Glorios kapriziert
Ein Artikel von Wolf Loeckle.
Denn Rhythmus, Sprech- und Sprachmelodie bringen Charakter ins Erklingende einer jeden Sprache. Das freilich sind nicht die Fragen, die im Vordergrund stehen der dramaturgisch aufeinander zu oder gleich ganz neu komponierten Stücke des Albums mit dem Titel „salomix-max“ von Salome Kammer, der Münchnerin mit Frankfurter Wurzeln. Vielmehr geht es der fulminanten (Ex-)Cellistin, der weltberühmten (Film-) Schauspielerin als Cellistin Clarissa etwa in der „Heimat-Trilogie“ von Edgar Reitz um die Einheit des Musikalischen. Die Virtuosin der Stimmbänder agiert aktuell zwischen den Regionen der Neuen Musik im traditionellen Sinn ebenso wie sie Neuestes als Interpretin anstößt in den Konzeptionsateliers der musikalisch komponierenden Zeitgenossen. Salome Kammer fasziniert im Kabarett genauso wie sie gleichermaßen dem (variierenden) Liedgesang neue Akzente abverlangt, die nicht nur das „Neu-sein-an-sich“ als einziges Kriterium vor sich hertragen, sondern die in ihrer Reflektiertheit in der Tat neues Denken und Empfinden gleichsam generieren.
Die Künstlerin mit der Repräsentanz im experimentellen Labor und in den Territorien von „My Fair Lady“ mischt sich in den zeitgenössischen Betrieb ein: Sie erteilt Aufträge an Komponisten im intellektuellen Gewand, das immer auch humorvoll gewandet sein darf und sinnlich-sinn-voll sein soll (auf der aktuellen CD von Carola Bauckholt über Rudi Spring bis zu Helmut Oehring), sie reaktiviert die Avantgarde des vergangenen Jahrhunderts von Luciano Berio über Kurt Weill bis Alban Berg, sie relativiert die Mauer zwischen Cole Porter und dem fulminanten Rimsky-Korsakov’schen Hummelflug in Salome-Kammer’scher Anmutung.
Und das fasziniert über die Maßen. „salomix-max“ ist kein Mischmasch sondern ein klar konzipiertes, ein glorios kapriziertes, ein genial Grenzen überwindendes und Fremdes integrierendes Opus des Denkens also und des Empfindens.
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