Generation Freelancer (Nachschlag 2011/03)


(nmz) -
Die Generation Praktikum ist erwachsen geworden, aber das Erwachsenwerden wurde zum bösen Erwachen: Aus der Generation Praktikum wurde die Generation Freelancer. Freie Mitarbeiter sind oft hoch qualifiziert, hoch spezialisiert und auch hoch bezahlt – manchmal.
Ein Artikel von Andreas Kolb.

Ausgabe: 
3/11 - 60. Jahrgang

In der Kultur geht ohne Freelancer gar nichts: Wir kennen sie als Journalisten, Lektoren, Museums-Kuratoren, Musiker und Dozenten. Und da gibt es noch den Sonderfall Jazzmusiker. Der war mangels Markt schon immer ein Hungerkünstler und musste seinen produktiven Treibstoff aus existenzieller Ungewissheit ziehen. Dieses Schicksal scheint jetzt auch den bisher besser bezahlten Klassikern zu drohen, genauer den Lehrbeauftragten an deutschen Musikhochschulen. Sie dürfen nur acht Stunden pro Woche unterrichten und verdienen pro Stunde zwischen 28 und 39 Euro.

Seit vielen Jahren gärt es deshalb unter den Dozenten. Jetzt, im Januar dieses Jahres, haben sie sich endlich in Frankfurt zu einer Ersten Bundeskonferenz der Lehrbeauftragten an Musikhochschulen getroffen. Die Fakten zu den Forderungen von geschätzten 5.000 Lehrbeauftragten bundesweit – genaue Zahlen wissen selbst die Musikhochschulen nicht – finden sich im Artikel zur Konferenz auf Seite 8.

Man sollte aber bei der Diskussion um Tarife und Vergütungen nicht vergessen, was einmal der Grund für die Einbeziehung von Lehrbeauftragten in die künstlerische Ausbildung war: Sie sollten ihre praktischen Erfahrungen aus dem Orchestergraben oder aus dem Solisten-Dasein an die Studenten weitergeben. Ein Lehrauftrag an einer Hochschule galt noch nie als Hauptberuf, aber er bedeutete Renommee. Heute finden viele Lehrbeauftragte oft gar keine Haupteinnahmequelle mehr. Sie werden zu besagten Freelancern und springen zwischen mehreren Jobs – von der Orches­teraushilfe, übers musikalische Gelegenheitsgeschäft bis hin zu  Lehraufträgen. Was können sie ihren Studenten mitgeben? Die Existenzängste eines Freiberuflers oder den Mut zum künstlerischen Risiko? Auf jeden Fall ihr Können am Instrument, denn bis zu 60 Prozent des Unterrichts an Musikhochschulen wird durch Lehrbeauftragte gegeben. Ohne sie stünde  der Hochschulbetrieb still. Noch sind Deutschlands Lehrbeauftragte nicht zu „Wutbürgern“ geworden. Aber es wurde Zeit, dass sich hier ein berufsständisches Bewusstsein entwickelt.

 

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