Ideenverkäufer
Ein Artikel von Martin Hufner.
Was in der Literatur festgestellt wurde, gilt noch viel mehr für die Musik der Gegenwart. Schaut man sich einmal an, was heute so alles unter Musik läuft, so findet man fast nur Geschäftsmusik. Dass Musik allein im Sinne des Warenbegriffs verstanden wird, ist zwar nichts Neues. Relativ neu ist jedoch, dass grundsätzlich Ware vor Ästhetik geht und in öffentlichen Debatten zum „common sense“ geworden ist. Dass dies auch eine demokratisch legitimierte Form des Kultur-Krieges ist, zeigt sich schon in der Bezeichnung der Hörer, die man ins Visier nimmt: Man bezeichnet sie schlicht als „Zielgruppen“. Man trifft sie über die zeitgeistgeschulten Ohren an der Geldbörse. Und damit schließt sich der Kreis. Musik wird zur tönend bewegten Form von geldwertem Kapital.
So haben Karl Marx und Friedrich Engels doch noch verspätet und unverhofft Recht bekommen: Das Sein bestimmt das Bewusstsein. In dieser Lage Initiativen über den Wert der Kreativität zu arrangieren, muss auf die Zielgruppen wie ein schlechter protestantischer Witz aus den Moralkellern der Musikindustrie wirken – nämlich unglaubwürdig und weltfremd. Wo das Geld regiert, ist kein Platz für Kreativität.
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