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Alle Artikel kategorisiert unter »Hans Bäßler«

Lust an der Musik und an der Musikvermittlung

28.03.10 (Hans Bäßler) -
Die Situation aus dem Jahre 1985 vergesse ich nicht: Nach meinem etwas giftigen Kommentar, ob der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker im Jahr der Musik eigentlich nur die Hochkultur im Auge habe, wenn er von musikalischer Bildung spricht, meldet sich aus dem vds-Bundesvorstand ironisch-irritiert Prof. Dr. Dieter Zimmerschied und fragt, ob dieser junge Kollege aus Lübeck überhaupt das Recht habe, den Bundespräsidenten zu kritisieren. Ich fand, dass es das Recht eines jeden Bürgers ist, sich auch mit dem Staatsoberhaupt in Fragen bundesweiter Bedeutung öffentlich zu streiten, nicht um des Streits, sondern um der Klarheit im politischen Diskurs willen. Nur am Rande: Auf den offenen Brief in „Musik und Bildung“ hat der Bundespräsident nie reagiert; man war halt nicht der richtige Gesprächspartner.

Effizient und antipyramidal

03.09.09 (Hans Bäßler) -
„Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen!“ – diese böse Formulierung Helmut Schmidts wird immer dann ins Spiel gebracht, wenn Realpolitik sich gegenüber Forderungen nach visionären Entwürfen verteidigt. Aktuell, d.h. vor den Bundestagswahlen, laufen die sich visionär gebenden Versprechungen der Parteien zwar unter Hochdruck. Doch gleichzeitig weiß der Wähler, Schmidts Dictum folgend, dass diese heute entwickelten weit ausholenden „Visionen“ in den Parteiprogrammen als Wahlversprechen eher dem frommen Wunschdenken entsprechen.

Notebook soll Inventar des Klassenraums werden

08.07.09 (Barbara Haack) -
Neue Medien im Musikunterricht? Nichts klingt selbstverständlicher. Die heutigen Musiklehrer werden darauf jedoch gar nicht oder nur unzureichend vorbereitet. Dadurch entgehen ihnen spannende und überzeugende Lehrmodelle – findet Hans Bäßler, Professor am Institut für musikpädagogische Forschung der Musikhochschule Hannover. Über Pläne der Hochschule, dieses Defizit zu beheben, sprach für die nmz Barbara Haack mit dem Pädagogen.

Von Verantwortung und Identifikation

03.05.09 (Hans Bäßler) -
Sich Gedanken darüber zu machen, wohin sich eine Gesellschaft insgesamt und speziell unter dem Gesichtspunkt der Kultur- und Bildungspolitik entwickeln muss – wann und wo geschieht dies schon? Auch wenn es keine endgültige Klärung der Frage geben kann, bedürfen die musikpolitisch Verantwortlichen doch des interdisziplinären Dialogs beispielsweise mit den affinen Wissenschaften – etwa der Soziologie und der Politologie. Das alles Entscheidende, bevor man versucht, kulturpolitische Proklamationen nach außen zu tragen, besteht darin, so etwas wie Leitlinien zu entwickeln, von denen man dann auf eine nächste Konkretionsstufe gelangen kann. Folgende Grundannahmen möchte ich daher als Diskussionsrahmen vorschlagen, weil sie eine relativ breite Plausibilität enthalten:

Der Wind der Atemlosen bewegt nichts

06.12.08 (Hans Bäßler) -
Um gleich mit der Tür der Bewertung ins Haus zu fallen: Der Schlussbericht der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages „Kultur in Deutschland“ ist nicht nur respektabel, sondern eine beachtliche Leistung sui generis. Wann hat es in Deutschland das schon gegeben, dass sich der Bund Gedanken über die Lage der Kultur machte, wo es doch die Länder sind, die sie sich zu eigen machen. Erst dieser Bundes-Blick hilft, Schwachstellen aufzudecken – und das nicht nur mit Zahlenmaterial, sondern auch mit Visionen. Denn ohne das eine geht auch das andere nicht! Zahlen können auf Miseren hinweisen, nicht aber die Wege aus den Miseren entwickeln. Es bedarf eben doch noch immer der Utopie, dem Gedachten, aber noch nicht Realisierten.

Das langsame Ende der Ignoranten

01.09.03 (Hans Bäßler) -

Ina (11) kommt in Düsseldorf in die Klasse 5 des Gymnasiums; große Vorfreude und dann der Schock für Kind und Eltern: Nicht dass die Schulbücher selbst bezahlt werden müssen – das kann man bei der derzeitigen Haushaltslage der Kommunen noch verstehen –, sondern dass es in Klasse 5 und 6 keinen Musikunterricht gibt. Wenigstens hat sie noch privaten Klavierunterricht.

Zerrieben zwischen Haydn und HipHop

01.03.03 (Hans Bäßler) -

Was waren das damals noch für Zeiten, als wir uns glücklich wähnten, weil wir genau sagen konnten, wohin die Reise der deutschen Musikpädagogik dem Musikunterricht an den deutschen Schulen gehen sollte! Klare Verhältnisse, denn natürlich lieferten die Methodiken für die Kleinen die Volkslieder, für die Größeren waren die Kunstwerke vorbehalten. Das Ganze sollte garantiert werden, indem an allen Schulen – entsprechend dem Sportunterricht (welch Vergleich!) – ein ein- bis zweistündiger Musikunterricht erteilt wurde, in den Volksschulen (so hießen sie damals noch) genauso wie in den Mittel- und Oberschulen. Hinzu kamen der Chor, ja vielleicht auch einmal eine kleine Orff-Gruppe. Und nicht zu vergessen: Die Krone der Schulmusik – natürlich am Gymnasium – konnte dann nur noch das Orchester sein, das neben dem Weihnachtskonzert, dem jährlichen Höhepunkt schulmusikalischen Lebens, auch noch das a-Moll-Violinkonzert von Vivaldi und die kleine g-Moll-Sinfonie von Mozart im Sommer schaffte.

Keine Alleskönner

01.04.02 (Hans Bäßler) -

Will man einem Amerikaner oder Engländer, einem Japaner, Franzosen oder Dänen die Situation der deutschen Musikpädagogik und insbesondere auch den deutschen Musikunterricht erläutern, dann verheddert man sich sehr schnell. Ununterbrochen muss man Einschränkungen des eben Formulierten vornehmen, muss darauf verweisen, dass dieses noch und jenes schon nicht mehr gilt. Am Ende unserer Versuche steht die Hilflosigkeit beider: dessen, der zuhört, und dessen, der erläutert.

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