Konkrete Utopie
Ein Artikel von Max Nyffeler.
Für die Freunde sozialistischer Utopien mag das verwerflich klingen, doch konkreter als ihre nostalgischen Träume sind Gabriels Ideen mit ihrer Mischung von Zukunftsvision und Pragmatismus allemal. Aus ihnen sprechen die Frische und Unvoreingenommenheit eines im besten Sinn unternehmerischen Bewusstseins, das, ausgehend von der Analyse der Realität, auch das scheinbar Unmögliche zu denken wagt. Das wichtigste Mittel, um die Erste mit der Dritten Welt zu vernetzen und die Millionen Unterprivilegierter in den Ländern Asiens und Afrikas an eine bessere Existenz heranzuführen, ist für ihn die Kommunikation. Genauer: das Mobiltelefon. Es ist dort schon heute ein billiges Massenkommunikationsmittel. Und er zitiert eine junge Kenianerin, die in einer Sendung der BBC sagte: „Wir glauben nicht an das Rad und nicht an das Feuer, aber mit dem hier werden wir es schaffen“, und dem Interviewer ein Telefon in die Kamera hielt. Gabriel ist überzeugt: Mit dem Mobiltelefon ließen sich zum Beispiel in ländlichen Gegenden Bildung vermitteln und medizinische Hilfe leisten, das System der Minikredite würde wirklich massentauglich, Migranten könnten Geld nach Hause überweisen. Kinder, so Gabriel, sind neugierig auf neue Technologien, seien sie noch so arm, und wollen Teil dieser Welt werden, aus der sie bislang ausgeschlossen blieben. Es liegt an uns, ihnen den Weg freizugeben, indem wir sie unterstützen und zum Beispiel unser altes Telefon spenden. Eine Utopie? Vielleicht, aber durchaus konkret. Manchmal lohnt es sich, den U-Musikern gut zuzuhören.
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