Neue Musik für Kinder

Uli Wüster als Gast beim Musikmagazin „taktlos“


(nmz) -

„Neue Musik für Kinder“ hieß die 77. Ausgabe des Musikmagazins „taktlos“, die am 5. Mai live aus der Stuttgarter Musikhochschule übertragen wurde. Moderator Theo Geißler hatte mit seiner Bayern2Radio-Sendung bewusst die Grenze ins Nachbarland überschritten, um am Vorabend des Symposions „Wege der Neuen Musik“ das Thema „Perspektiven der Musikvermittlung“ auf die Zielgruppe der Kinder zu fokussieren. Schließlich fand die Tagung, für deren Veranstalter stellvertretend Musikpädagogik-Professorin Sointu Scharenberg auf dem Podium saß, im Rahmen des 3. Stuttgarter Musikfestes für Kinder statt. Außer ihr gehörte zur Gesprächsrunde Philipp Vandré, einer der Gründer des Kindermusikfestes. Er leitet unter anderem eine Kompositionsklasse an der Musikschule, von deren Ergebnissen einige in der Sendung live zu hören waren. Weitere Gäste waren die Komponistin Charlotte Seither, die zuletzt als Weikersheimer Stadtkomponistin der Jeunesses Musicales (JMD) auch aktuelle Zugänge zur Neuen Musik mit örtlichen Schulklassen realisiert hatte, und schließlich der Generalsekretär der JMD, Uli Wüster – hatte doch die Jeunesses Musicales, zu deren Domänen seit 50 Jahren die tatkräftige Förderung der jeweils zeitgenössischen Musik gehört, mit ihrer Initiative Konzerte für Kinder das Thema Musikvermittlung bundesweit salonfähig gemacht.

Ein Artikel von Mathias Sieben.

Ausgabe: 
6/04 - 53. Jahrgang

Überraschend groß war der Konsens der Podiumsrunde, die das Thema so gar nicht „taktlos“ angreifen wollte. Auch der sonst oft provokante Einspielbeitrag von Martin Hufner wurde von den Protagonisten gern unterschrieben: Kinder sind wirklich für alle Klänge und Musikerfahrungen offen, für sie ist alle erstmals gehörte Musik „neu“ – wenn, ja wenn die Umwelt oder gar die Musikpädagogik ihnen die Ohren nicht verengt. Auch der kreative Selbsterfahrungsanteil, den Kinder bei ihren wegweisenden Primärerfahrungen benötigen, wurde von allen als gleichermaßen weichenstellend angesehen. Ein gutes Zeichen eigentlich, zeigt es doch, dass es in Deutschland heute eine aktive Bewegung gibt, die neugierig auf die jungen Ohren zugeht und versucht, eine noch so gut gemeinte Pädagogisierung von Musik selbstkritisch zu vermeiden. Der Grat zwischen „Entertainment“ und „Education“ ist freilich sehr schmal, so dass die Herausforderungen an die Wegeöffner enorm bleiben werden.

Die Sendung ist im Internet unter http://www.nmz.de/taktlos/2004/takt77.shtml nachhörbar.

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