen Konzertentwürfen Raum zu geben“, ist Sigrid Hansen, die 1. Vorsitzende des Landesverbandes, überzeugt. 

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