Talente frühzeitig fördern – und dann

Zum Landeswettbewerb „Jugend musiziert” in Brandenburg


(nmz) -
Von den 770 jungen Musikerinnen und Musikern, die im Januar an den drei Regionalwettbewerben von “Jugend musiziert” teilgenommen hatten, haben 350 Kinder und Jugendliche solch gute künstlerische Leistungen erbracht, dass sie sich für die Teilnahme am Landeswettbewerb qualifizieren konnten.
Ein Artikel von Anno Blissenbach

Von den 770 jungen Musikerinnen und Musikern, die im Januar an den drei  Regionalwettbewerben von “Jugend musiziert” teilgenommen hatten, haben 350 Kinder und Jugendliche solch gute künstlerische Leistungen erbracht, dass sie sich für die Teilnahme am Landeswettbewerb qualifizieren konnten. 85 von ihnen gelang es, die Juroren mit ihren Interpretationen so zu überzeugen, dass sie nun ausgestattet mit insgesamt 78 ersten Preisen der verschiedenen Kategorien das Land Brandenburg beim Bundeswettbewerb “Jugend musiziert” musikalisch repräsentieren werden – so viele, wie nie zuvor.

Landesausschuss-Vorsitzender Gabriel Zinke, Konservatorium Cottbus, interpretiert den neuen Rekord als Bestätigung des gemeinsamen Bemühens, Talente frühzeitig zu fördern. Bei der Abschlussveranstaltung mit Urkunden-Übergabe in der Landeshauptstadt Potsdam betonte Kulturstaatssekretär Martin Gorholt in seiner Rede die hohe Bedeutung von Musikschulen für die künstlerische Ausbildung junger Talente.

Doch bleibt es nichts mehr als eine schöne Geste, dass neben der Leistung junger Musiker auch die Leistung der dahinter stehenden Musikpädagogen – zumindest protokollarisch – gewürdigt wird: Ein Sonderpreis für besondere pädagogische Leistung, wird vom Ministerpräsidenten und Schirmherrn vergeben und ging in diesem Jahr an eine Lehrkraft der Johann-Sebastian-Bach-Musikschule, Potsdam. Doch solch ein Feigenblatt kann die krassen Versäumnisse der Realpolitik nicht verdecken: Hungerlöhne, welche die öffentliche Hand hochqualifizierten Musikschullehrkräften zahlt, sowie permanente Ausweitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse im Stile von amazon (siehe Artikel auf dieser Seite) sind traurige Realität an öffentlichen Musikschulen, nicht nur im rot-rot regierten Land Brandenburg. Ein gesamter Berufsstand wird somit durch staatliches Fehlverhalten seiner wirtschaftlichen Lebensgrundlagen beraubt!

In zahlreichen Preisträgerkonzerten werden die jungen Musikerinnen und Musiker noch zu hören sein, wie beispielsweise in der Landesvertretung Brandenburgs in der Bundeshauptstadt Berlin, im Schlosstheater Rheinsberg, oder beim Festival SOUND CITY in Eberswalde. Darüber hinaus lädt der Ministerpräsident des Landes Brandenburg und zugleich Schirmherr des Landeswettbewerbs, Matthias Platzeck, SPD, alle Brandenburger Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Bundeswettbewerbs “Jugend musiziert” für den 11. Juni zu einem Empfang in die Staatskanzlei in Potsdam ein.

Hierbei sollte der Ministerpräsident es nicht versäumen, den Preisträgern dringend von der künftigen Aufnahme eines Musikhochschul-Studiums abzuraten: lebenslange Zugehörigkeit zum akademischen Prekariat mit vorprogrammierter Altersarmut kann kein Berufsziel sein! Aber vielleicht nimmt Platzeck ja die amazon-Debatte zum Anlass für staatliche Leuterung? Vielleicht folgt er endlich der langjährigen Forderung seines Parteifreundes, des Bundestagsvizepräsidenten Wolfgang Thierse, und bezahlt Musikschul-Lehrkräfte künftig wie Gymnasial-Lehrkräfte statt wie Tagelöhner? Wäre eine solche Botschaft Ergebnis des Empfangs am 11. Juni, so hätte “Jugend-musiziert” gesiegt.

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