Ein Stück Rundfunkgeschichte lebt weiter
Nach sieben Jahren Kampf bekamen die Bremer ihren Sendesaal wieder
Ein Artikel von Eckart Rohlfs.
Sie alle wussten, was die Musiker und die für die Klangtechnik Verantwortlichen an dem 1952 erbauten und durch seine federgelagerte Raum-in-Raum-Akustik so glückhaft gelungenen Sendesaal hatten, den sie nun wieder erhalten haben. Er verkörpert mit seinen akustischen Eigenschaften ein Stück Rundfunk- und Technikgeschichte und hat inzwischen „heimatgeschichtliche Bedeutung“.
Wie eine Posse mutet es an, dass Radio Bremen für die doch begehrte Wiederbenutzung ihres ehemaligen Sendesaales, nämlich für Produktionen und öffentliche Konzerte, künftig selbst Mietzins berappen muss. Denn im Nachhinein hat sich herausgestellt: Die Räumlichkeiten in Radio Bremens teurem Neubau in der Innenstadt sind unzureichend, also wird man das alte Quartier weiterhin nutzen müssen.
Das siebenjährige Fechten um die Bestandserhaltung des Sendesaales fand in letzter Minute eine glückhafte und praktikable Lösung. Den Sendesaal-Freunden war es gelungen, in dem Baukaufmann Klaus Hübotter einen potenten und erfahrenen Investor zu interessieren, der sich schon mehrfach für städtebauliche und baukünstlerische Entwicklungen und damit um die Baukultur in Bremen verdient gemacht hat. Sein Konzept sieht eine Drittelnutzung für Konzerte und Gastproduktionen jeweils durch die Sendesaal-Freunde und Radio Bremen vor. Der weitere Anteil bleibt einer „Institution des Gesundheitswesens“ vorbehalten.
Die Wiedereröffnung feierten die Sendesaal-Freunde mit einem Porträtkonzert des 79-jährigen Spaniers Luis de Pablo in Zusammenarbeit mit dem Instituto Cervantes. Das „Plural Ensemble“ unter Fabián Panisello, spezialisiert auf Neue Musik, stellte kompetent vier Kammermusikwerke von Luis de Pablo aus den Jahren 1978 bis 2008 vor. Darüber hinaus ließen sich die Freunde des Sendesaales bei einem internen Fest für die „Wieder in Besitznahme“ von viel geladener Prominenz beglückwünschen. Noch-Intendant Heinz Glässgen allerdings weilte in Rom, vielleicht um Buße abzuleisten für angeblich Ungereimtes und viel Schiefgelaufenes im Siebenjahre-Kampf um (Alt- und Neu-)Bau und deren Finanzierung (siehe nmz 11/2007, „Keith Jarrett und weitere siebentausend Unterschriften“).
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