Kino-Tipp (2009/07): „Klang der Seele“

Vorgestellt von Juan Martin Koch


(nmz) -
Klang der Seele. Dokumentarfilm von Marian Czura (Kinostart: 9. Juli)
Ein Artikel von Juan Martin Koch.

Ausgabe: 
7/09 - 58. Jahrgang

„Seine Schüler in den Abgrund schauen lassen und sie in dem Moment, wo sie ihn gesehen haben, beschützen, das ist das Kunststück dabei.“

Der Komponist Cord Meijering leitet seit vielen Jahren eine Kompositionsklasse für Kinder und Jugendliche an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt, deren Direktor er seit 2005 ist. Was er über das Lehrer-Schüler-Verhältnis sagt, hätte der dramaturgische Leitfaden für Marian Czuras Dokumentarfilm „Klang der Seele“ werden können. Ansätze davon finden sich in den Unterrichtssequenzen mit dem knapp 20-jährigen Roman Czura (nicht verwandt mit dem Regisseur) (Ergänzung: Nach neueren Erkenntnis ist dies leider nicht korrekt, nmz-online berichtete am 9. Juli 2009). Der fühlt sich zur polnischen Neotonalität hingezogen, schwärmt voller Emphase von der Inspiration aus dem Innersten („Es muss aus dir herausschreien“) und wird von Meijering nicht mit Samthandschuhen angefasst. Seine Musik erschöpfe sich immer wieder in Versatzstücken, wirft er ihm vor und der junge Czura hält dagegen.

Von diesen lehrreichen Reibungsflächen (Meijering sieht sich auch als „Sparringspartner“ seiner Schützlinge) würde man in der filmisch unprätentiös angelegten Dokumentation gerne mehr sehen. Interessant wäre auch eine genauere Betrachtung des kirchenmusikalischen und improvisatorischen Hintergrunds bei Christoph Bornheimer gewesen, über den wir im Vergleich zu Czura und seinen Kommilitoninnen Michelle Löffler und Jakobine Eisenach nicht allzu viel erfahren.

Dennoch ist dies der sehenswerte Versuch, den mühevollen Prozess nachzuvollziehen, der aus dem Drang, sich mit eigener Musik zu äußern, Kompositionen entstehen lässt. Am Ende können die vier jungen Komponisten die Ergebnisse dieses Arbeitsprozesses im Konzert hören – um entscheidende Erfahrungen reicher, die es dann weiterzutragen gilt.

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