Hemmschwellen vor der Moderne abbauen

Ein Buch zur Spieltechnik der Flöte setzt neue Maßstäbe


(nmz) -

Carin Levine/Christina Mitropoulos-Bott: The Techniques of Flute Playing/Die Spieltechnik der Flöte, Bärenreiter-Verlag, ISBN 3-7618-1595-6 , € 38,–

Ein Artikel von Martina Binnig.

Ausgabe: 
4/03 - 52. Jahrgang

In der Solo-Literatur für Querflöte spielen zeitgenössische Kompositionen eine wichtige Rolle. Allerdings erscheinen sie auf den ersten Blick oft sehr kompliziert. Und mancher, der hochmotiviert Neue-Musik-Noten auf seinen Notenständer stellt, klappt sie verschreckt bald wieder zu. Hier setzt das im Bärenreiter-Verlag erschienene Buch „Die Spieltechnik der Flöte“ von Carin Levine und Christina Mitropoulos-Bott an: Es führt durch den Dschungel der unterschiedlichsten Notationsweisen und stellt sämtliche moderne Spieltechniken detailliert vor.

Die Autorinnen wenden sich in ihrem durchgängig zweisprachig (Englisch-Deutsch) gehaltenen Buch ausdrücklich auch an Komponisten und plädieren für eine Vereinheitlichung der Notationsweisen. In erster Linie richten sie sich aber an Studierende und Lehrende, die im Alltag mit zeitgenössischer Literatur zu tun haben. So geben sie ganz konkrete Übetipps zu Themen wie Flatterzunge, Whistle Tones, Flageoletts und Multiphonics (Mehrklänge), wobei sie auch seltenere Sonderformen (wie etwa Whistle Tones bei abgedecktem Mundloch) behandeln. Für jede vorgestellte Technik fügen sie ein Notenbeispiel an und im Anhang haben sie CD-Hinweise und ein Verzeichnis mit Klangbeispielen zusammengestellt.
Besonders hilfreich auch für schon Neue-Musik-erfahrene Flötisten ist die etwa 60 Seiten umfassende Multiphonics-Grifftabelle. Über 1.000 Griffverbindungen sind hier aufgeführt und hinsichtlich ihrer Stabilität und ihres dynamischen Spektrums kategorisiert. Dabei berücksichtigen Carin Levine und Christina Mitropoulos-Bott auch verschiedene Flöten-Typen: Modelle mit und ohne Ringklappen, H-Fuß und E-Mechanik.

Weitere Tabellen umfassen Griffe bis zum g’’’’ sowie für Triller der 4. Oktave, für die mikrotonale Skala (Vierteltöne) und für Bisbigliando-Effekte (Klangfarbentriller).

Dem Buch ist auf angenehme Weise anzumerken, dass es aus der Praxis heraus entstanden ist: Carin Levine blickt denn auch auf eine langjährige Unterrichtstätigkeit an den Musikhochschulen Bremen, Detmold und Lübeck zurück und ist regelmäßige Dozentin bei den „Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik“ und bei Meisterkursen. Sie hat mit Komponisten wie Mauricio Kagel, Giacinto Scelsi, Dieter Schnebel und Brian Ferneyhough zusammengearbeitet. Christina Mitropoulos-Bott war unter anderem Mitglied bei der „Musikfabrik NRW“ und dem „Ensemble Köln“ und hatte 1997 bis 1999 einen Lehrauftrag an der Musikhochschule Lübeck inne.

Das Buch wird sicher bald zum Standardwerk und trägt sehr gelungen dazu bei, die Hemmschwelle vor zeitgenössischen Kompositionen abzubauen.

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