Leopold-Preiträger 2007

Rezensiert in der nmz


(nmz) -

Heut‘ ist Gespensterball. Kinderlieder zum Spielen, Tanzen und Mitmachen

Pestalozzi, ISBN 3-61453010-8

Das fetzt, kann man da nur sagen: Graf Dracula rockt, Gespensterkinder
laden ein zum Tango, aber auch der kleine Zauberer, die Hexe
Timpa Tamperla, Seegespenster, Kobolde, Nebelhexen und ein alter
Burggraf
vervollständigen den Reigen der gar nicht so grusligen Schauergesellschaft.
Der stilistische Bogen ist weit gespannt – von melancholischen
Balladen über Blues, Tango- und Dixie-Klänge bis hin
zum Rock‘n‘Roll und Walzer. Alle Liedertexte lassen
sich im beigefügten Booklet nachlesen, nach der zwölften
Nummer folgen alle Titel noch einmal in der selben Reihenfolge
als Playback, das man zum Selbermitsingen gut nutzen kann. Die
Musikerinnen und Musiker an Querflöte, Klarinette, Saxophon,
Trompete, Posaune, Tuba, Violoncello, Akkordeon, Gitarre, Synthesizer,
Bass und Schlagzeug (!) agieren gekonnt und spielfreudig. Arrangiert
und geleitet wird das Ganze von Klaus Heider, der Kinderchor der
Grundschule Düsseldorf-Kaiserswerth schmettert fröhlich
dazu. (ab 6 Jahren)

Ursula Gaisa

Ute Kleeberg: Eisblumen für
dich


Edition See-Igel, ISBN 3-935261-11-X

Vor einem Monat ist Paul mit seinen Eltern in eine fremde Stadt
gezogen. Alle seine Freunde musste er zurücklassen. Nachts
fürchtet er sich in seinem noch fremden Bett. Bis er eines
Tages ganz alleine einen Schneemann baut … Von Anfang an
fesselt die Geschichte. Das liegt nicht zuletzt am Sprecher Ulrich
Noethen, der als Schauspieler bereits in etlichen Kinderfilmen
wie „Bibi Blocksberg“ oder „Das Sams“ mitgewirkt
hat und hier mit seinem ruhigen und einfühlsamen Erzählstil
dafür sorgt, dass die richtige Stimmung aufkommt. Der Text
wechselt sich in kurzen Passagen mit ebenso kurzen klassischen
Musikstücken ab, so dass die Gefahr der Langeweile nicht mal
ansatzweise besteht. Für die Musik, die von Uwe Stoffel (Klarinette)
und Thomas Wellen (Celesta/Klavier) gespielt wird und die Stimmung
im Text ausgezeichnet unterstreicht, wurden Stücke von Bartók,
Mendelssohn-Bartholdy, Milhaud, Mozart, Mussorgsky, Reger und Scriabin
ausgewählt. Alles in allem sehr gelungen (ab 4 Jahren)

Benedikt Dreher

Falsche Fährten. Die zwei
Gesichter des Ludwig van Beethoven


Deutsche Grammophon 476 966 9

Auf eine falsche Fährte lockt leider diese Produktion von
der traditionell um jüngere Hörerschichten bemühten
Deutschen Grammophon. Was als „Krimi in Dur und Moll“ angekündigt
wird, entpuppt sich schnell als müde Geschichte um eine verschwundene
Plattensammlung in der Schule mit pädagogisch wertvoller Auflösung.
Notdürftig eingeflickt werden ein paar biografische Fakten
zum „zweigesichtigen“ Ludwig van Beethoven, garniert
mit kurzen überwiegend atmosphärisch eingesetzten Werkauszügen.
Ganze 23 Minuten dauert das Hörspiel, aufgefüllt wird
die Scheibe mit einer guten halben Stunde weiterer Einzelsätze,
wobei rätselhafterweise nicht die während des Hörspiels
nur angespielten Werke Berücksichtigung finden, sondern
andere ohne erkennbares System aufeinander folgen. Ausgerechnet
Symphonisches
fehlt dabei. Was dieses Konzept zur Vermittlung musikalischer
Inhalte beitragen soll, bleibt im Dunkeln. (ab 10 Jahren)

Juan Martin Koch

Monika Piper-Albach: Die Zauberflöte. Ein Hör- und Singspiel
frei nach der „Zauberflöte“ von W. A. Mozart


uccello – gut zu hören, Seefeld

ISBN 978-3-937337-13-5 (CD)

