Gelungene Music-Comedy-Love-Story
Musikschule Mosbach zeigte die deutsche Erstaufführung von „The Goodbye Girl“
Ein Artikel von Peter Lahr.
Es liest sich schon wie eine kleine Sensation: 1993 am Broadway uraufgeführt, kam „The Goodbye Girl“ 1997 nach Europa, in das Londoner Westend. In Deutschland sahen am 14. Oktober 2005 500 Zuschauer nach zweijähriger Vorbereitungszeit die erste Aufführung in deutscher Sprache – und zwar in Mosbach, einer nordbadischen „Großen Kreisstadt“ mit 25.000 Einwohnern.
Dass dies überhaupt möglich war, ist zunächst das Verdienst von Hauptdarsteller Jan Leonhardt (26), der sowohl Dialoge als auch Songtexte parallel zu seinem Studium ins Deutsche übertrug.
Auf der Bühne spielte Leonhardt den Schauspieler Elliott Garfield. Aus Chicago kommend, erhält dieser an einem winzigen „Off-Off-Broadway-Theater“ die Rolle von Shakespeares Richard III. Nach den Wünschen seines Regisseurs soll er diese Rolle „als ein Mann, der eine Frau spielt, die einen Mann spielt“ geben. Der Flop ist vorprogrammiert, der Angriff auf die Lachmuskeln der Zuschauer in diesem „Theater im Theater“ ebenfalls.
Kaum weniger schwierig gestaltet sich die Wohnsituation des schlagfertigen Mimen. Denn als er die von einem Schauspielerkollegen untervermietete Wohnung gegen Mitternacht betreten will, findet er dort die just von besagtem Kollegen verlassene Ex-Tänzerin Paula mit ihrer zehnjährigen Tochter Lucy vor, die resolut ihr Heim verteidigt. Wie die ungleichen Bewohner der sich anbahnenden Zweck-WG doch noch zusammenfinden, bildet den roten Faden der romantischen Music-Comedy-Love-Story.
Das solide gezimmerte und gemalte Bühnenbild inklusive einer Drehbühne für schnelle Wechsel ließ die Personen glaubwürdig in realen Räumen agieren – in Paulas Wohnung, dem Central-Park, in Tanz- und Fernsehstudios und auf dem Dach eines Hochhauses. Mitunter wurde sogar die Bühne zum Zuschauerraum und der Zuschauerraum mit einer Telefonzelle zur Bühne. Treffsicher besetzte Nebenrollen, Tanzeinlagen und junge Minichöre vervollkommnten die Inszenierung. Den musikalischen Kraftakt schulterte Dirigent und Arrangeur David Meyer auf ein 14-köpfiges Ad-hoc-Orchester. Jazzige Harmonien voller Drive, delikate Ohrwürmer und manch sentimentales Stück wechselten einander ab.
Die Inszenierung und ihr guter Besuch beweisen, dass eine aktive Musikschule durchaus in der Lage sein kann, kulturelle Akzente in ihrer Gemeinde zu setzen. Voraussetzungen dafür sind freilich ein kompetentes, begeisterungsfähiges und zuverlässiges Team.
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