QsM heißt von der Wirtschaft lernen
Wie Musikschulen sich selbst mit Erfolg auf den Prüfstand stellen
Ein Artikel von Bernhard Leopoldt.
Mit dem Qualitätssystem Musikschule (QsM) beschreiten die Musikschulen im VdM in Kooperation mit der frey Akademie einen neuen Weg, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern. Die Erfahrungen, die in den letzten Jahren in der Wirtschaft gemacht wurden, standen Pate bei diesem Ansatz. Ziel von QsM ist es, durch Selbstbewertung das Bewusstsein für die eigenen Stärken und die Notwendigkeit gezielter Verbesserungen zu gewinnen. Die ersten Erfahrungen mit diesem System sind viel versprechend. Beteiligte Musikschulen berichten von wichtigen Erkenntnissen und umfangreichen Verbesserungsmaßnahmen.Wenn man unter dem Druck steht, die eigene Daseinsberechtigung belegen zu müssen oder im Kampf um öffentliche Mittel zu bestehen, sind objektive Belege der eigenen Leistung gute Argumente. Nachweisbare Leistungen zählen bei Politikern, die für die Vergabe von Kulturförder- und Bildungsmitteln verantwortlich sind.
Geht man aber in seiner Arbeit auf und ist ausgelastet, dann beginnt man irgendwann die Fähigkeit zu verlieren, die eigene Leistung objektiv bewerten zu können. In Zeiten, in denen die Anforderungen von allen Seiten immer weiter zunehmen, kann dies fatal sein. Deshalb war es sinnvoll, dass der Verband deutscher Musikschulen seinen Mitgliedern ein System zur Verfügung stellt, das den Musikschulen hilft, ihre eigene Leistung festzustellen, zu belegen und zu verbessern.
Was steckt hinter QsM? Zur Bestimmung der eigenen Leistung gibt es in der Betriebswirtschaft seit einigen Jahren das Prinzip der Selbstbewertung. Durch ein Sich-Vergleichen mit dem Modell eines idealen Betriebs stellt man seinen Leistungsstand, seine Stärken und Verbesserungspotenziale fest. So erlangt man die Fähigkeit, gezielte Maßnahmen zu ergreifen, seine Stärken auszubauen oder sich in weniger starken Bereichen zu verbessern.
Auf diesem Prinzip beruht auch der Europäische Qualitätspreis und der deutsche Ludwig-Erhard-Preis für herausragende Leistungen im Wettbewerb. Beiden liegt als Bewertungsmaßstab das EFQM-Modell (EFQM – European Foundation for Quality Management – Europäische Stiftung für Qualitätsmanagement) zu Grunde, das gleichermaßen Standard für die interne Selbstbewertung wie die externe Bewertung durch die Preisrichter ist.
Dieses EFQM-Modell wurde vom VdM zur Grundlage des Qualitätssystems Musikschule gemacht. In zweijähriger Expertenarbeit wurde das Modell auf die Anforderungen der Musikschulen abgestimmt und Standards für gute Musikschulen eingebaut. Als höchste Reife ist eine Musikschule beschrieben, die alle Anforderungen einer selbstlernenden Organisation erfüllt.
Als Verfahren nutzt man die Systematik und Methodik des Schweizers Prof. Dr. Karl Frey, der dieses Modell unter der Bezeichnung „QAP – Qualität als Prozess“ bereits in Schulen, Hochschulen und Pflegeeinrichtungen erfolgreich eingesetzt hatte. Dass dieser Systemansatz von QsM sehr effektiv ist, zeigte sich etwa bei einer Mitarbeiter-Klausurtagung der städtischen Musikschule Aschaffenburg. Dort begann man zunächst in der klassischen Moderationsmethode, um Verbesserungsideen und -maßnahmen zu entwickeln. Später führte man in QsM ein und arbeitete mit diesem Ansatz weiter. Die dann erzielten Ergebnisse wurden in der späteren Betrachtung übereinstimmend als konkreter und qualitativ besser erachtet. Was macht dieses Modell aus, dass es solche Leistungen ermöglicht? Das EFQM-Modell bildet die komplexen Strukturen einer Organisation ab. Eine Organisation, die beste Leistungen erbringen will, ist von verschiedenen Bedingungen abhängig. Dazu gehört eine gute Führung, die weiß, was sie will und dies in einer transparenten Form vermittelt. Dazu gehören klare Zielsetzungen und Planungen, die es ermöglichen, Kräfte zu bündeln und Prioritäten zu setzen. Dies findet auch in einem Leitbild Ausdruck. In allen beteiligten Musikschulen hat man mittlerweile ein solches entwickelt (siehe unten!). Desweiteren gehört eine Personalpolitik dazu, die auf die Möglichkeiten und Interessen der Mitarbeiter/-innen eingeht und diese mit den Zielsetzungen koordiniert. Ferner sind der geplante Einsatz der verfügbaren Ressourcen sowie die Entwicklung und Pflege von sinnvollen Partnerschaften von Bedeutung. Eine ganz zentrale Größe spielen die betrieblichen Arbeitsabläufe, die es möglichst wirksam zu gestalten gilt. In diesem Bereich lag in der Anfangsphase bei den meisten Musikschulen der Schwerpunkt der Aktivitäten. Fragen des Unterrichtens werden genauso geregelt, wie die effektive Vorbereitung von Konzerten oder die Vereinfachung von Verwaltungsabläufen oder der interne Informationsfluss. Alle diese Elemente der Musikschulführung stehen unter den Prinzipien der Kundenorientierung, der Ziel- und der Datenorientierung.