Wenn der Musiklehrer in seiner Klasse ankündigt, sich mit
einer Oper zu beschäftigen, ist vehementer Widerstand bei
Jugendlichen gewiss. Solch eine Szene hat Monika Piper-Albach vorsorglich
ihrem „Hör- und Singspiel frei nach Mozarts „Zauberflöte“ vorangestellt.
Indem der Lehrer die Klasse dafür begeistern kann, die „Zauberflöte“ selbst
neu zu gestalten, eigene Wünsche zu berücksichtigen und
die Texte nicht operngemäß zu singen, wird das Interesse
erfolgreich auf dieses Experiment gelenkt. Mit knorriger Stimme übernimmt
Günter Strack die Rolle des Erzählers, knüpft didaktisch
vereinfacht einen roten Faden für Handlungs- und Personenzusammenhänge.
Geräusche und andere akustische Additiva füllen die Studioaufführung
atmosphärisch, dadurch wird die Oper attraktiv für junge
Hörer. (ab 6 Jahren)

Hans-Dieter Grünefeld

Felix Janosa, Jörg Hilbert:
Ritter Rost geht zur Schule


Terzio, ISBN 978-3-89835-707-4

Im achten Band der Reihe, die mittlerweile echten Kultstatus
errreicht und auch in diesem Jahr wieder den Sonderpreis „Poldi“ der
Kinderjury abgeräumt hat, muss der tapfere rostige Ritter
die Schulbank drücken. Doch bald stellt sich heraus, dass
der so genannte Lehrer nur ein umgebauter Plattenspieler mit Hänger
ist und der Hausmeister, meist knurrig, saure Milch verkauft
… Untermalt wird das Ganze wie immer mit schmissigen frechen
Liedern.
Kultig wie gesagt. (ab 6 Jahren)

Ursula Gaisa

Das Gespenst von Canterville

SWR, Headroom Sound Production

ISBN 978-3-934887-55-8

Dass ein Profi-Sinfonieorchester (in diesem Fall das SWR Rundfunkorchester
Kaiserslautern unter der Leitung von Andreas Hempel) ein Kinderhörspiel
intoniert, ist nicht gerade musikalischer Alltag. Umso verdienstvoller,
dass hier eine qualitätvolle Musik zur Hörspielbearbeitung
der Erzählung von Oscar Wildes „Das Gespenst von Canterville“ eingespielt
wurde. Die bekannte Geschichte von der amerikanischen Familie Otis,
die im neuen Schloss-Domizil das Gespenst zwar wahr-, aber nicht
recht ernst nimmt, wird hier in einer Mischung aus Witz und Nachdenklichkeit
spannend nachgespielt und -erzählt. Die musikalische Begleitung,
komponiert von Henrik Albrecht, bewirkt die Verstärkung der
erzählerischen Spannung. Leitmotivik und filmmusikalische
Elemente kennzeichnen das Hörspiel. Der Text steht allerdings
im Vordergrund. Dennoch: Ein Hör-Genuss für die ganze
Familie.

Josefine Becker

Rudolf Herfurtner: Tims wundersame Sternenreise. Die antike Sagenwelt
hinter den Tierkreiszeichen

Musik: Helga Pogatschar


Igel Records, ISBN 3-89353-990-5

Neugier brennt manchmal mit der Phantasie durch, der Bauernjunge
Tim jedenfalls erfindet seine eigenen Erklärungen für
die Tierkreiszeichen. Bis der Große Wagen jäh auf der
Erde notlandet, von zwei edlen Pferden sowie dem mürrischen
Maulesel Mizar gezogen und von dem verärgerten Gnom Alkor
gelenkt.

Wegen freundlicher Hilfe erfährt Tim von Mizar die am Nachthimmel
verborgenen antiken Geschichten des Zodiaks, wird sein Begleiter
auf der „Wundersamen Sternenreise“, die Rudolf Herfurtner
für Kinder ab acht Jahren geschrieben hat und Udo Wachtveitl
erzählt.

