Stürmisch

Zur Lage der Auseinandersetzung von Deutscher Orchestervereinigung und Deutschem Bühnenverein


(nmz) -
Ende November hat der Sturm begonnen: In Dortmund, Magdeburg und Leipzig wurden Opernhäuser bestreikt. Vorstellungen fielen aus oder es gab Musik vom Band wie in Leipzig – eine besonders fragwürdige Form der Publikumsbefriedung.
Ein Artikel von Georg Beck.

Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung: „Die Zeit der Warnstreiks ist vorbei.“ Warum die Gewerkschaft die jüngste Verhandlungsrunde mit dem Deutschen Bühnenverein (DBV) hat platzen lassen – es war der bislang letzte Versuch, über die Neufassung des Tarifvertrages für die Musiker in Kulturorchestern (TVK) Einigkeit zu erzielen –, ist auf den ersten Zeitungsleserblick kaum ersichtlich.

Gestritten wird um Details der „Anpassungsklausel“, die die Bindung der Orchestermusiker an die Tarifentwicklung der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes gewährleistet. Misstrauen herrscht bei der DOV, inwieweit diese Anpassungsautomatik tatsächlich greift. Umgekehrt wittert DBV-Geschäftsführer Rolf Bolwin das abenteuerliche Bestreben, Abschlüsse einklagen können zu wollen. „Vollkaskomentalität“ sagt er dazu. Die DOV wiederum sorgt sich um den Bestand eines bisher weitgehend einheitlichen Tarifrechts der künstlerisch Beschäftigten. Was ist, fragt Mertens, wenn der neue Rechtsträger nicht in die kommunalen Arbeitgeberverbände eintritt?

So diffizil der Sachstand sich darstellt, so sehr folgt dessen öffentliche Darstellung dem Muster des Simplifizierens, Emotionalisierens. „Abkoppelung vom öffentlichen Dienst“, wovon die DOV gern spricht, scheint jedenfalls ein zu grober Klotz, als dass damit der differente Diskussionsstand abgebildet wäre. Die DOV ihrerseits ärgert sich über die Taktik des DBV, den Musikern ab 1. November 08 das Zuckerbrot einer 1,5 Prozent-Erhöhung nebst 50 Euro monatlich bei kommunalen Orchestern zu gewähren, der Musiker-Organisation als Ganzer zugleich jedoch mit der Peitsche einer Kündigung des Gesamt-Tarifvertrags zum 31. März 09 zu drohen. Am 4. Dezember will man sich noch einmal treffen.

Kommentar hinzufügen

Der Inhalt dieses Feldes wird nicht öffentlich zugänglich angezeigt.
CAPTCHA
Diese von Menschen zu lösende Aufgabe ist zur Vermeidung von Spam-Inhalten leider notwendig.
Bild-CAPTCHA
Geben Sie die Zeichen ein, die im Bild gezeigt werden.

Ähnliche Artikel

Wen juckts? Neues vom Orchesterstreik
02.12.2008 - Künstler und Markt - Martin Hufner
Bühnenverein: Rechtliche Schritte gegen Orchesterstreik
17.12.2008 - Künstler und Markt - kiz-hufner pressemeldung
Orchesterstreik und kein Ende des Streits
18.12.2008 - Künstler und Markt - huf, PM
Bühnenverein meldet Einstellung des Orchesterstreiks – [Update]
23.12.2008 - Künstler und Markt - nmz-red/Regensburg / DBV
Nach Orchesterwarnstreiks: DOV verklagt Bühnenverein
07.02.2008 - Politik und Kultur - nmz-red/leipzig