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Jenseits traditioneller Darbietungsmusik
27.06.11 (Andreas Wehrmeyer) -
Die sowjetische Musikmoderne der 1920er-Jahre hat in den letzten Jahrzehnten eine rege Erforschung in der internationalen Musikwissenschaft erfahren. Das Interesse war dabei wesentlich auf die Kompositionsgeschichte fokussiert, insbesondere den Aspekt technischer Neuerungen, die man ebenso oft wie pauschal als „Avantgarde“ etikettierte, weniger hingegen auf das Phänomen politisch gebundener Musikkonzepte im Rahmen des Aufbaus und der Entwicklung von „linker Kunst“. Den Terminus „Avantgarde“ ausschließlich für avancierte kompositionstechnische Neuerungen zu beanspruchen, scheint zu kurz gegriffen, denn schon seit den 1920er-Jahren stand auch ein mehr oder minder politisch konnotierter Avantgardebegriff im Raum – als Konzept von Kunst, die sich mit ihren (auch avancierten) Mitteln für gesellschaftlichen Fortschritt, das heißt im gegebenen Falle für das sozialistische Gesellschaftsmodell, einsetzt. Eben dieser Problematik – der Beschaffenheit, den Funktionen und Wirkungsformen der Musik im Horizont der sowjetischen Revolutionskultur – gilt Wolfgang Mendes ebenso materialreiche wie im Niveau gehaltvolle Studie; seine Ausgangsfragen sind: „Hatte die ,Linke Front der Künste‘ einen musikalischen Flügel? Ist die sowjetische Musikmoderne (…) als Teil dieser kulturrevolutionären Bewegung zu verstehen?“ (S. 12)
Reichhaltig und widersprüchlich
16.06.10 (Andreas Wehrmeyer) -
Mit vorliegendem Titel ist eine wichtige Arbeit anzuzeigen, die entschieden über die bisherige Musikgeschichtsschreibung auf diesem Gebiet hinausgeht, da sie nicht im engeren Sinn auf die Kompositionsgeschichte konzentriert ist, sondern den (gelungenen) Versuch unternimmt, die Entstehung der neuen sozialistischen beziehungsweise sowjetischen Musikkultur aus den das Musikleben prägenden Institutionen und Instanzen heraus zu deuten, das heißt wesentlich auf der Grundlage der Beschreibung und Erschließung von Denkformen, wie sie seinerzeit in den Bereichen Musikpädagogik, Musikethnographie und Musikästhetik anzutreffen waren.
Faszinierende Dokumente ihrer Zeit
11.05.09 (Andreas Wehrmeyer) -
Dorothea Redepenning: Geschichte der russischen und der sowjetischen Musik, Bd. II (in 2 Teilbänden): Das 20. Jahrhundert, Laaber-Verlag, Laaber 2008, € 196,00, 836 S., Abb., Notenbsp., ISBN 978-3-89007-208-1

