Gebührenfinanzierte Musik als Grundversorgung
Öffentlich-rechtlicher Sender in Norwegen öffnet seine Archive
Ein Artikel von Christoph C. Stechbart.
Der Wermutstropfen dabei ist jedoch, das hier vom Norwegischen Rundfunk (NRK) und nicht von einer ARD-Anstalt die Rede ist. Jener gebührenfinanzierte staatliche Sender plant Mitte Oktober 2008 in seinem „NRK-Musikkarkivet“-Portal fast eine Million digitalisierte Musikstücke – teilweise gebührenpflichtig – mit Hintergrundinformationen abrufbar zu machen. Über den Kulturauftrag im Sender produzierte Neue Musik-Werke stehen im selben Portal gleich neben Chart-Hits zum Download bereit – mit Fingerprint-Technologie ohne Kopierschutz!
Große Labels erhoffen sich neue Vertriebswege und wollen ihren gesam-ten Musikkatalog mit Metadaten kostenpflichtig einstellen. NRK wird mit Musikverlagen und Verwertungsgesellschaften zusammenarbeiten. So entsteht eine direkte Konkurrenz zu Angeboten von Musicload und iTunes.
Das soll über eine Musikdownload-Plattform geschehen, die mit Hilfe der Bertelsmann-nahen „discovery sysko GmbH“ programmiert und realisiert wurde. Wird eine Konzertvorbesprechung oder ein Klassikstück im Radio gehört, kann gleich das Konzertticket oder die Musik via Playlist mit Background-Informationen im Shop der Plattform bestellt werden. Medienangebote werden in Zukunft mit Meldungen aus Wirtschaft, Kultur, Politik und Gesellschaft sowie Nachrichten und Wetter verknüpft.
Der NRK plant seine Plattform außerdem mit Second-Life-, User-Generated-Content-Angeboten sowie einer Rockmuseumskooperation zu erweitern. Nach einer Authentisierung können Hörer Inhalte selber einstellen und ihr eigenes soziales Netzwerk „my-NRK“ pflegen. Die Radio-Landschaft wird sich vom One-Way- zum personalisierten Community-Rundfunk wandeln, der seinerseits Meta-Daten wie Radio-Manuskripte, Werkbeschreibungen, CD-Kritiken et cetera einstellt.
Dieses skandinavische Projekt unter der Federführung des norwegischen Rundfunks (www.NRK.no) hat Vorreiter-Funktion. In Norwegen zählt im Vergleich zu Deutschland der öffentliche Auftrag mehr als mögliche Wettbewerbsverzerrungen.
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