Kulturauftrag
Ein Artikel von Martin Hufner.
Der rbb ist kein Einzelfall. Ähnliches konnte man von Radio Bremen vor einigen Jahren hören. Kann man noch denen trauen, Kulturfunk zu machen, die untereinander offenbar in Angst und Schrecken leben und jeder zivilisierten Kommunikation entbehren?
Der Schuss ging für den rbb nach hinten los. Nicht nur zeigten sich Komponisten wie Manfred Trojahn, Wolfgang Rihm und Aribert Reimann in einem offenen Brief empört, jetzt kritisieren auch der Deutsche Musikverleger-Verband und der Verband Deut-scher Bühnen- und Medienverlage in einer Pressemitteilung: „Öffentlich-Rechtlicher Rundfunk missachtet Kulturauftrag“ und nehmen die Entlassung Martin Demmlers zum Anlass ihres Unmuts. Das kommt ein bisschen spät. Dort liest man: „Das vollmundige Motto des rbb ,Hier ist Kultur‘ taugt nicht einmal mehr als Etikett, den Schwindel zu kaschieren, der wortwörtlich auf Kosten der Hörer und ihrer berechtigten Erwartungen an einen öffentlich-rechtlichen Sender betrieben wird.“ Richtig, schön, dass sich das auch bis zu den Musikverlegern herumgesprochen hat, dass der Musikfunk abdudelt. Vermutlich haben ein paar ihrer Mitglieder festgestellt, dass durch die „Reformen“ weniger Geld in die eigenen Kassen (und die der Urheber) fließt.
Die Kulturwellen von NDR und rbb müssen mit weiter sinkenden Hörerzahlen leben. Aber als Kulturbeauftragte der Öffentlichkeit wissen die neuen Schöngeister bestens, wie man das verklären kann. Man fragt sich, wer ist dafür verantwortlich, dass der Kulturfunk in manchen Regionen sich so sehr gängelt. Ist es nur ein ökonomisch-populistischer Reformatismus, weil man ja ab und an sich verändern oder modernisieren will? Und was bedeutet es, wenn gerade die E-Musikredaktionen da einen seltsamen Eifer entwickeln, sich selbst um ihre Kulturvielfalt zu kastrieren.
Da sitzen gestandene Rundfunkredakteure wie beispielsweise Wilhelm Matejka nun an den Schalthebeln der Programme und vergessen alles, was sie einmal selbst anders, vor allem besser gemacht haben. Matejka kann auch nichts Merkwürdiges daran finden, dass in seinem Programm bis 18 Uhr nicht mehr die Moderatoren die erklingende Musik selbst wählen. Ach, wenn die Moderatoren wenigstens ihre Musikchefs, Programmdirektoren und Intendanten wählen könnten.
P.S.: Der aktuelle Zustand der Kulturfunkkultur wird ausführlich unter www.dasganzewerk.de dokumentiert. Die Website und die dahinter liegende Initiative sind gegenwärtig die einzig zuverlässige Quelle über die aktuellen Entwicklungen in diesem Bereich, allen Unterlassungserklärungen zum Trotz.
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