Zwölf Ensembles bayerischer Musikschulen spielen die von Helga
Pogatschar zu jedem Tierkreiszeichen komponierten Intermezzi. Sie
geben diesen Wissensabenteuern ein apartes Flair, den spannenden
und verständlichen Geschichten angepasst. (ab 8 Jahren)

Hans-Dieter Grünefeld

Gedanken wollen fliegen. Toni
Geiling Kinderlieder, New Acoustic Collective,
Bestelldaten: www.tonigeiling.de

Wer noch nach dem geeigneten Soundtrack für den nächsten
Kindergeburtstag sucht, wird auf Toni Geilings Album „Gedanken
wollen fliegen“ wohl eher nicht fündig werden. Zwar
sprühen sie vor Sprachwitz: Wenn sich Wurz der Wiesenwurzelwicht
zur Gespensterstunde am Buffet an Kuhfladen und Spinnentee gütlich
tut, bringt dies nicht nur zum Schmunzeln, sondern schult auch
kindliches Ausdrucks- und Vorstellungsvermögen. Aber die Texte
bewegen sich in jener traumartigen, märchenhaften Atmosphäre,
für die Kinder eher an regnerischen Herbstnachmittagen oder
vor dem Einschlafen empfänglich sind. Geilings Gesang und
die Begleitung durch Gitarre, Violine, Klavier, auch Maultrommel,
Tuba und Banjo, überhaupt die oft recht getragene Vertonung
im Volkslied- und Folk-Stil, entsprechen dieser Stimmung ganz
genau. Die Melodien und Rhythmen sind anspruchsvoll gestaltet,
gehen aber
mit der Zeit ins Ohr. (ab 4 Jahren)

Julia Hartel

Allerleirauh

Edition See-Igel

ISBN 078-3-935261-13-5

In gewohnter See-Igel-Manier wird hier das poetisch-melancholische
Märchen von der Königstochter, die vor ihrem heiratswütigen
Vater in den Wald flüchten muss und dort von ihrem Prinzen
aufgelesen wird, erzählt. Eva Mattes begleitet in diesem Fall
mit ihrer angenehm unaufgeregten Stimme die Zuhörer bis zum
Happy End. Unterbrochen wird das Ganze hauptsächlich mit kurzen
Stücken aus Frank Martins „Pavane Couleur Du Temps“ (1920),
das dieser für die Vorlage „Eselshaut“ der Gebrüder
Grimm geschrieben hatte, und von Mozart-Menuetten. Die Musiker
des Pellegrini Quartetts mit dem Klarinettisten Uwe Stoffel musizieren
feinfühlig und verleihen dem Ganzen eine spannende atmosphärische
Dichte, die jedoch den kleinen Zuhörerinnen und Zuhörern
schon eine Menge Konzentration abverlangt. Ein wohltuender Kontrast
zur Zippzapp-Mentalität der Fernsehgeneration, auf den man
sich auf jeden Fall einlassen sollte. (ab 7 Jahren)

Ursula Gaisa

Des Kaisers Nachtigall. Eine musikalische Erzählung. Musik:
Vàclav Trojan. Ensemble enCANTO
. ENCANTO (Büchergilde
 282246)

Eine Entdeckung gibt es auf dieser CD zu machen, die dem bewährten
Konzept aus dem Hause See-Igel ähnelt. Das Ensemble enCANTO
hat die Musik Vàclav Trojans, die dieser Ende der vierziger
Jahre für eine Produktion des tschechischen Puppen- und Trickfilmpioniers
Jiri Trnka komponiert hatte, für Klavier, Gitarre und – als
nahe liegendes Nachtigall-Instrument – Flöte arrangiert.
In der Interpretation durch Goetz Mursch, Markus Hebsacker und
Jörg Benzing entfaltet sie in ihrer mit modalen Elementen
erweiterten, nie harmlosen Tonalität einen poetischen Zauber,
der Andersens wunderbarem Märchen über die Verfügbarkeit
von Musik und ihre verborgenen, nicht mechanisch reproduzierbaren
Kräfte eine entscheidende Dimension hinzufügt. Von Peter
Haug-Larmersdorf vollständig gelesen ergibt das eine knappe
Stunde Spielzeit, die aber durch die Abwechslung zwischen Lesung
und Musik angenehm rhythmisiert wird. (ab 4 Jahren)