Aber das ist nur die eine Hälfte der Medaille. Auf der anderen stehen die konkreten Ergebnisse. Wie zufrieden sind die Adressaten und die Mitarbeiter/-innen? Was bringt die Musikschule an Leistung für die Gesellschaft?
Den QsM-Musikschulen steht ein ganzer Satz an Instrumenten zur Erhebung der Kunden- und Mitarbeiter- zufriedenheit, der geleisteten Servicequalität et cetera zur Verfügung. Im Bewusstsein, die eigene Leistung im Bereich Kundenzufriedenheit oder Mitarbeiterführung nur auf einer harten Datengrundlage beurteilen zu können, haben verschiedene beteiligte Musikschulen – in Unterhaching, Erding und Bergisch-Gladbach – diese Instrumente eingesetzt. Wie bereits erwähnt, wurde das komplexe Organisationsmodell der EFQM auf die Musikschulen angepasst. Dies war notwendig, da eine Musikschule kein Produktions- sondern ein Bildungsbetrieb ist. Der Kundenbegriff ist ebenso anders zu interpretieren wie der Mitarbeiter- oder der Produktbegriff. Durch Standards für verschiedene Reifestufen guter Musikschulen ist es mit QsM nun möglich, dass eine Musikschule nicht nur ihren Ist-Zustand genau feststellen kann, sondern bei jedem der 32 Gesichtspunkte auch konkrete Hinweise erhält, was sie tun kann, wenn sie sich weiterentwickeln möchte. Dass dies mit QsM sehr effektiv möglich ist, zeigte sich bei der Folkwang-Musikschule Essen. Bei der Bearbeitung des Systems entwickelte man dort nahezu 400 Maßnahmen, die jetzt in einem Fünf-Jahresplan umgesetzt werden sollen. Wie auf dem Erfahrungsaustausch Mitte Februar zu erfahren war, denken vier der neun beteiligten Musikschulen daran, von der Möglichkeit Gebrauch zu machen, die intern festgestellte Leistung durch externe Assessoren überprüfen und sich zertifizieren zu lassen. Die Musikschulen Monheim und Unterhaching streben dieses Ziel noch in diesem Jahr an. Die Modellphase der Einführung von QsM endet in diesem Frühjahr. Auf der VdM-Bundesversammlung im Mai wird darüber berichtet und während des Kongresses mit einem Stand informiert. Bereits im vergangenen Sommer waren die Rückmeldungen der beteiligten Musikschulen beim VdM so positiv, dass man im Vorstand den Entschluss fasste, die Kooperation mit der frey Akademie fortzuführen und das System ab 2001 den Musikschulen auf breiter Ebene anzubieten. In diesen Tagen beginnen sieben weitere Musikschulen in zwei Gruppen. Für den Herbst sind weitere Einführungsmaßnahmen geplant.
Das QsM in der Praxis
Leitbild der Kreismusikschule Erding
- Die Kreismusikschule Erding e.V. erfüllt in der Trägerschaft des Landkreises Erding und der Kreisgemeinden den öffentlichen Auftrag der Musikerziehung und Musikpflege.
- Die Kreismusikschule Erding öffnet Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einen Weg zu lebendigem, persönlichem und ausdrucksstarkem Musizieren. Sie vermittelt Erfahrungen mit musikalischen Werken und Welten, die das Leben ihrer Schülerinnen und Schüler nachhaltig bereichern. Damit schafft sie die Grundlage für eine dauerhafte Beschäftigung mit Musik.
- Die Kreismusikschule Erding pflegt Musik als Kernstück europäischen Kulturguts; sie vermittelt und bewahrt kulturelle Identität. Die Kreismusikschule Erding baut Brücken zu Musik anderer Kulturkreise.
- Die Kreismusikschule Erding leistet mit ihrer strukturierten Bildungsarbeit einen Beitrag zur sozialen Erziehung und wirkt persönlichkeitsbildend und leistungsfördernd.
- Die Kreismusikschule Erding achtet auf eine homogene Entwicklung des Dreiecks Qualitätsverbesserung, Kundenzufriedenheit und Mitarbeiterzufriedenheit.
- Die Kreismusikschule Erding versteht ihren Bildungsauftrag als eine gesellschaftliche Aufgabe, ist regional geprägt und bringt sich in das kulturelle Leben ihres Wirkungsbereiches ein.
