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Alle Artikel kategorisiert unter »Josef Oehrlein«

Alter Glanz, neue Substanz: Argentinien kommt zurück

29.10.11 (Josef Oehrlein) -
„Das vergisst man nicht“, sagt Ingrid Zur. Ein sechsjähriger Knirps, mit einer Geige, die viel zu groß für ihn ist, schläft in der Probenpause auf seinem Instrument ein. Er stammt aus einem der Elendsviertel der argentinischen Metropole Buenos Aires. Abends und bis tief in die Nacht geht er mit seinen Eltern, die „Cartoneros“ sind, Papier und Pappdeckel sammeln, um so zu einem mehr als mageren Lebensunterhalt der Familie beizutragen. „Sein weiteres Leben hängt davon ab, ob er das Probespiel besteht oder nicht.“ Seit 2002 gibt Ingrid Zur zusammen mit ihrem Mann, dem deutschen Bratschisten Jörg Heyer, Musikkurse für junge Musiker in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern, vor allem in ihrem Heimatland Argentinien, um sie fit zu machen für Wettbewerbe, Probespiele, Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen in Europa oder überhaupt für ihre Karriere als Musiker.

Theo Brandmüllers Messiaen-Rallye durch die Orgellandschaft Südamerikas

07.02.09 (Josef Oehrlein) -
Wenn es eine Rallye für Organisten gäbe, die Südamerika durchkreuzt, um die besten Orgeln zu erkunden und auf ihnen auch noch in einer Rekordzeit ein äußerst anspruchsvolles Programm zu spielen, dann wäre der deutsche Organist und Komponist Theo Brandmüller Favorit. Allen Teilnehmern gegenüber hätte er einen unschlagbaren Vorteil: Er ist zwar beileibe nicht der erste Organist, der in der Region gastierte, aber er hat als einer der ersten schon einen solchen künstlerischen Marathon hinter sich gebracht, mit dreizehn Konzerten in sechs Ländern innerhalb von knapp dreißig Tagen.

Bei Nachrufen hilft keine Ausflucht

01.09.01 (Josef Oehrlein) -

Die bessere Musikkritik ist der Nachruf. Die besten Musikkritiken, die Gerhard Rohde geschrieben hat, sind seine Nachrufe. Anders als die Kritik verschmäht der Nachruf beckmesserisches Nörgeln im Detail. Beim Abfassen des Nachrufs blättert vielmehr ein in sich ruhender Hans Sachs in der Stadt- und Weltchronik der Sänger-, Dirigenten- und Instrumentalistenkarrieren, erinnert sich an Sternstunden wie Debakel in Opernhäusern oder Konzertsälen und bilanziert mit ruhiger Hand ein Musikerleben.

Der Musiker als mahnendes Gewissen

01.04.00 (Josef Oehrlein) -

Ein reizvoller Dualismus durchzieht Leben und Werk des Künstlers, nicht nur deshalb, weil ein ostpreußischer Freiherr und Geschäftsmann namens Halffter sich Ende des neunzehnten Jahrhunderts in Spanien niederließ, eine Andalusierin heiratete und damit den Grundstein für eine der bedeutendsten Musikerdynastien Spaniens legte. Cristóbals Onkel Ernesto und Rodolfo, die beide Ende der achtziger Jahre starben, waren hoch geachtete Komponisten. Bei ihrem Neffen finden sich noch immer deutscher Perfektionsdrang und südspanische Sinnlichkeit nahezu unverfälscht nebeneinander; seine Musik ist eine immer wieder neu gewonnene Synthese aus Formsinn und sensitiver Ästhetik, aus der Lust an Strukturen und kraftvoller Entladung.

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