Juan Martin Koch

Freundschaft mit Tansania

Carus Verlag Stuttgart, CV 12.009/99

Bei „Freundschaft mit Tansania“ ist der Titel Programm.
Schon seit bald 20 Jahren ist diese Freundschaft zwischen dem „Bagamoyo
College of Art“ in Tansania und der „Musikschule Beckum-Warendorf“ gewachsen.
Ehemalige Studenten des Colleges und der Kinderchor der Musikschule
taten sich zusammen, um dieses gemeinsame CD-Projekt zu verwirklichen.
Das Ergebnis ist eine Mischung aus tansanischen Volksliedern und
neuen Songs. Während die Afrikaner die Stücke in verschiedenen
tansanischen Dialekten vokalakrobatisch präsentieren, wurden
für den Kinderchor die Texte in die deutsche Sprache sinngemäß übersetzt.
Diese Übertragungen können interessant wirken, aber auch
unfreiwillig komisch. Die Songs sind solide komponiert, arrangiert
und umgesetzt. Vor allem der Kinderchor beeindruckt durch Präzision:
eine tolle Anregung für Afrika-Projekte an Musikschulen und
in Jugendzentren. Fazit: Ein reizvolles Experiment, das aber leider
nicht den entscheidenden Funken überspringen lässt. (10–18
Jahre)

Anne Thomas

Major Dux. Ein Jazzhörspiel von M. Baltscheit & Sandra
Weckert, featuring Bill Ramsey & Billy Butterfly
, Audio-CD,
Terzio, ISBN 3-89835-410-5

Dass der Jazz etwas Subversives hat und deswegen gerne in verrauchten
Kellern Unterschlupf findet, wussten wir ja schon. Autor und
Zeichner Martin Baltscheit hat den Jazz in seinem Hörspiel nun gar
zur Speerspitze einer Untergrundbewegung gemacht, die von ihrem
Unterschlupf in U-Bahnschächten aus dem musikfeindlichen Major
Dux den Marsch bläst. Erzählt wird die etwas verschrobene
Geschichte mit hinreißend subversiven Songs, die Sandra Weckert
den charakterstarken Protagonisten auf den Leib geschrieben hat.
Stilistisch breit gefächert führen sie die jüngere
Zielgruppe ab sechs Jahren so ganz nebenbei auch in verschiedene
Jazzspielarten ein. Und vermitteln etwas von der Kraft einer Musik,
die – den Posaunen einer prähistorischen Big Band gleich – Gefängnismauern
zum Einsturz bringen kann.

Vorsicht also: In dieser wunderschön gestalteten und erstklassig
musizierten Scheibe steckt Dynamit! (ab 6 Jahren)

Juan Martin Koch

Rumpelstil: Alle Wetter

Tari Taro, LC 13686

Eine CD für Familien zu produzieren ist unglaublich schwierig:
Entweder sind die Eltern nach wenigen Minuten genervt oder die
Kinder langweilen sich. Die Gruppe „Rumpelstil“ hat
mit „alle wetter“ einen Volltreffer gelandet. Denn
worüber können sich Kleine und Große immer freuen, ärgern
und den gemeinsamen Nenner finden? Das Wetter. Genauso facettenreich
wie verschiedene Witterungen sind die Stilrichtungen auf dieser
CD von Big Band Anklängen bis Sprechgesang gelungen zusammengewürfelt.
Im rosa-süßen Einheits-Brei der Texte, die angeblich
für Kinder geschrieben wurden, schmecken die Texte von „Rumpelstil“ wie
klares Wasser: einfach und wirklich gut. Mal geht es ganz schnörkellos
darum, dass die Sonne richtig gute Laune macht und im nächsten
Lied findet man unter einem Wolkenberg kleine Weisheiten. Wer übrigens
wissen möchte, wie das Morsealphabet aussieht, wie sich ein
E-Gitarrist definiert und was ein Brontologe ist, findet diese
Informationen im schmuck gestalteten Booklet. (6–11 Jahre)