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QSM...
Ihr Artikel ist freilich ein reiner Werbeartikel für dieses neue QSM-System und strotzt ja nur so vor Emphase. Ich bin selbst in der QSM-Gruppe meiner Musikschule und finde, dass hier (mit wahrscheinlich erheblichem Aufwand und viel Einkommen für die dahinterstehenden Unternehmen) das Rad einfach nur neu erfunden wird. Jeder einigermassen verantwortungsbewusste MS-Lehrer hat sich die QSM-Fragen schon hundertmal gefragt und steht jeden Tag in der Verantwortung und Rückmeldung vor seinen Schülern. Dass diese Fragen nun “wertiger” werden, indem sie in einem üppigen Hochglanzordner in lästig “neudeutscher” Sprache (mit umfangreichem Glossar - als ob man erstmal neu studieren müßte, um das überhaupt lesen zu können) aufgeführt werden, wage ich vorsichtig zu bezweifeln. Die (m.E. verhängnisvolle) Nähe zur Wirtschaft drückt sich in dem (im Einführungsheft hervorgehobenen) Leitsatz aus: “Der Kunde bestimmt die Zielsetzung” (sinngemäß wiedergegeben). Das allerdings ist verheerend: Wenn Kunst nicht mehr bilden und verbessern, sondern nur bedienen soll, kann sie sich gleich delbst begraben, dann genügen ja auch Produkte wie “Volkstümliche Hitparaden” und “DSDS”. Spätestens hier wird das Scheitern dieses QSM-Ansatzes deutlich: Wenn man immerzu nur rein wirtschaftliche Vertreter deren Interessen verbreiten läßt, wird eben alles nur noch monetär gesehen und der Sinn für ideelle Inhalte geht völlig verloren. Wie viele Kommunen geben immer aufs Neue viel Geld an sogen. “Beratungsfirmen” aus, die dann auch nur feststellen, dass an Bildung, Kultur und Sozialem zu sparen sei ? Danke, dafür braucht es diese “Berater” nicht; denn dass diese Bereiche Geld kosten, weiß jeder einigermassen Informierte. Vielmehr müßte es darum gehen, ob wir als Gesellschaft (und damit vor allem die Entscheidungsträger) uns zu so etwas wie Kultur bekennen und dafür eben einfach Mittel einwerben wollen - wie es ja bei jedem drittklassigen Sport gang und gäbe ist - oder eben nicht. Das Ganze ist ein erneuter Skandal in einer sich selbst immer noch (und mittlerweile längst zu Unrecht) so verklärenden “Kultur”-Nation. Lasst doch einfach mal die Kultur-Leute (die von der Materie was verstehen) über solche Dinge entscheiden und nicht Wirtschaftler, die davon eben keine blasse Ahnung haben ! Die Kultur muss hier gar nichts von der Wirtschaft lernen, sondern die Wirtschaft täte gut daran, viel von der Kultur zu übernehmen, denn das Leben läßt sich einfach nicht “rechnen”: Das müsste man auch im Kapitalismus irgendwann mal einsehen…
Auch ich bin der
Auch ich bin der persönlichen Meinung, dass QSM für die Musikschule eine reine Geldverbrennungsmaschine ist und in der MS nix zu suchen hat. Das einzige Ziel ist, Mitarbeiter zu digitalisieren, zu überwachen und bei Bedarf auszutauschen. Das Pädagogik und Kunst nicht mit einem kommerziellen Betrieb vergleichbar ist, dürfte doch jedem einleuchten. Was werden die “Adressaten” denken, wenn alle Zeit lang Befragungen erfolgen und daraus mittelwerttypische Bewertungen resultieren, die so aussagekräftig und fragwürdig sind, wie das QSM- Projekt selbst. Musikschulen müssen „ohne wenn und aber“ als Wegweiser fungieren, alles Andere bringt nur Zweifel für den „Kunden?“ ! Als Musikschulleiter und Verband würde ich das Geld für QSM sparen und lieber in fachlich sinnvolle Weiterbildungen investieren, mehr Projekte mit Schülern fördern, die wirklich was bringen und / oder z.B. in Inventar der MS investieren, wo immer noch großer Bedarf ist. QSM verbraucht für einen einzelnen Lehrer ziemlich viel Ressourcen, was für mich zu Lasten der Unterrichtsvorbereitung geht. Ob das konstruktiv zur qualitativen Verbesserung der MS beiträgt, liegt damit klar auf der Hand.
„Kunst kommt von Können!“ und nicht von Anekdoten, die am Selbstwertgefühl kratzen!
Wann macht der Verband endlich die Augen auf!
Ein Betroffener!
QSM
Typisches Beispiel des bei uns sogenannten Gruppenzwang! Alle negieren es, wird aber trotzdem von allen toleriert! Man könnte es auch ironischerweise Konformitätsexperiment nennen!
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