Gratis [heißt nicht umsonst]


(nmz) -

Langsam muss man an Weihnachtsgeschenke denken, wenn man denn jemand kennt, dem man solche Freude bereiten will. Passend flattert ein Prospekt herein, eine Gratis-CD versprechend. Nein, keine gewöhnliche CD, eine Gold-Collection-CD soll es denn sein. Und nochmals nein, es handelt sich nicht um ein neues CD-Format in dieser formatgierigen Welt. Es ist nur eine superfeine CD, eine Gold-Collection-CD eben. Der reine Wahnsinn sozusagen. Denn was „gibt es denn Schöneres als großartige Musik, gespielt von einem Orchester, das zu den besten der Welt gehört?“ fragt einen die Werbebotschaft. Was drauf ist? „Hören Sie viele moderne Klassiker so, als wären Sie live dabei: Das Vienna Symphonic Orchestra spielt für Sie so bekannte Klassiker wie ,One Moment in Time‘, ,Winds of Change‘ oder Ausschnitte aus ,Die Moldau‘ von Friedrich Smetana.“ Was sich da fast anhört, als könne es sich um einen Live-Mitschnitt des Vormittagsprogrammes von NDR Kultur handeln, ist herzig. Es gibt auch nur eine Bedingung: „Wir schenken Ihnen diese erstklassige Sammler-CD, wenn Sie sich zum Kauf eines neuen Wave® Music Systems entschließen.“ Da muss man doch zugreifen, denn die Firma meint, diese CD stelle immerhin einen Gegenwert von 36 Euro dar und was teuer ist, das muss ja gut sein.

Ein Artikel von Martin Hufner.

Noch vor Jahresfrist fragte die Firma an, ob man nicht exklusiver Testhörer dieser Anlage sein möchte, vorausgesetzt, man kauft sie. Ach, die kümmern sich in letzter Zeit so sehr um ihre zukünftigen Kunden, dass man kaum noch zu widerstehen vermag; und sei es, damit die Werbepost dieser Firma ein Ende hat. Aussehen tut das Teil übrigens wie ein etwas zu plump geratenes Küchenradio. Aber es klingt, nach Versprechungen, eben wie ein Konzertsaal. Der Haken an der Sache: Das Stereo-Radio mit CD-Spieler kostet nur schlappe 698 € – aber inklusive der unbezahlbaren Gratis-Sammler-Gold-Collection-CD. „Und wenn Sie möchten, bringt Sie eine einfach programmierbare Weckfunktion gut gelaunt in den Tag.“ Da schlaf’ ich lieber noch eine Runde.

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