Mit der Geige gegen die Langeweile
Mannheim fördert Musikunterricht für Schüler mit sozial schwachem Hintergrund
Ein Artikel von Martina Fuchs.
Drei Jahre lang wird ihnen der Musikunterricht finanziert, den sie sich selbst – beziehungsweise ihre Eltern – auf Dauer nicht leisten können. Für dieses von der Musikschule des Fachbereichs Bildung initiierte Projekt stellt das Städtische Leihamt 50.000 Euro zu Verfügung, damit in Mannheim insgesamt 30 Schüler mit sozial schwachem Hintergrund gefördert werden können. Warum Musikunterricht? Hansjörg Korward, Leiter der Musikschule: „Die Beschäftigung mit einem Instrument fördert Kreativität, Konzentration und Kommunikation, das Musizieren in Gruppen fördert Sozialverhalten sowie Teamfähigkeit.“ Aus vielen Studien ist inzwischen bekannt, dass Kinder, die ein Musikinstrument gelernt haben, viel weniger zu „Problemkindern“ werden. Sie brechen seltener die Schule ab, neigen weniger zu Gewalt, sind eher bereit, eigene Ideen konsequent zu verfolgen. Wer in einer Band spielt, dem muss man „Gemeinschaft“ nicht lange erklären.
Senem haben Streichinstrumente schon gut gefallen, als sie noch in die Grundschule ging. Sie kannte sie aber nur aus dem Fernsehen, Musikunterricht war damals kein Thema in der Familie. Ähnlich ging es Melissa, die ganz fasziniert ist von dem Instrument: „Geige ist etwas Besonderes, man muss richtig üben, um einen schönen Ton hinzubekommen. Das kann nicht jeder gleich nachmachen.“ Und das Üben macht ihr sehr viel Spaß, auch wenn sie manchmal keine Zeit dazu hat – in einer Familie mit fünf Kindern ist halt immer etwas los. Senem plant täglich etwa eine halbe Stunde für ihre heißgeliebte Geige ein, „außer am Wochenende, da bekommen wir immer Besuch von allen unseren Verwandten.“
Jede Woche kommt Geigenlehrerin Carolin Johnson von der Musikschule Mannheim in die IGMH, um die Mädchen zu unterrichten. Dank des Stipendiums gibt es jetzt sogar den teureren Einzelunterricht statt des Gruppenunterrichts. Senems dunkle Augen leuchten, wenn sie von ihrer ersten Einzelstunde erzählt: „Das war ganz toll, Frau Johnson hat sich nur um mich gekümmert, jetzt kann ich viel schneller lernen!“ Das Gelernte setzen die beiden dann beim Ensemble-Spiel ein.
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