Vom ersten Riff an infektiös

Saint Lu importiert die amerikanische Volksmusik nach Europa


(nmz) -
Oft sind es Bilder, die Menschen, aber auch Musik erklären. Genau so ein Bild macht die österreichische Sängerin und Songwriterin Saint Lu, ihre Musik und ihre Haltung begreiflich. Zu finden auf ihrer Internetseite. Fast unscheinbar und klein genug, um übersehen zu werden. Da sitzt sie nämlich. Im Studio.
Ein Artikel von Sven Ferchow.

Die Fender Strat auf dem Schoß. Eine Zigarette in der Hand. Dahinter Equipment mit Rockgeschichte: Marshall-, Fender-, und Soldanoverstärker. Geräte, deren Namen viele Casting-Sternchen kaum fehlerfrei aussprechen könnten. Füttert man das Bild noch mit ihrer am 16. Oktober erscheinenden Single „Don’t Miss Your Own Life“, darf man seine Befangenheit gegenüber Rock-Newcomern demütig ablegen. Saint Lus Musik atmet Rock. Zeigt sich geprägt von Led Zeppelin, Jimi Hendrix oder Janis Joplin. Und hat man die primären Riffs verdaut, darf man sich mit Saint Lus Stimme bekannt machen, die in sympathischer Unbeherrschtheit wütet und offen legt: Saint Lu liebt die Alten. Ohne sich als deren Epigonin zu betätigen. Man spürt: Da will eine. Mit aller Macht. Und Kunst.
Ein Rückgrat, das sie sich während eines USA-Aufenthaltes zugelegt hat. „Musikalisch habe ich damals die Attitüde der Musiker zu schätzen gelernt. Wenn dort einer sagt, er will Musiker werden, dann heißt das auch, er will Musiker werden. Und nicht ein Jahr rumprobieren und falls es nicht klappt, macht man eben was anderes. Ebenso kompromisslos sehe ich mich selbst. Deshalb konnte ich mich mit dieser Haltung gut identifizieren“.

Ebenso hat sie diesen Musikern ein Quentchen Beharrlichkeit abgeschaut. „Die gehen ihren Weg, bis ihr Plan funktioniert. Das hat mich angesprochen, das will ich umsetzen. Auch auf der Performance-Ebene sind die amerikanischen den europäischen Musikern voraus. Da gibt es keine Konzerte nach dem Motto ‚Ich trage meine Lieder vor‘. Auf der Bühne muss Emotion zu sehen sein. Da muss es abgehen. Das ist meine Welt.“

Eine Welt mit Bluesrock-Pflicht. Selbst wenn dessen Wurzeln in Amerika sind. Querverweis Saint Lu: „Während meiner Zeit in New York hatte ich einen Stamm-Club. Ein bluesiger, heruntergekommener Laden. Jeden Abend gab es Konzerte. Es war unfassbar, wie gut die Leute spielten, die da ihre Auftritte hatten. Blues ist deren Volksmusik. Und ich stellte fest, dass die Musik der älteren Generation nahe an der der jüngeren klebt. Was die Alten cool finden, scheinen die Jüngeren genauso zu mögen. Vom europäischen Raum kann man das sicher nicht behaupten.“

Stichwort jüngere Generation. Dazu gehört Saint Lu. Leicht ist es für den Nachwuchs nicht mehr, ins Business zu kommen. Sprungbretter braucht man. Und mit ihrer Stimme – rauchig, aufreizend, fordernd – wird man ihr fast unterstellen müssen, schon bei diversen Castings vorstellig geworden zu sein … wenn man das sieben-sekündige Schweigen auf die Frage erträgt. Dem anschließenden Lachanfall folgt eine erklärende, keine rechtfertigende Antwort: „Castingshows sind eine gute Plattform, um sich auszuprobieren. Wenn man wirklich Musiker werden will, haben jedoch andere Sachen Bedeutung. Für mich ist Beständigkeit wichtiger, als ein Sternchen am Himmel zu sein.“ Beständigkeit, die ihr Debüt-Album „Saint Lu“, das am 30. Oktober erscheint, transportiert. Vielleicht hätten sich sonst die Wege von Saint Lu und Produzent Patrik Majer (Wir sind Helden) nicht gekreuzt. Und vielleicht wäre diese Musik dann nicht möglich gewesen: Schwere Gitarrenriffs der 70er, packendes Songwriting, das die Symbiose von Autonomie und Kommerzialität unanstößig abgreift. Darüber pendelt als Superkleber Saint Lus Stimme. Die sicher bald mit Janis Joplin verglichen wird, wenn es überhaupt um so einen Wettbewerb gehen soll. Und obwohl das Album amerikanisch inspiriert ist, mag sich kein Moment finden, der geklaut und kopiert wirkt. Saint Lu ist eigen. Nur so konnten diese bemerkenswerten Kompositionen entstehen. Don’t miss to buy!

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