Die Vier wird vom Platz gestellt
Neue Dachmarke BR Klassik will Klassikkompetenzen bündeln
Ein Artikel von Andreas Kolb.
Produziert wird gebührenfinanziert, vermarktet durch die BR-W-Service GmbH. Erträge sollen, so der Hörfunkdirektor Johannes Grotzky auf einer Pressekonferenz in München, in die Programme zurückfließen. Mit der Leitung des neuen Labels sind der Label-Manager Stefan Piendl und als Consultant der Produzent Peter Alward beauftragt. Für den Vertrieb der CDs ist Naxos zuständig, das die BR-Klassik-Einspielungen sowohl als Tonträger als auch via Download vertreibt.
Das erste Veröffentlichungspaket enthält Mainstream mit Bruckner, Mahler, Haydn, Bach und Beethoven, sowie eine Box mit Aufnahmen des BR-Symphonieorchesters unter allen seinen Chefdirigenten aus Anlass des 60-jährigen Orchesterjubiläums. Aufnahmen mit Werken von Frank Martin und Karl Amadeus Hartmann deuten an, dass man auch dem Bildungsauftrag eines öffentlich-rechtlichen Senders genügen will. Reizvoll für die Dirigenten Mariss Jansons, Ulf Schirmer und Peter Dijkstra ist es insbesondere, dass sie nicht unter dem ökonomischen Druck arbeiten müssen, wie es üblicherweise bei CD-Produktionen der Fall ist. Unter dem Gesichtspunkt einer vernünftigen Balance zwischen Ökonomie und Ideellem können sie diejenigen ihrer Live-Einspielungen auf CD editieren, die sie für die besten halten.
BR-Klassik ist jedoch weit mehr als nur ein neues CD-Label. Vom 1. Oktober an bündelt der Bayerische Rundfunk (BR) seine gesamten Aktivitäten auf dem Feld der klassischen Musik unter der neuen Dachmarke BR-Klassik. Auch die BR-Klassikwelle Bayern 4 Klassik, das einzige Klassik-Vollprogramm der ARD, wird vom 1. Oktober an nur noch unter BR-Klassik firmieren. „Die Vier wird vom Platz gestellt“, sagte Axel Linstädt, Leiter des Programmbereichs BR-Klassik. Die Dachmarke umfasst außerdem alle drei BR-Klangkörper, die TV-Konzert- und Opernaufzeichnungen, das Klassik-Onlineangebot sowie das neue CD- und DVD-Label.
Auf die jüngsten Vorschläge des Bayerischen Rechnungshofes angesprochen, die Klangkörper als eigenständige GmbH auszugliedern, antwortete Grotzky klar: „So lange ich Hörfunkdirektor bin, wird kein Klangkörper outgesourct und gibt es kein bundesweites Kulturprogramm“. Es sei jedoch nicht von der Hand zu weisen, dass die Klassik unter Kostendruck stehe, insofern könne es durchaus sein, dass man bei der Programmgestaltung in Zukunft verstärkt auf CDs zurückgreifen werde. Der Einsatz von CDs des eigenen Klangkörpers kommt den BR nämlich günstiger als Aufnahmen aus dem Archiv. Schuld daran: bei CDs entfällt die teure Materialabgabegebühr an die Verlage.
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