Überzeugender homogener Klangkörper

Das Kreisjugendsinfonieorchester Herford feiert seinen zehnten Geburtstag


(nmz) -

Größere und anspruchsvolle Orchesterwerke zu erarbeiten und zur Aufführung zu bringen ist das Ziel des Kreisjugendsinfonieorchesters Herford ( KJO ). Hier treffen sich einmal im Jahr unter der engagierten Leitung von Siegfried Westphal fortgeschrittene Schüler und Studenten zum musikalischen und menschlichen Miteinander. Nur sieben Tage hat das Mitgliedsorchester der Jeunesses Musicales Zeit, auf dem malerischen Gut Bustedt in Hiddenhausen ein großes sinfonisches Programm einzustudieren. Das Ergebnis dieser Arbeit ist immer wieder beeindruckend.

Ein Artikel von Marlin Kollenda, Susanne Matthaei.

In einem groß besetzten Orchester mitzuspielen ist eine ganz andere Erfahrung als allein oder in kammermusikalischer Besetzung zu musizieren. Auch bietet die Auswahl der Werke neue Möglichkeiten. Jungen Musikern diese wunderbare Erlebniswelt nahezubringen war das Anliegen einer Initiative der Musikschulen im Kreis Herford, die 1984 das Jugendsinfonieorchester begründete. Nach mehrjähriger Spielpause übernahm 1997 Siegfried Westphal, der Orchesterleitung bei Prof. Bloemeke (Detmold) und Prof. Alex (Berlin) studierte und 2004 am Meisterkurs für Dirigieren mit Kurt Masur in Detmold teilnahm, die Neugründung und Gesamtleitung des Orchesters und setzte seitdem neue Maßstäbe und Akzente. Durch eine ausgewogene Mischung von harter Arbeit, musikalischer Herausforderung und gemeinsamer Freizeit gelang es ihm nun schon zum neunten Mal am Ende der Arbeitsphase einen überzeugenden homogenen Klangkörper zu präsentieren und das Unmögliche möglich zu machen.

Und das Konzept bewährt sich: Inzwischen ist die Nachfrage zur Teilnahme an den Arbeitsphasen überregional sehr hoch, junge Musiker im Alter von 12 bis 25 reisen sehr zahlreich aus Hannover, Hameln, Detmold, Paderborn, Bielefeld, Bünde, Gütersloh an, um diese intensive Zeit mitzuerleben. Außerdem bekommen talentierte Nachwuchssolisten eine willkommene Gelegenheit, sich der Öffentlichkeit vorzustellen.

Neben der konzentrierten Probenarbeit ist das sehr freundschaftliche und harmonische Miteinander der jungen Musiker ausschlaggebend. Abends finden sich viele kleine Gruppen zu spontanen Kammermusikproben zusammen – andere genießen noch spät abends im Innenhof und Garten des Guts bei Kerzenschein und Lagerfeuer mit Gesellschaftsspielen oder Gesprächen die laue Sommerluft.

Spannender Höhepunkt war auch dieses Jahr das Abschlusskonzert in der Neuen Aula der Hochschule für Musik in Detmold, nachdem bereits eine Woche zuvor die Premiere des Orchesters im ausverkauften Studio der Nordwestdeutschen Philharmonie in Herford stattgefunden hatte. Mit Beethovens „Egmont-Ouvertüre“ als kraftvollem Einstieg hatte das Orchester sich unter der bewährten Stabführung seines Dirigenten innerhalb weniger Takte Respekt verschafft. Hier agierte keine „Gruppe Jugendlicher“, sondern ein wirklich auffällig harmonischer Orchesterklangkörper.

Mit der Sinfonie Nr. 8 von Antonin Dvorák setzte das Jugendsinfonieorchester das Programm fort und begeisterte sein Publikum restlos. Über 400 Besucher waren an diesem heißen Sommertag gekommen und niemand wird sein Kommen bereut haben. Die Besucher erlebten ein – für das Durchschnittsalter der jungen Musiker – unerwartet reifes Orchester. Als Zugabe gab es noch eine musikalische Besonderheit: die sinfonische Suite zur Filmmusik „Der Herr der Ringe“. Ein sehr passender Abschluss, denn beide – Orchester und Filmmusik – dürfen für sich die Bezeichnung „fantastisch“ in Anspruch nehmen.

2006 spielt das Orchester zehn Jahre unter der Leitung von Siegfried Westphal. Aus diesem Anlass wird das KJO eine Reise zu einer Orchesterbegegnung in Voiron/Frankreich unternehmen, um dort mit dem Partnerorchester gemeinsame Konzerte zu geben, unter anderem mit Antonin Dvoráks Cellokonzert h-Moll und der 3. Sinfonie von Johannes Brahms.

www.kjo-herford.de

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