Anne Thomas

Jorinde und Joringel

Edition See-Igel in Co-Produktion mit dem SWR, ISBN 978-3-93526-112-8

„Jorinde und Joringel“ ist ein Märchen über die
Kraft der Liebe. Das Paar gerät in die Macht einer bösen
Hexe, die auf ihrem Schloss schon viele Menschen eingefangen und
verzaubert hat. Aber gegen die Liebe Joringels kann die Zaubermacht
der Hexe nichts ausrichten; er entkommt und macht sich auf, die
Geliebte und die anderen Opfer zu befreien. Die Geschichte, ursprünglich
erzählt von Johann Heinrich Jung-Stilling, wurde später
von den Brüdern Grimm in ihre Märchensammlung übernommen.
In bewährter Manier hat die Edition See-Igel eine sorgfältige
und zum Text passende Musikauswahl getroffen. Werke für Gitarre
und Flöte unter anderem von Edvard Grieg, Béla Bartók,
Manuel de Falla und Francis Poulenc, zeichnen die Stationen des
Märchens nach. Die Länge der Musikstücke lässt
die Spannung der erzählten Geschichte an keiner Stelle abbrechen.
Musik und Erzählung bilden ein stimmiges Ganzes. Wally Hase
(Flöte) und Thomas Müller-Pering musizieren in gewohnter
See-Igel-Qualität. (ab 5 Jahren)

Josefine Becker

Helme Heine: Die Schöpfung – Eine musikalische Erzählung.
Musik von Reinhard Seifried
, Beltz & Gelberg und Schott, ISBN
 3-7957-0521-5

Die Entstehung der Welt und die Natur des Menschen sind die
Themen in Helme Heines ausgezeichnetem Bilderbuch „Die Schöpfung“.
Auf der beiliegenden CD kann sich der Leser unabhängig vom
bebilderten Werk die klangliche Ausdeutung der Geschichte als „musikalische
Erzählung“ anhören. Dabei setzt Dirigent und Komponist
Reinhard Seifried auf im Hör-eindruck bekannte Themen und
Motive aus der Welt der Klassik sowie auf wiedererkennbare Instrumente
und Formationen, die in bildlicher Art und Weise die Texte wiedergeben
sollen, die vom Autor selbst erzählt werden. Das Besondere
an Heines Schöpfungsgeschichte ist, dass sie mit der Erschaffung
von Adam und Eva nicht zu Ende ist, sondern erst richtig losgeht.
Von den Kindern und Kindeskindern der berühmten Ur-Eltern
wird der Bogen zum Leser geschlagen, der zur Geburt drei Freunde
geschenkt bekommt. Das Besondere an Heines Lebens-Erklärungs-Versuch
ist weiterhin, dass er nicht aufhört, wenn das Leben an und
für sich erklärt ist, sondern schildert, was mit Kopf,
Herz und Bauch an dem Tag passiert, an dem wir sterben. (ab 4
Jahren)

Friederike Neermann

Pssst, ich weiß was! Gedichte & Geschichten & Abzählreime
mit Musik von Tschaikowsky, Paganini und Dvorák


Intelligent Entertainment, Köln, ISBN 978-3-00-022126-2

Von kinderleicht bis recht anspruchsvoll reicht das Spektrum
der Gedichte, kurzen Geschichten, Abzählreime und Zungenbrecher
auf dem vom VdM empfohlenen Hörbuch. Gelesen werden die Texte
von Hörfunk- und TV-Moderator Kai Spitzl. Anna Zlotovskaia
(Violine), Olga Smotrich (Cello) und Tatiana Kozlova (Klavier)
ergänzen sie durch Kompositionen von Tschaikowsky, Paganini
und Dvorák. Eine Kombination, die Kindern sicherlich Spaß macht,
vor allem weil Spitzl die kleinen literarischen Kostbarkeiten äußerst
zungenfertig und mit großer Variation seiner Stimmlagen vorträgt.
Zu deren Autoren gehören die „Grundschulklassiker“ Josef
Guggenmoos und James Krüss, große Dichter wie Theodor
Fontane, Joachim Ringelnatz und Erich Kästner, aber auch unbekannte
Wortkünstler. Ein potentielles Lieblingsstück: das „Eletelefon“.
In dem kleinen Gedicht „Es war einmal ein Mann“ wird
das Kind animiert, die fehlenden Reimwörter jeweils selbst
einzusetzen. Und manche der Zungenbrecher, die Spitzl mit Paganinis
Geigenläufen um die Wette herunterplappert, werden öfter
vorgetragen – alles gute Hilfen zum Auswendiglernen. (ab
4 Jahren)

Julia Hartel

Marko Simsa, Doris Eisenburger: Die Bremer Stadtmusikanten.
Das Märchen der Brüder Grimm zur Musik von Erke Duit
, Annette
Betz Verlag. ISBN 978-3-219-11265-8

