Die Verantwortung des Musikers
Zum Tode von Rudolf Metzmacher
Ein Artikel von Gerhard Rohde.
Damals vermied man es gern, im Kollektiv persönliche Gefühle und Empfindungen zu zeigen. Wer mit dem Geigenkasten zum Musikunterricht eilte, riskierte Spott und Gelächter der Schulfreunde. Gleichwohl verstand es Rudolf Metzmacher, um niemand anders handelte es sich bei dem Künstler, auch die Gleichgültigsten allmählich zum Zuhören zu verleiten. Rudolf Metzmachers Persönlichkeit, seiner Ausstrahlung, seiner Autorität konnte man sich nur schwer entziehen, und die „Musikalischen“ unter den „Primanern“ waren fasziniert von der technischen Perfektion des Cellisten, seinem Stilempfinden und seiner Ausdruckskraft. Etwas später fand man für sich auch den treffenden Begriff für Metzmachers Musizieren: in seinem Spiel schwang stets das große Humanum mit, das großer Musik innewohnt.
Rudolf Metzmacher, 1906 in Schwerin in eine „erzmusikalische“ Familie hineingeboren, erhielt den ersten Unterricht von den Eltern, dann nahmen sich Julius Klengel am Leipziger Konservatorium und anschließend Hans Muench in Holland seiner an. Bei Diran Alexanian und Hugo Becker erhielt er den letzten Feinschliff zu einem charakteristischen Personalstil. Als Erster Solo-Cellist kam er nach Stettin zum Städtischen Orchester, 1930 folgte die Konzertmeister-Position bei den Münchner Philharmonikern, 1934 beim Philharmonischen Staatsorchester Hamburg. Lehrtätigkeiten führten Rudolf Metzmacher nach Frankfurt am Main, Hannover und Lübeck. In Bayreuth gehörte er viele Sommer zum Festspielorchester. Seine internationale Karriere als Solist verband sich mit seiner Zugehörigkeit zum legendären Stross-Streichquartett. Rudolf Metzmacher war einer der außergewöhnlichsten Cellisten unserer Zeit, in seinem hochmusikalischen Spiel war immer auch etwas von der hohen Verantwortung zu spüren, die der nachschöpferische Musiker der Musik schuldet. Jetzt ist Rudolf Metzmacher im Alter von siebenundneunzig Jahren in Hannover gestorben.
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