Sail away
Ein Artikel von Johannes Radsack.
FDP, Grüne und Linkspartei bilden die Regierung des amerikanischen Sektors, Olaf Zimmermann (Deutscher Kulturrat) sitzt, als kulturelles Alibi in der Jury von „Deutschland sucht noch immer den Superstar“. Natürlich gibt es längst keine CDs mehr. Mit Augenimplantaten versucht man dem hochauflösenden Fernsehen gerecht zu werden.
Die Trends von 2005 haben sich weiterentwickelt; „Tokio Hotel“ – eine deutsche Teenager-Konservenrockband – waren nur die Vorreiter einer neuen Jugendbewegung, labil genug um alle Retrotrends mitzumachen. Während die Popmusik schon fleißig Walther von der Vogelweide covert, befinden sich andere Musikrichtungen noch im BaRock, oder im Elektrozissmus. 2007 gab es einen Zusammenbruch auf dem zeitgenössischen Klassikmarkt. „Die ganze Welt orientiert sich nach hinten, warum sollen wir immer die unpopulären Avantgardisten spielen!“ Das hatte zur Folge, dass alle Tonarten bis auf C-Dur und A-Moll fortan zensiert wurden. Inzwischen wird Klassik ausschließlich als Film- oder Computerspielmusik eingesetzt.
Unter dem Motto „Du biste Europa, eh!“ überquerte 2008 der italienische Ministerpräsident Berlusconi auf Elefanten die Alpen, um die Schweiz in die Pflicht zu nehmen.
Ach, fast hätte ich es vergessen: Die Semperoper in Dresden (übrigens das letzte übrig gebliebene Opernhaus im Land) wurde von Radeberger Premium Pils gekauft. Einzige Oper im Programm ist „Der fliegende Holländer“, in dem der Becks-Dreimaster die gesamte Bühne einnimmt. Die Perkussionisten im Orchester wurden allesamt durch ploppende Flensburgerflaschen ersetzt - „Sail away!“.
Zurück in 2005 sehen wir uns das Logo für die WM 2006 an: „Freude, Heiterkeit, Emotion,“ so der Leitsatz. Das ist das neue Deutschland! Selbstbewusst! Offen! Einfach lustig, diese Arbeitslosen. Welcher Krieg denn? Oh ja, der! Schlimme Sache.
„Wir sind Helden“ – schon lange nicht mehr, aber das ist den Machern solch einfältiger Werbekampagnen sowieso schni-schna-schnuppe!
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