Die Popmusik ist schon längst tot
Anmerkung zu Arno Lückers Artikel „Die Popmusik ist tot…“, nmz 3/05, Seite 48
Ein Artikel von Johannes Kreidler, via E-Mail.
Pop war dadurch jedenfalls alt geworden. Wenn er, wie beispielsweise aus Großbritannien, noch einmal musikalisch für Aufsehen sorgte, war zurecht vom 70er-„Revival“ die Rede. Ebenso speist sich das Liedrepertoire in „Deutschland sucht den Superstar“ und Co. aus den irgendwie aufgewärmten „Klassikern“ (abgesehen von Bohlens Neukompositionen, die den Namen nicht verdienen). Es scheint, dass der Pop in sein postmodernes Stadium eingetreten ist, wenn die jetzige Vermarktungsstrategie sich mehr denn je den hinteren Gliedern der Verwertungskette widmet. Dies liegt aber im Verlust ästhetischer Qualitäten begründet, und nicht in der Missgunst der angeblich verkommenen Masse. Denn Pop war seit jeher auf Breitenwirkung angelegt und kommerziell manifestiert; die immer peinlicheren Shows sind nur das Oberflächenphänomen dieses (Madonna weiß es im Übrigen schon lange) weithin ausgelaugten Keyboard- & Gitarrenband-Sounds. Es ist verständlich, dass der Kapitalismus aus dem mürben Lappen so noch einige Rubel wringen will. Doch wenn das hierbei optierende Publikum überhaupt relevant sein sollte, ist es sein Auswahlspektrum längst nicht mehr.
„Erlösung“ im Geiste Adornos (dessen geschichtsphilosophische Reflexion Lücker, fragwürdig, zur Kritik des Läppischen variiert) macht hierbei wenig Sinn. Nach dem Super-Star jetzt noch die Er-, Auf- oder sonst eine rigorose Lösung zu suchen mag sich mancher wünschen – in der postmodernen Sicht aber hat die Popmusik, neben Rock ‘n’ Roll, Reggae, Metal und so weiter, schon ihren neuen Platz gefunden, ob gut oder schlecht. Und das werden auch die Programmmacher der privaten Sendeanstalten irgendwann – auf ihre Weise – wiederum griffig formulieren können.
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