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Alle Artikel kategorisiert unter »Hans-Jürgen Linke«

Dramatische Unmittelbarkeit: Bergs „Lulu“ in Eberhard Klokes verschlankter Fassung in Gießen

14.05.12 (Hans-Jürgen Linke) -
In der unvollendeten „Lulu“, die während der ersten gut vier Jahrzehnte nach Alban Bergs Tod auf den Bühnen zu sehen und zu hören war, lauteten am Ende des zweiten Akts Lulus letzte Worte: „Ist das noch der Diwan, auf dem sich dein Vater verblutet hat?“ Wenn man dazu addiert, dass Lulu diese Frage an ihren aktuellen Lebensabschnittspartner Alwa richtet und dass sie selbst dessen Vater erschossen hat, scheint dieser Schluss dem Prolog Recht zu geben: „Sie ward geschaffen, Unheil anzustiften, zu locken, zu verführen, zu vergiften – und zu morden ...“. Der Rest war Sinfonie und Pantomime. Ob Alban Berg das so gemeint hat?

Experimentierfreude hoch drei: Michael Wollny’s [em] mit „Wasted & Wanted“

05.03.12 (Hans-Jürgen Linke) -
„Wasted & Wanted“ gibt es gleich zweimal auf dem neuen Album des Trios [em], als Track 1 der Studio-CD und an gleicher Position im Mitschnitt vom Berliner Jazzfest, der der ersten Auflage als Bonus-CD beiliegt.

Raum mit mehr als drei Dimensionen

08.02.12 (Hans-Jürgen Linke) -
In den Selbstverständigungs-Diskursen der Musik ist der Raum allgegenwärtig: als philosophischer Topos, als aufführungspraktische Voraussetzung, als Gebilde aus Projektionen, Konventionen und Zielvorstellungen. Das Nachdenken über den Raum in der Musik, über Musik im Raum geht maßgeblich auf den Komponisten Iannis Xenakis zurück, der auch Architekt und Mitarbeiter von Le Corbusier war. Bei Xenakis geht es nicht nur um die notorische Ordnung zwischen Interpreten und Hörern im Konzertraum, es geht auch darum, durch Klangereignisse und ihren allgegenwärtigen, selten eindeutigen Verweisungscharakter zu unserem sechsten Sinn, dem Vorstellungsvermögen, Zugänge zu finden. Das war das Generalthema der ersten Frankfurter Biennale für moderne Musik mit dem griffigen Namen „cresc“.

Das Publikum als Hauptdarsteller: das „Winterjazz“-Festival im Kölner Stadtgarten

17.01.12 (Hans-Jürgen Linke) -
Im Stadtgarten, dem seit drei Jahrzehnten wichtigsten Jazzhaus der Kölner Szene, bewegte sich nichts mehr. Es war einfach zu voll, im Restaurant, im Konzertsaal, im Studio 672 im Keller und auf den Gängen und Treppen dazwischen, obwohl drinnen nicht die Höhner spielten. Drinnen gab es Winterjazz mit 13 Kölner Bands, planmäßig jeweils um 20 Minuten versetzt auf den drei Bühnen, Eintritt frei. Draußen, vor den Eingängen des Hauses, warteten fast so viele Leute wie sich drinnen kaum bewegen konnten. Nur wenn jemand das Haus verließ, wurde wieder jemand eingelassen, so ging das bis tief in die Nacht. Eine gute Gelegenheit, über alte, gut konsolidierte Vorurteile neu nachzudenken, die den Jazz betreffen.

Wer viel fragt, kriegt viele Antworten: Überlegungen zur Musikförderung durch den Bund

08.12.11 (Hans-Jürgen Linke) -
Da liegt sie nun, die Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage mehrerer Abgeordneter der SPD-Fraktion: 47 Druckseiten, die zusammenzutragen viel Arbeit, aber nicht unbedingt genau so viel Spaß bereitet hat, aber das Ergebnis ist zunächst Ehrfurcht gebietend. Beeindruckend ist vor allem, wie viele Regierungsressorts an der Musikförderung beteiligt sind. Man sieht daran, dass Musik in der von Berlin aus regierten Gesellschaft eine „wesentliche Rolle“ spielt, der Pflege des Musiklebens ein „hoher Stellenwert“ beigemessen wird. Genauere Gemeinplätze stehen dazu nicht in dem Papier. [aus nmz 12/2011-1/2012]

Die Energie eines Urknalls: Iannis Xenakis im Mittelpunkt der ersten Rhein-Main-Biennale „cresc“

30.11.11 (Hans-Jürgen Linke) -
Für Georg Friedrich Hegel war klar, dass die Musik zur Architektur, „obwohl sie derselben entgegengesetzt ist, dennoch in einem verwandtschaftlichen Verhältnis“ stehe. Für Iannis Xenakis war dieser Gedanke Realität. Als Le Corbusiers Assistent entwarf er den Philips-Pavillon für die Brüsseler Weltausstellung 1958 anhand der gleichen hyperbolischen Kurven, die seiner Komposition „Metastasis“ zugrunde lagen. Eine von der Bayerischen Architektenkammer übernommene Ausstellung im Sendesaal-Foyer des Hessischen Rundfunks im Rahmen der „cresc“ genannten Klangbiennale zeigt neben einem biografischen Abriss und einem maßstabgetreuen Modell Material zum Philips-Pavillon, der nach der Weltausstellung wieder abgerissen wurde.

Das 42. Deutsche Jazzfestival Frankfurt im Sendesaal des Hessischen Rundfunks

02.11.11 (Hans-Jürgen Linke) -
Weißt du noch? werden sich wohl dermaleinst die Eingeweihten zunicken, die dabei waren, beim 42. Deutschen Jazzfestival des Hessischen Rundfunks in Frankfurt, weißt du noch: dieses Duo, das Joachim Kühn und Archie Shepp dort gespielt haben? Denn der Auftritt der beiden hatte das Zeug zum zukünftigen Umrauntsein.

Grenzenlose Posaune

31.10.11 (Hans-Jürgen Linke) -
Es ist ungefähr 40 Jahre her, dass mit Paul Rutherford und Albert Mangelsdorff ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Posaune begann. Beide entwickelten, unabhängig voneinander, auf der Basis einer vollendeten Beherrschung der herkömmlichen neue Spieltechniken und etablierten die Posaune als Soloinstrument.

Der authentische Remix – Das siebte Punkt-Festival in Kristiansand

05.09.11 (Hans-Jürgen Linke) -
Hat Evan Parker aufgegeben? Er unterscheidet nicht (mehr) zwischen Improvisation und Komposition, er spricht von „hybriden musikalischen Aktionen“ und meint damit: Es gibt sagt keine unschuldige Musik, jede Tonfolge hat ihre Geschichte. Der einzige Unterschied zwischen geschriebener und improvisierter Musik, den er gelten lässt ist: Improvisatoren haben es mit dem zu tun, was wirklich geschieht in den komplexen Aufführungssituationen, Komponisten dagegen haben mit etwas zu tun, was geschehen soll.

Allianzen für die Integration des Neuen

11.01.11 (Hans-Jürgen Linke) -
Immer diese alten Gräben. Ganz allgemein zwischen Theorie und Praxis etwa. Zwischen Hochschulöffentlichkeit und Stadtgesellschaft. Und immer noch, wenn auch in abnehmendem Maße, zwischen der kanonisch an Hochschulen gelehrten und gelernten Musiktheorie und -praxis auf der einen und zeitgenössischer Musik auf der anderen Seite.
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