soap opera installation
Ein Artikel von Juan Martin Koch.
folgen wir mathias spahlinger, auch in sachen kleinschreibung ein furchtloser vorkämpfer, auf dem von ihm in donaueschingen todesmutig freigeschlagenen pfad selbstbestimmten musizierens wie hörens und geben uns seinen vierstündigen, durch die gewerkschaftlich korrekte pause sinnfällig gegliederten „etüden für orchester ohne dirigent“ hin, nicht ohne, gewissermaßen als kontrastierendes seitenthema, der „installation opera“ einen von dienstbaren geistern zärtlich gegängelten besuch abgestattet zu haben, der unter anderem die erkenntnis zeitigt, dass der von manos tsangaris nicht in einem akt revolutionärer befreiung vom pult gejagte, aber immerhin zunächst zum sprecher degradierte, wie stets artig bezopfte chef des swr-sinfonieorchesters sylvain cambreling mit begriffen aus der welt der soften ware ebenso virtuos umzugehen versteht, wie mit dem gnadenlosen taktstock des zuchtmeisters, den er dann freilich wieder zur hand nehmen muss, wenn es tags darauf das putzig heruntergekommene fürstenbergische schloss zu bespielen und schließlich abends einen mord im chatroom der leidenschaften dergestalt zwiefach zu untermalen gilt, dass die musikalische emphase mit antikisierender wucht auf eine szenerie trifft, deren, wir unterstellen mal: bewusst banaler grundtonfall assoziationen an eine andere untergattung des musiktheaters, die „soap opera“ weckt, was wiederum, möglicherweise unbewusst, am nächsten morgen die idee zeitigt, der gerade in donaueschingen so segensreich wirkende öffentlich-rechtliche sender sei möglicherweise auf den gedanken verfallen, wenigstens diese optisch und musikalisch in teilen durchaus tv-kompatible uraufführung im bewegten bild festzuhalten, und siehe da, das dritte programm zeigt einen dirigierenden zopfträger, vor ihm ganz offensichtlich sein wackeres swr-orchester, schnell die lautstärke angehoben, doch ach… was muss der befreite hörer gewärtigen: Bruckner. Vierte.
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