Was soll sich schon verändern? Vom Musical zur Rockmusik – Sebastian Bach Reloaded


(nmz) -
Es soll tatsächlich noch Restexemplare ehemaliger Hardrockstars aus den 80er-Jahren geben. Die für eine Flasche Bourbon und ein Päckchen Zigaretten rücksichtslos und überall spielen. Die selbst in der Rubrik „Was macht eigentlich…“ vergessen werden. Und die erbarmungslos die letzten Freunde mit „Weißt du noch…“-Geschichten vergraulen. Es gibt aber einen, der es anders wollte: Sebastian Bach.
Ein Artikel von Sven Ferchow.

Ausgabe: 
2/12 - 61. Jahrgang

Einst Sänger der Hardrockband „Skid Row“ („18 & Life“), die allesamt Sandkastenkumpels von Jon Bon Jovi in New Jersey waren. Nach seinem Rauswurf bei „Skid Row“ orientierte sich Bach neu. Während die Bandkollegen versandeten, baute er sich die nächste Existenz auf. Als Schauspieler. Am Broadway. Spielte in „The Rocky Horror Show“ und „Jekyll & Hyde“. Dann folgten Gastauftritte in TV-Serien wie „Gilmore Girls“. Nebenbei blieb er Musiker, trat temporär mit Axl W. Rose auf und veröffentlichte 2007 ein spurloses Soloalbum namens „Angel Down“. Erst 2011 packte ihn die Rockerwut erneut. Zusammen mit seiner Band nahm er „Kicking & Screaming“ auf. Seit September ist das Album erhältlich und Sebastian Bach überaus zufrieden.

Wäre da nicht der Beinahe-Hurrikan „Irene“ über New York gezischt. „Ich habe mein Haus verloren“, erzählt Bach gefasst, „ich kann dir gar nicht sagen, wie schlimm das ist. Alles ist weg, ich muss erstmal eine neue Bleibe finden. Aber lass uns lieber über das Album reden.“ Gerne. Da wäre zunächst das Soundbrett zu besprechen, das Produzent Bob Marlette kreiert hat. „Schön, dass du das ansprichst“, freut sich Bach, „Bob Marlette hat hervorragende Arbeit abgeliefert. Die Gitarren, der Gesang, das Schlagzeug, alles klingt wuchtig und unübertrieben. Ich habe mir das Album heute wieder angehört und könnte über den Sound und das Auftreten der Band nicht glücklicher sein. Darin stecken zwei Jahre harte Arbeit. Und eine Band, die im Prinzip aus drei Personen besteht.“ 

Basis dieses Resultats ist freilich ein ausgeklügeltes Songwriting. Leichtfüßig kommen die Songs daher. Ohne Druck, etwas beweisen zu müssen. „Caught in a dream“, „Dirty Power“, „Dream Forever“ oder „Kicking And Screaming“ darf man ansprechen. Der neue Gitarrist Nick Sterling hat sich Lob beim Songwriting verdient. Sagt Bach. „Nick kam mit einer Tonne Material zu uns. Zusammen mit Produzent Bob Marlette konnten wir die unterschiedlichen Ideen beim Songwriting auch in ganz ordentliche Songs umsetzen.

Mit dem Ergebnis bin ich mehr als zufrieden.“ Überhaupt. Das Songwriting. Mit einer Band oder Gleichgesinnten. Das scheint Sebastian Bach trotz exzellenter Zwischenkarriere am Broadway vermisst zu haben. Zumindest seinen Ausführungen zu Folge, in denen er minutenlang und kaum stoppbar über die Arbeit mit einer Band monologisiert. „Na ja“, bestätigt er, „beim Musical habe ich nichts unter Kontrolle. Du machst das, was der Regisseur oder der Produzent will. Bei meinem Album ist das anders. Die Band heißt Sebastian Bach, es ist meine Show und ich bin am Drücker. Rockmusik bedeutet immer noch ein Stück Freiheit.“ Und zum Rock-Enthusiasmus gibt es eine Portion Bescheidenheit als Zugabe. Denn Bach ist keiner, der sich wie viele andere erfolgreiche Kollegen „erwachsener, reifer oder situierter“ empfindet. „Ganz ehrlich“, merkt er spitzbübisch an, „ich mache immer noch das Gleiche wie zu Skid-Row-Zeiten. Ich füge die Songideen zusammen, gehe ins Studio und nehme die Songs auf. Ich höre immer noch Rush und AC/DC und liebe Rockmusik. Das habe ich schon mit 16 Jahren gemacht. Was soll sich also schon verändern?“

Gute Frage. Nichts am besten. Denn alles, was Sebastian Bach will, ist „mit meiner Band zu touren. So wie es Journey und all die anderen Classic-Rockbands machen.“ Das ist ein unspektakulärer, bescheidener Held der 80er. Von Mythos ist bei ihm wenig zu spüren. Dafür aber eine uneingeschränkte Liebe zur Rockmusik und zur Nichtveränderung. Dass es das noch gibt…

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