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Alle Artikel kategorisiert unter »Der Bad Boy«

Bad Boy Of Music

06.12.08 (Der Bad Boy) -
In diesen Wochen schreibt das Feuilleton gerne über die Finanzkrise und deren Auswirkungen auf das Kulturleben. Nicht ganz unberechtigt packt uns die Angst vor dem Rotstift und der Möglichkeit, dass einige heilige Kühe unserer Neuen-Musik-Szene in den kommenden Jahren nicht unbedingt saftig subventionierten Weiden, sondern eher der Schlachtbank entgegenwackeln. Manch einer rechnet sich gar aus, welch glorreiche Neue-Musik-Förderung mit all dem rausgeschmissenen Geld finanziert werden könnte und schaut dann verzagt und wehmütig in sein Weißbier.

Die Liebe in den Zeiten der Neuen-Musik-Netzwerke

29.10.08 (Der Bad Boy) -
Eine seltsame Idee – ein seltsames Wort: Vermittlung. Nur im Deutschen existiert das Konzept, dass ein Kunstwerk gleichsam als Zwitter existiert, also zuerst einmal als das, was es ist, und als das, was einem davon erklärt, beziehungsweise vermittelt werden muss. Und in unserem Land der Lehrmeister und der gehobenen Zeigefinger hat man deutlich den Eindruck, dass das Erklären und Vermitteln inzwischen wesentlich wichtiger geworden ist als das Kunstwerk selbst. Der Genuss, das tatsächliche Lustempfinden bei der Begegnung etwa mit zeitgenössischer Musik spielt – das ist keine neue Erkenntnis – meistens eine untergeordnete Rolle. Viel dominanter ist das Brimborium von Programmhefttexten und neunmalklugen Ergüssen, das sich als eigenes Biotop der Zweitverwertung entwickelt hat.

Der große Sprung ins Nichts

30.09.08 (Der Bad Boy) -

Wenn man sich die europäische Musikgeschichte wie auf Postern in den Wohnungen von Musikstudenten als einen großen Baum vorstellt, dessen viele Äste sich von einem Ursprung irgendwo in der griechischen Antike bis in die heutige Zeit fortpflanzen, so wäre das, was wir heute vereinfacht als „Klassische Musik“ bezeichnen, ein relativ kräftiger Ast, der über eine Periode von mehreren hundert Jahren immer wieder Ausgangspunkt für neues Wachstum war.

Ein Sommerstreikstraum

06.09.08 (Der Bad Boy) -
Morgen: Ein Tag wie jeder andere auch – die Sonne geht auf, die Vöglein zwitschern und unser kulturhungriges Volk schlägt die neue nmz auf. Doch etwas ist anders. Nach Jahrzehnten der Erniedrigungen und Kürzungen haben sich sämtliche Deutschen Tonsetzer Neuer Musik dazu entschlossen, in den Streik zu gehen. Keine innere Seelenschau mehr, keine Recherche nach der Stille zwischen den Tönen und kein Heischen nach der wankelmütigen Gunst des Feuilletons. Die Notenblätter bleiben leer.

Wenn der Schamane zweimal bimmelt

01.07.08 (Der Bad Boy) -

Neulich las ich eine Neue-Musik-Konzertkritik mit dem wunderschönen Titel „Die Fragwürdigkeit des Lebens ausdrückend“ – eine erstaunliche Überschrift für einen Bericht über ein kleines Kammerkonzert des Bayerischen Tonkünstlerverbandes, das solche tiefen Fragen sicherlich nicht stellen wollte. Wie man denn nun das Leben als Gegenüber befragen kann, wurde in dem Text nicht ganz klar, man kann aber annehmen, dass dies zu tun irgendwie ganz doll tiefsinnig ist.

Wer hat Angst vor Virginia Versatzstück?

01.06.08 (Der Bad Boy) -

Beim Lesen der jüngsten Ergüsse unserer deutschen Musikkritiker kommt einem schon manchmal der Gedanke, ob die Verwendung des Wortes „Versatzstück“ ökonomische Gründe hat – würde man es nämlich verbieten, hätten viele Kritiken nur die halbe Länge, und man müsste den Rest wieder mit Adornozitaten auffüllen … wenn die Vorräte nicht langsam zur Neige gehen würden!

Moment der Reibung

01.05.08 (Der Bad Boy) -

Reibung erzeugt Energie und manchmal auch angenehme Gefühle, das wissen wir aus Physik und Sexualkunde. In guter alter europäischer Tradition ist die Reibung an der Konvention ein wesentlicher Faktor zur Entstehung von wichtiger Kunst.

01.04.08 (Der Bad Boy) -

Musik hört man sich im Idealfall gerne an. Und wenn einen ein Schubertlied so rührt, dass man sich ein Tränchen nicht verkneifen kann, dann darf man durchaus auch die „Repeat“-Taste drücken, das ist (noch) nicht verwerflich.

Das vergangene Lachen

01.03.08 (Der Bad Boy) -

Es gehört zu den ältesten Klischees: Der vermeintlich humorlose Deutsche. Bis heute lachen Millionen über die „Fawlty Towers“-Episode von John Cleese mit den griesgrämigen Deutschen, denen gegenüber man keinesfalls den Krieg erwähnen sollte, da sie sonst in Jammern und Wehklagen ausbrechen („Don’t Mention The War!“ in „The Germans“).

Die Zukunft ist ungnädig

01.02.08 (Der Bad Boy) -

In den 1920er-Jahren erregten die pianistischen Auftritte von George Antheil solche Aufregung im Publikum, dass er sich angewöhnte, eine „kleine, hässliche, schwarze Gangsterpistole“ auf den Flügel zu legen, bevor er zu spielen anfing. Nicht nur deswegen trug er den Spitznamen „Bad Boy of Music“.

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