Warum Chinesen nicht schreiben können

Leserbrief zum Leitartikel „Die große Gefahr droht aus vielen kleinen Krisen“, nmz 6-04


(nmz) -

Wussten Sie schon, dass Chinesen tieferer Gedanken nicht fähig sind? Man merkt es an der Sprache: es klingt alles gleich, immer nur „Ching Chang Chong“. Dass es bei dieser banalen Form der Verständigung nur ums Essen und Trinken geht, sieht man schon daran, dass fast alle Chinesen in China-Restaurants arbeiten. Schreiben können sie ja sowieso nicht, wie ich klipp und klar beweisen kann: Jede ordentliche Schrift besteht aus Buchstaben, lateinisch griechisch, kyrillisch, hebräisch, einfach alle. Es muss also in einer Schrift Zeichen geben, die sich regelmäßig wiederholen. Das ist in der so genannten chinesischen Schrift aber nicht der Fall: Jedes Zeichen sieht anders aus. In Wirklichkeit ist es also keine Schrift, sondern hilfloses Gekrakel.

Ein Artikel von Brühl, Matthias Petzold.

Ausgabe: 
7/04 - 53. Jahrgang

Sie meinen, so würde niemand argumentieren? Leider ist aber genau das das Weltbild der selbsternannten Verteidiger der E-Musik, wie sie sich in Ihrem Artikel über die Initiative „Pro Klassik“ darstellt. Die Plattheit, mit der den unterschiedlichen neuen Musikkulturen, die auch in Europa Fuß gefasst haben, wie Jazz, Rock und Weltmusik, die Eigenschaft abgesprochen wird, differenzierte künstlerische Auseinandersetzung mit unserer heutigen Welt zu sein, ist wirklich erstaunlich. Da heißt es: Die jedermann verständliche Popmusik spiegelt den Wunsch nach Einfachheit und Verständlichkeit wieder, die viele Menschen in unserer Welt vermissen.“

Diese Leute haben sich offensichtlich noch nie wirklich mit dem auseinandergesetzt, was Sie da so von oben herab als banal und einfach abqualifizieren. Ihre Behauptung, dass das Studium der klassischen Musik „Generationen von Popmusikern ein taugliches Ausbildungsfundament gegeben hat“, ist schlichtweg falsch. Eine Bachfuge ist große Musik, aber für die Fähigkeit, einen Salsa-, Funk- oder Jazzrhythmus zu spielen, ist sie völlig unerheblich. Der Wunsch nach verständlichen und einfachen Verhältnissen bewegt ja wohl eher diejenigen, die sich seit Jahrzehnten und Jahrhunderten immer den gleichen Kanon von Musikstücken anhören, den sie als das Maß aller Dinge definiert haben.

Künstlerische Auseinandersetzung mit Themen wie die Globalisierung oder die fortschreitende Bedeutung von Medien und Computern, die unser Leben drastisch und unwiderruflich verändert, findet auf jeden Fall im Bereich der traditionellen Klassik nicht statt. Und auch die Weinerlichkeit und Kopffixiertheit der „Neuen Musik“ ist bei der Bewältigung der gigantischen Zukunftsaufgaben sicherlich keine Hilfe.

Als jemand, der in beiden Musikkulturen zu Hause ist (ich habe lange Jahre hindurch Cello gespielt und klassische Literatur von den Bach Solosuiten über das Dvorák-Konzert und die Debussy Sonate bis hin zu Werken von Hindemith kennen- und spielen gelernt), habe ich mich für die Jazzmusik entschieden, gerade weil sie durch die Einbeziehung von Rhythmus, Improvisation und individueller Klangbildung eine differenzierte Auseinandersetzung mit der heutigen Wirklichkeit ermöglicht, die die sogenannte E-Musik ganz offensichtlich nicht leisten kann.

Ich halte die europäische klassische Musik für etwas Wunderbares. Ich finde es wichtig, auch an diese Traditionen anzuknüpfen und habe das in einigen meiner Projekte auch bewusst getan. Auf eine E-Musik, wie sie von der Initiative „Pro Klassik“ propagiert wird, kann ich allerdings verzichten.

Matthias Petzold, Brühl

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