Einblicke in das virtuelle Klassenzimmer

E-Learning als Ergänzung zu konventionellen Unterrichtsformen


(nmz) -

Michael Papst-Krueger: Musikstunde-ONLINE: Musikpädagogische Fortbildung im Virtuellen Klassenraum, Georg Olms Verlag, Hildesheim u.a. 2006, XVI, 392 S., Abb. u. Graf., € 48,00, ISBN 978-3-487-13119-1

Ein Artikel von Volker Bendig

Neue Medien sind allgegenwärtig und schon von daher eine der zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Gerade das ungeliebte und defizitäre Schulfach Musik kann in hohem Maße vom Einsatz digitaler, das heißt computerbasierter Technik profitieren. Mit großem Einsatz und Sachverstand ist es Michael Pabst-Krueger gelungen, eine besonders interessante und wirkungsvolle Form des E-Learnings in der Musikausbildung zu realisieren: „Musikunterricht Online“, als Live-Session via Computer und Internet, eingebunden in ein Netzwerk virtueller Klassenräume. Im Gegensatz zu „asynchronen“ Lernmodulen (zum Beispiel Gehörbildungs-Software auf CD-ROM) ermöglicht ein solches „synchrones“ E-Learning „ein sehr kommunikatives, motivierendes, flexibles, lebendiges und vielfach besonders effektives Lernen.“ (S. 6, 9, 363) Mit ,Interwise ECP‘ (Enterprise Communication Platform) steht eine international renommierte, ausgesprochen leistungsfähige Kommunikationsplattform zur Verfügung. Diese ist Garant für multimediale Interaktion beziehungsweise Kommunikation in Echtzeit: über Sprache (Vollduplex; Voice-over-IP), Texte, Zeichenwerkzeuge, flexible Kleingruppenbildung, Live-Videostreams und anderen (S. 131 folgende). Darauf zugeschnitten gibt es unterschiedliche Software-Pakete für Teilnehmer und Kursleiter. In seiner fünf Jahre dauernden Studie hat der Autor eine breite Palette an kleineren Projekten aus Musiktheorie, -praxis und -didaktik für ,Interwise ECP‘ entwickelt oder schon ausgearbeitete Präsenz-Veranstaltungen (mit „realer“ Klasse und „physisch“ anwesendem Lehrer) entsprechend arrangiert. Das Herzstück bilden umfangreichere Fortbildungsreihen für Lehrer/-innen wie „Sambarhythmen im Musikunterricht für Einsteiger sowie für Percussionisten“. In der vorliegenden, multimedialen Aufbereitung für virtuelle Klassenräume sind diese einzigartig – zumindest im deutschsprachigen Raum. Mit wissenschaftlicher Akribie hat Pabst-Krueger alles minutiös protokolliert und ausgewertet, auch kleinere Pannen nicht verschwiegen, vor allem aber nie den großen Zusammenhang aus den Augen verloren. Ohne die beachtliche Leistung des Autors in Frage stellen zu wollen, seien einige kritische Hinweise erlaubt.

Nicht zuletzt für das Fach Musik garantiert das IQSH (Institut für Qualitätssicherung an Schulen Schleswig-Holsteins) eine vorzügliche Ausstattung an Alten und Neuen Medien. Auch ohne weitere Fördermittel steht somit ‚Musikstunde–ONLINE‘ auf einer soliden Basis, von der viele Bundesländer nur träumen. Von vergleichbaren Aktionen wie ‚Schulen ans Netz‘ (NRW) profitiert die Musik herzlich wenig. Nur mit besonders engagierten, belastbaren und kompetenten Mitstreiter/-innen ist es überhaupt möglich, neue Musikmedien an Schule und Hochschule zu verankern – ein langer und mühsamer, aber auch lohnender Weg, wie ich aus eigener Erfahrung zu berichten weiß. Vielleicht tragen Pabst-Kruegers nachweisbare Erfolge dazu bei, weitere politische Entscheidungsträger in ganz Deutschland aufzuwecken; zumal längerfristig Geld eingespart werden kann. Visionär, global und dennoch kontrolliert das in die Zukunft gerichtete Resümee des Autors: „Durch entsprechende Weiterentwicklungen und Innovationen könnte synchrones Lernen über das Internet in Form von Unterricht im Virtuellen Klassenraum dann einer der bewährten Bausteine im Methodenpool des lebenslangen Lernens werden …“ (S. 364)

Fazit: Ein unbedingt lesenswertes Buch. Ein profunder und vielschichtiger Einblick in die Neuen Medien im Allgemeinen wie im Dienste synchroner Lernmodule – aus verschiedenen Blickwinkeln von Lehrenden und Lernenden. Musikunterricht im Virtuellen Klassenraum: eine ebenso reizvolle wie effektive Ergänzung zu konventionellen Unterrichtsformen – wenn grundlegende inhaltliche und formale Rahmenbedingungen stimmen.

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