Stimmgewaltig, erlesen und verführerisch
Noch mehr große Oper zu kleinen Preisen, dieses Mal von Warner
Ein Artikel von Diether Steppuhn.
Aus Glyndebourne kommen zwei Rossini-Produktionen: einmal ein quirliger „Barbier von Sevilla“ von 1982 unter Sylvain Cambreling mit Maria Ewings Rosina und John Rawsnleys Figaro, beide hinreißend agierend und singend, in der Inszenierung von John Cox, der es versteht, der turbulenten Handlung immer wieder leiser gestimmte Atempausen zu gönnen; zum anderen eine „Cenerentola“ von 1983 in einer rasant-witzigen Inszenierung, wieder von John Cox, und einem recht originellen Bühnenbild von Allen Charles Klein – gestaltet wie ein dreidimensionaler Guckkasten mit Illustrationen aus einem alten Märchenbuch; Kathleen Kuhlmann ist ein großartiges koloraturenfestes Aschenbrödel, um das sich ein ihm stimmlich und darstellerisch ebenbürtiges, erstrangiges Sängerensemble versammelt.
Ebenfalls aus Glyndebourne stammt eine „Krönung der Poppea“ von 1984, musikalisch schon vor zwanzig Jahren überzeugend nach historischer Aufführungspraxis eingerichtet und geleitet von Raymond Leppard, wieder mit Maria Ewing, darstellerisch wie stimmlich eine bezwingende, erotisch verführerische Poppea, umgeben von einer erlesenen Sängerschar, aus der Robert Lloyd als stimmgewaltiger Seneca hervorsticht; Monteverdis große zwiespältige Oper, in der das Böse über das Gute siegt, entfaltet – unentwegt in einer erhöhten Ebene von den emotional beteiligten Göttinnen der Tugend, des Glücks und der Liebe beobachtet und mimisch begleitet – in einer sparsamen Inszenierung und der behutsamen und doch packenden Regie Sir Peter Halls eine sich steigernde Spannung. Die Sänger der drei Göttinnen Tugend, Glück und Liebe wie auch einiger Nebenrollen sind nur aus dem Abspann zu erfahren – Valetto und Demigella etwa gestalten ihre Liebesszene herrlich burlesk.
Aus derselben Glyndebourner Zeit (1981) stammt noch ein Mitschnitt des „Sommernachtstraums“ von Benjamin Britten, damals ein vielumjubelter Höhepunkt der Festspiele, nicht nur wegen Ileana Cotrubas‘ faszinierender Titania, sondern vor allem wegen der fantasievollen Regie und einem märchenhaften, nur vom Mond beschienenen Bühnenbild mit wandernden Bäumen.
Leider spart auch Warner an der Ausstattung: keine Extra-Tracks, kein Booklet, keine Operntexte, wenige Erläuterungen des Inhalts, die Szenenfolge findet man in knappen Angaben auf der Innenseite des einfachen Umschlagblatts.
- Nabucco (Verdi): Warner Music Vision/NVC Arts 5050467-0944-2-0 (140 min)
- Barbier von Sevilla (Rossini): Warner Music Vision/NVC Arts 4509-99223-2 (154 min)
- La Cenerentola (Rossini): Warner Music Vision/NVC Arts 5050467-0940-2-4 (151 min)
- L’Incoronazione di Poppea (Monteverdi): Warner Music Vision/NVC Arts 0630-16914-2 (151 min)
- Ein Sommernachtstraum (Britten): Warner Music Vision/NVC Arts 0630-16911-2 (156 min)
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