Ein Märchen, das förmlich nach Musik schreit, eine flotte,
aber nicht platte Musik mit Ohrwurm-Potenzial: Viel mehr braucht
es eigentlich nicht, um eine unterhaltsame knappe dreiviertel Stunde
mit einem schönen Bilderbuch (illustriert von Doris Eisenburger)
zu verbringen. Vom Wiener Kinderkonzert-Abräumer Marko Simsa,
der auch den Erzähler gibt, stammt das Konzept, das den Märchentext
um einige musikalische Aspekte erweitert: eine Instrumentenvorstellung à la
Prokoffief, die allmähliche Entstehung des tierischen Erkennungsstücks
und entsprechende kleine Textergänzungen. Erke Duits Musik
für streicherloses Kammerensemble mit präsentem Schlagwerk
vermeidet weitgehend kindermusikalische Klischees und findet zu
einem charakteristischen Tonfall mit Wiedererkennungswert. Die
Umsetzung ist lebendig und professionell, nur das mehrstimmige
Nachtlied hätte intonationssicheren Sängern anvertraut
werden sollen. Zum Selbersingen ist es aber auch mit Noten abgedruckt.
Auch den Räuberchor kann man zur angehängten Instrumentalversion
noch einmal mitgrölen. (ab 4 Jahren)

Juan Martin Koch

Lucia und das Drachenhalsband

Helga Pogatschar (Musik), Rudolf Herfurtner (Text)

Erzählt von Hannelore Hoger


Aktive Musik Verlagsgesellschaft GmbH, Igel Records, Dortmund

ISBN 978-3-89353-122-6

>Das Schönste an dieser Edition: Hier musizieren nicht Erwachsene
Neue Musik für Kinder, sondern Kinder und Jugendliche für
Kinder. Zwölf Ensem-bles bayerischer Musikschulen spielen
zwölf Miniaturen der Münchener Komponistin Helga Pogatschar
auf beachtlichem Niveau. Die kleinen Drei- und Vierminüter
sind die Programmmusiken zu einer Ilias der besonderen Art. „Groooß ist
die Maus, die Maus ist groooß“ ist das Motto der zwölf
Erzählungen von Rudolf Herfurtner: Die großen Helden
sind nämlich klitzekleine Mäuse, die gegen riesenhafte
Katzen und andere Monster antreten müssen, um ihr Leben, ihre
Familie und Freunde zu retten. Über 180 Minuten auf drei CDs
verlangen eine gewisse Ausdauer der jungen Zuhörer ab acht
Jahren. Heldensagen mit antikem Personal wie Basilisk, Sphinx,
Minotaurus, Chimäre oder dem Totenfluss Acheron sind Teil
einer Rahmenhandlung, in der die junge Maus Lucia und ihr Freund
und Beschützer Orlando entdecken, dass Traditionen keinen
Ewigkeitswert besitzen und auch Götter vom Sockel gestürzt
werden können. (ab 8 Jahren)

Andreas Kolb

„Der Schnabelsteher“ & „Der fliegende
Baum“


Random House Audio, ISBN ISBN 978-3-89830-949-3

Zwei Erzählungen von Rafik Schami werden vom Duo Pianoworte
(Helmut Thiele und Bernd-Christian Schulze) in Szene gesetzt: Die
Geschichte vom kleinen Raben, der – mit der Gabe des Auf-dem-Schnabel-Stehens
gesegnet – dem Pfau, dem eitlen König der Vögel,
einen Spiegel vorhält und den anderen Vögeln zeigt, mit
wem sie es da zu tun haben. Und die Geschichte vom Baum der sich
nicht entscheiden kann, was für ein Baum er sein will, der
sich mit den Tauben auf den Weg macht und wegfliegt und schließlich
einige singende Fische vor dem Pelikan rettet. Beide Erzählungen
handeln von der eigenen Courage und der Bereitschaft, sich gegen
Konventionen zu stellen. Die beiden Klavierparts (der „Schnabelsteher“ komponiert
von Michael Jan Haase, der „Fliegende Baum“ von Friedrich
Höricke) erzählen sensibel und textgenau die Geschichten
auf ihre Weise nach. Leitmotivisch werden die Figuren eingeführt
und dargestellt. Haase zeichnet eindrücklich den Weg des kleinen
Raben, Hörickes Musik erzählt impressionistisch von der
Gefühlswelt und der aufregenden Reise des kleinen Baums. Ein
höchst gelungenes Zusammenspiel von Wort und Musik und zwei
Geschichten zum Immer-Wieder-Hören. (ab 8 Jahren)

Josefine Becker

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