DVD-Tipp 2012/02


(nmz) -
Tschaikowsky +++ The Doors: Mr. Mojo Risin‘: The Story Of L.A. Woman +++ Grönemeyer – Schiffsverkehr Tour 2011: Live in Leipzig
Ein Artikel von Sven Ferchow, Viktor Rotthaler.

Ausgabe: 
2/12 - 61. Jahrgang

 Tschaikowsky

Winkler Film

Wohl kein anderer europäischer Filmregisseur hat sich in den 60er- und 70er-Jahren so sehr mit den großen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts beschäftigt wie der Brite Ken Russell. Als am 27. November 2011 das große Enfant terrible des europäischen Autorenkinos im Alter von 84 Jahren starb, ging diese Nachricht fast unter. Sein letzter wichtiger Film, „Die Hure“, lag bereits 20 Jahre zurück, und er war langsam aus dem Blick verschwunden. Vor vierzig Jahren hatte er noch für Skandale gesorgt mit seiner wunderbar freizügigen Lawrence-Verfilmung, „Liebende Frauen“, oder der sehr erotischen Huxley-Adaption „Die Teufel“ (der endlich im März in England auf DVD erscheinen wird). Und genauso provokativ waren auch all seine großen Musikerbiografien über Mahler, Liszt oder Tschaikowsky. Angefangen hatte Ken Russell in den frühen sechziger Jahren bei der BBC mit extravaganten Dokumentationen über Elgar, Prokofieff, Debussy, Delius oder Richard Strauss. Aber auch dem Truffaut-Komponisten Georges Delerue hat er ein schönes Porträt gewidmet mit dem tollen Titel „Don‘t shoot the Composer“. Weil er damals gegen alle Konventionen des Fernsehens verstieß, nannte man ihn bald den „wild man of the BBC“. Ende der 60er-Jahre begann er seine obsessive Arbeit im Kino noch radikaler fortzusetzen. In „Tschaikowsky“ machte er den russischen Komponisten zum zerrissenen Pop-Star. Wie der Zufall es so will, erscheint genau jetzt dieses „blueprint“ für alle danach folgenden modernen Komponisten-Biopics bei Winkler-Film auf DVD. Durch und durch ikonografisch inszenierte Russell seine Phantasie über diesen homosexuellen Künstler, verkörpert von Richard Chamberlain. Ein Film, der gewissermaßen die neuen Zeiten des Pop ankündigte, das Zeitalter des „Ziggy Stardust“. Wer will, kann „The Music Lovers“ (so der treffende Originaltitel) als Link sehen zwischen der britischen Vaudeville-Tradition und dem Glam-Rock eines David Bowie. Ja, zwischen „Genie und Wahnsinn“ bewegten sich Russells groteske Filme über „Sex, Drugs & Rock‘n‘Roll“ in jenen wirklich „glamourösen“ Jahren. [Viktor Rotthaler]

The Doors: Mr. Mojo Risin‘: The Story Of L.A. Woman

Edel Germany, Spieldauer: 94 Minuten

Für viele ist es das legendärste Album. Und es feiert 40. Geburtstag. Mit einer 60-minütigen Dokumentation, die ihren Zweck erfüllt. Erzählt wird, wie die Songs entstanden und was um die Band herum geschah. Erzählende sind die noch unter uns verweilenden Bandmitglieder, aber auch Radiomoderatoren oder der Produzent der Platte. Synchronisiert wurde übrigens nichts. Der Fan muss mit deutschen Untertiteln leben. Auch über Jim Morrison wird geplaudert, und grenzwertige Filmaufnahmen mit originalem Zeitgeist-Flair runden die Doku ab. Als Bonus gibt es den Song „She Smells So Nice“, über den sich jeder sein eigenes Urteil bilden mag. [Sven Ferchow]

Grönemeyer – Schiffsverkehr Tour 2011: Live in Leipzig 

EMI Music Germany, Spieldauer: 140 Minuten 

Etwas länger zurück liegt die Veröffentlichung „Schiffsverkehr“ von Herbert Grönemeyer (November 2011). Dennoch bleibt sie empfehlenswert. Warum? Gutes Songmaterial, gute Songauswahl, gutes Kameratiming. Der Sound ist satt und ausgegoren, die Regie überzeugt mit Ausgewogenheit zwischen einer gigantischen Bühne, monströsen Effekten und einer doch intimen Beziehung Grönemeyers zum Publikum. Tadellos. [Sven Ferchow]

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