Liebeserklärungen neutönerisch und jazzig

Konzerte im Rahmen des 850. Stadtjubiläums von München


(nmz) -

München hat Geburtstag. 850 Jahre sind seit der offiziellen Stadtgründung vergangen, in denen sich der Ort ausgehend von einer bloßen Brücke über die Isar zu einer internationalen Metropole entwickelt hat. Dies war der Anlass zu einer ganzen Reihe von Konzerten und anderen Kulturveranstaltungen, die den Sommer über Tausende in die bayerische Landeshauptstadt gelockt haben. Exemplarisch berichtet die nmz über zwei Konzerte im Gasteig.

Ein Artikel von Jörg Lichtinger/Andreas Kolb.

Ausgabe: 
9/08 - 57. Jahrgang

Karl Valentin 1945 und 2008

„Alle anderen mit Ausnahme der Eskimos und Indianer haben mehr Interesse an mir als meine ‚Landsleute‘“, klagte Karl Valentin nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, als er – mangels öffentlichen Interesses – keinen seiner künstlerischen Pläne mehr umsetzen konnte.

Da musste erst mehr als fünf Jahrzehnte später ein Neu-Münchner, der gebürtige Bochumer Hans-Georg Küppers, als Kulturreferent an die Isar kommen, um das zu ändern. Sechs der zahlreichen Projekte zum 850. Stadtjubiläum Münchens haben er und das Kulturreferat dem Volkskünstler Karl Valentin zu dessen sechzigstem Todesjahr gewidmet. Für das Musikprojekt wurde die erst im Oktober 2007 mit dem Münchener Musikförderpreis ausgezeichnete Komponistin Helga Pogatschar gewonnen.

„Valentin 1945 – Liebeserklärung an München“ nannte die Komponistin ihre Chorsymphonie für Stimme, zwei Chöre, Kinderchor und Kammer-ensemble. Als Libretto verwendete sie den legendären „Kartoffelprolog“ und zwei Briefe Valentins an den damaligen Münchner Oberbürgermeister Scharnagel („Bin ich ganz vergessen?“). Träger der Handlung war ein Blow-Up-Chor, bestehend aus dem via-nova-chor München, der Capella Vocale München und den Münchner Chorbuben und Chormädchen. Ein Glanzlicht setzte der vierte Chor des Abends, der Chor des Bayerischen Rundfunks mit den beiden Mahler-Liedern in der Bearbeitung von Clytus Gottwald. ak

Jazz mit Chizhik

Zu den kulturschaffenden „Laudatoren“ gesellten sich auch zugereiste Münchner. Das Richard-Strauss-Konservatorium (RSK), Hort für viele Musiker aus aller Welt, von denen gerade Münchens Jazzszene stark profitiert, war der Ausgangspunkt einer musikalischen Hommage dieser Wahlmünchner an ihre neue Heimat. „München – Europa – Jazz“ nannte der moldawische Pianist Leonid Chizhik sein Jubiläums-Konzert im Carl-Orff-Saal des Gasteigs, zu dem er Studenten und Dozentenkollegen des RSK – inzwischen in der HfMT München aufgegangen – eingeladen hatte. „Europa“ war als Rahmen für die Zusammenkunft eigentlich zu eng gefasst, denn neben dem aus Krakau stammenden Saxophonisten Leszek Zadlo waren auch der australische Gitarrist Peter O’Mara und der Perkussionist Adel Shalaby aus Ägypten mit dabei. Als weiterer Gast von internationalem Rang war der bosnische Trompeter Dusko Gojkovich gekommen. Sie alle haben sich vor mehr oder weniger langer Zeit an der Isar niedergelassen und sind dort heimisch geworden. Für manche war dies zunächst ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang, wie für Peter O’Mara, der davon erzählte, wie er Anfang der 80er-Jahre in München-Riem aus dem Flugzeug gestiegen war, ohne zu wissen, was ihn in dieser Stadt erwarten würde. Heute sei er glücklich über die Entscheidung, sich dort niederzulassen und auch Zadlo versicherte, in München sein „zweites Krakau“ gefunden zu haben, Chizhik geriet sogar ins Schwärmen über die „positive Energie“ der Stadt. Mit ihren eigens komponierten Stücken gaben die Jazzer mit „Migrationshintergrund“ dem Publikum eine Vorstellung von dem hohen Niveau, das sie und andere Musiker ihrer Klasse in diese Stadt gebracht haben. Ein unterhaltsamer Abend, der trotz der allzu lockeren Präsentation gezeigt hat, dass Münchens Kulturprobleme sich auch im Jazz nicht um die Qualität des vorhandenen Personals drehen, sondern allein um unzureichende Räumlichkeiten.

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