Musik bewegt Kinder

3. Symposion des Arbeitskreises Elementare Musikpädagogik


(nmz) -

Musik ist hörbar gemachte Bewegung – Bewegung macht Musik sichtbar. Beide Aspekte bilden ein Ganzes, wenn sich Kinder, und nicht nur diese, aktiv mit Musik beschäftigen. Ob sie singen, tanzen, ein Instrument spielen oder aktiv Musik hören, die äußere Bewegung, aber auch das innere Bewegtsein im Sinne des emotionalen Erlebens schwingen mit.

Ein Artikel von Barbara Metzger

Ausgabe: 
3/08 - 57. Jahrgang

Ein interessanter Aspekt aus der Semantik zentralafrikanischer Sprachen unterstreicht die enge Verbundenheit von Musik, Melodie, Text, Rhythmus, Tanz und Bewegung. Hier existiert kein eigenes Wort für Melodie, denn Melodie ist Text und auch kein spezielles Wort für Rhythmus, denn Rhythmus ist Tanz.

Auch ein Blick in die Anthropologie der Musik ist aufschlussreich. Ob Medizinmann, Schamane, Priester, sie alle verwenden Texte und Melodien verbunden mit oft ritualisierter Körpersprache und klarer Bewegungs-Choreografie in einem definierten Raum.

Es ist immer wieder faszinierend, in der Praxis zu erleben und in der wissenschaftlichen Forschung bestätigt zu finden, dass Musik und Bewegung wesentliche Bereiche im Menschen ansprechen. Sei es die Psychomotorik, die Wahrnehmungsfähigkeit, die Sprach­entwicklung oder die Kommunikation, das Denken im Handeln oder die Hördifferenzierung: Musik wirkt aus sich heraus anregend und steht immer im direkten Bezug zur Bewegung. Kein gesungener Ton entsteht ohne Bewegung der Stimmbänder und des ganzen Atemsystems, kein Geigenton ohne die durch den Widerstand der Bogenhaare erzeugten Schwingung der Saite. Umgekehrt reagiert selbst der erfahrendste Abonnement-Konzertgänger zumindest mit einem leichten Wippen des Fußes oder der Beschleunigung des Herzschlages auf eine furiose Passage einer Symphonie. Musik bewegt also den Rezipienten, der Musikmachende bewegt sich, um Töne zu erzeugen. Innerlich findet oft auch Bewegung statt, denn Musik hören oder Musik machen kann sich kaum ohne Emotionen, also innerer Bewegtheit, abspielen.

Die Verwobenheit von Musik und Bewegung zeigt sich auch deutlich in der speziellen Ausformung des kinästhetischen Sinnes. Er kann im Gegensatz zu den anderen eindimensionalen Sinnen sowohl Wahrnehmungs- als auch Handlungsorgan sein und somit zum Beispiel spüren, wie sich ein richtig intonierter Ton auf dem Griffbrett anfühlt, bevor das Ohr die Hörkontrolle liefert. Mit seiner Hilfe kann auch die Bewegungsabfolge beim spontanen oder gebundenen Tanzen perfekt zum Musikhören synchronisiert werden.

Das 3. Symposion des Arbeitskreises Elementare Musikpädagogik in Zusammenarbeit mit der Landesakademie Ochsenhausen bietet also ein hoch komplexes, viele Entwicklungs- und Lebensbereiche tangierendes Thema an. Es werden neue wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen im Bereich der musikalischen Bildung von Kindern in Schulen und außerschulischen Einrichtungen aufgezeigt. Dabei stehen die Prinzipien des Elementaren Musizierens, wie sie im Lehrgebiet Elementare Musikpädagogik (EMP) vermittelt werden, im Vordergrund. In Vorträgen, Workshops und Konzerten werden praxiserprobte Modelle und innovative Ansätze vorgestellt und reflektiert. Bewegung und Singen in Verbindung mit Hören bilden die Schwerpunkte des Elementaren Musizierens, die in den unterschiedlichsten Arbeitsfeldern vom Eltern-Kind-Musizieren über die Streicherklasse an der Grundschule bis hin zum generationsverbindenden Musizieren im Seniorenheim in ihrer Bedeutung für Mensch und Musik erschlossen werden können.

Die gemeinsame Konzeption dieser drei intensiven Begegnungstage einmal durch den Arbeitskreis Elementare Musikpädagogik an Ausbildungsinstituten in Deutschland (AEMP), zum anderen durch die Landesakademie Ochsenhausen ermöglicht eine hohe Dichte an Kompetenz und große Vielseitigkeit im Themenangebot. Über vierzig Referenten werden ihr Können und Wissen in Workshops, Vorträgen und Seminaren erlebbar machen. Der Eröffnungsvortrag zum Thema „Musik in Zeiten des Bildungsutilitarismus“ und ein weiterer Vortrag zum „Einfluss des Singens und Musizierens im Kindesalter auf Denken und Fühlen“ deuten bereits die Aktualität und Informationsbreite der Angebote an.

Unter der Rubrik Perspektiven werden unter anderem Gedanken zur Didaktik musikalischer Bildungsarbeit im Kleinkindalter, Erfahrungen zum intergenerativen Musizieren und Informationen zur Entwicklung des musikalischen Vorstellungsvermögens im Kindesalter vorgestellt. Das Angebot an Workshops unter der Rubrik Modelle ist in drei Schwerpunktbereiche unterteilt: Bewegung, Stimme und Arbeitsfelder. Bewegt gehörte Musik verdeutlicht Unterrichtsprinzipien der Elementaren Musikpädagogik (EMP) im Bezug zur interaktiven Konzertpädagogik. Die Workshops Lieder in Bewegung, Tanzen nach Bildern, elektronische Musik im Rhythmikunterricht oder Moving Music stehen beispielhaft für die Vielfalt an praktischen Angeboten für diesen Bereich. Mit Stimmspielen und der Frage, welche Lieder wir eigentlich unsere Kinder lehren, wird das Thema Stimme vielseitig erschlossen, wobei das Symposion so konzipiert ist, dass allen zahlreiche Gelegenheiten geboten werden, um selbst zu singen.

Anmerkungen:
1) vergl. Manfred Spitzer: Musik im Kopf,
S. 213 ff, Verlag Schattauer, 2004
2) ebenda S. 217
3) vergl. Wolfgang Suppan: Der musizierende Mensch, Verlag Schott, 1984

Informationen:
25. bis 27. April 2008
3. Symposium des AEMP und Kongress „Musik bewegt Kinder“
Perspektiven – Modelle – Ansätze
Kosten: 110–160 € (Kongressbeitrag, Übernachtung und Verpflegung)
Bitte fordern Sie weiterführende Informationen an.
Landesakademie für die musizierende Jugend in Baden-Württemberg
Schlossbezirk 7
88416 Ochsenhausen
Tel. 07352/9110-0, Fax 07352/9110-16
sekretariat@landesakademie-ochsenhausen.de
www.landesakademie-ochsenhausen.de

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