Die Stars waren die Tauben
Zu einem außergewöhnlichen Konzert im Tierpark Hellabrunn
Ein Artikel von Text/Fotos: Klaus Obermayer.
Direktor Professor Henning Wiesner betonte in seiner kurzen Ansprache das besondere Engagement des Tierparks, Brücken zu Kultur und Kunst zu bauen. Und das ist mit dieser Veranstaltung ideal gelungen. Er dankte dem Taubenpfeifenforscher Dr. Michael Gnan sowie der Bläsergruppe des Gymnasiums Leopoldinum aus Passau unter der Leitung von Matthias Edler von Pollak für die Verwirklichung dieser „Klangaktion“.
Das Blechbläserensemble spielte vor einem zahlreichen Publikum von Zoobesuchern engagiert und präzise Alte und Neue Musik bevor und während die Stars auftraten. Und die Stars waren zweifellos die Tauben. Genauer gesagt: die „Flötentauben“. Diese etwa 4.000 Jahre alte Tradition stammt aus China und war ursprünglich wohl dafür gedacht, Raubvögel davon abzuhalten, die wertvollen Tauben zu reißen.
Den Vögeln werden kleine Pfeifen aus besonders leichtem Holz ins Schwanzgefieder gebunden. Keine Sorge, den Tieren geschieht dabei nichts, man hat eher den Eindruck, sie genießen ihren Auftritt. Im Flug ertönt dann der durch den entstehenden Wind hervorgerufene Pfeifton. Da die Tiere mit unterschiedlich gestimmten Flöten ausgestattet sind (siehe Bild) können die Tauben im Schwarm durchaus ein eindrucksvolles „Konzert“ spielen. Die Wirkung dieser „Sphärenklänge“ der unentwegt kreisenden Tauben ist verblüffend und das Publikum war entzückt von der Darbietung des gefiederten Orchesters.
Orchesterleiter der Luftakrobaten ist der Tierpfleger Matthias Bartek, der im Zoo nur noch als der „Taubenflüsterer“ gilt, seitdem er mit seinen türkischen Dunek- und griechischen Wuta-Tauben die Zuschauer begeistert. Zum Konzert der kreisenden Flötentauben lässt er andere Taubenartisten akrobatische Flugkünste vorführen. Die dunkelgrauen Vögel mit den weißen Flügelspitzen steigen in kürzester Zeit hoch in den Himmel, um dann, angelockt von einer weißen arabischen Trommeltaube, in einen atemberaubenden spiralförmigen Sturzflug überzugehen und sich dabei propellerartig um die eigene Achse zu drehen.
Das Wetter spielte mit, Musiker am Boden und in der Luft ergänzten sich ideal, das Publikum war begeistert – was will man mehr? Eine Fortsetzung vielleicht? Das wäre schön!
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