Engagierter Theaterbotschafter aus besseren Zeiten
Der Intendant und Opernregisseur Kurt Horres wurde siebzig Jahre alt
Ein Artikel von grk.
Stets war er mehr als nur Regisseur: ihm war Theater „moralische Anstalt”, die Moderne stetiger Anlass, die Menschen über Menschen wachzurütteln. Dabei spielte er nicht den „Softie”, sondern setzte auf die Rolle eines verantwortungsvollen Prinzipals, der, skeptisch gegenüber Mitbestimmung, Arbeitsethos und Disziplin forderte. Konservativ in der Haltung, progressiv in der Sache, hat er manche Zerreißprozesse aushalten müssen. 1975 ging er als Intendant ans Staatstheater Darmstadt, wo sich sein Bildstil noch einmal weitete.
nszenierungen wie die von Brittens „Tod in Venedig” sind bis heute in Erinnerung. Es folgte der Ruf nach Hamburg. Das Intermezzo währte nur kurz: Horres legte nach nur drei Monaten seinen Vertrag zurück. Vieles kam da wohl zusammen, um ihm die Arbeit zu verleiden. In Düsseldorf an der Rheinoper fühlte er sich dann wie befreit, auch wenn Etatkürzungen ihn bekümmerten, er die Akzeptanz der Kunst im Schwinden sah. Horres‘ Ideal von Moderne gewann immer mehr historische Züge – der Lauf der Zeit, dem alle schöpferischen Kräfte sich zu beugen haben. Immerhin gehörte Horres zu den Entdeckern eines Herbert Wernicke oder Günter Krämer, die die „Fackel” weitertrugen. Wernickes früher Tod hat Horres besonders schwer getroffen. Als Regisseur ist er immer noch aktiv – gerade hat er in Bonn die „Ariadne auf Naxos” in Szene gesetzt, die geniale Reflexion von Hofmannsthal und Strauss über das Operntheater, an der sich auch Kurt Horres ein Künstlerleben lang erfolgreich beteiligt hat.
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