Unsere Artikel sind vielfältig kategorisiert – nutzen sie z.B. die Auflistung der populärsten Tags in der rechten Seitenleiste, oder besuchen sie die Tag-Seite. Außerdem können sie über Rubriken, Genres und Orte navigieren.

Alle Artikel kategorisiert unter »Ulrich Steinmetzger«

Zug um Zug überzeugend – Der Posaunist Conny Bauer spielte in seiner Geburtsstadt

28.10.09 (Ulrich Steinmetzger) -
Der amerikanische Publizist John Corbett führte seinetwegen die Vokabel „Conradismen“ in die Musikkritik ein. Tatsächlich: Was sich Conny Bauer, 1943 geborener Pfarrerssohn aus Halles Froher Zukunft, in gut vierzig Jahren monomanischer Arbeit mit der Posaune antrainiert hat, ist ohne Vergleich. Als überzeugender Einzeltäter zählt er zu den wenigen Altvorderen des freien DDR-Jazz, die den Sprung in die Welt schafften.

Improvisatoren auf Klassenfahrt

01.02.03 (Ulrich Steinmetzger) -

„DRZK.wähuh°“ bedeutet nichts oder die absolute Wahrheit. Das ist einfach oder kompliziert. Über so einen Titel muss man nicht nachdenken, über die Rolle der Improvisation im genormten Leben schon. Es gibt einen deutschlandweit eingetragenen Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, „alle Belange der Improvisation zu fördern und zu unterstützen“. Gut so, und wer dabei nur an die Künste denkt, denkt zu kurz. Es geht ums Leben, es geht ums Ganze – und um die Rolle des Zufalls dabei. Um alles, was sich nicht planen lässt also. Um das, was uns noch aufstören kann, falls wir die Antennen haben, das Unverhoffte zu empfangen.
Der Verein hat eine Zweigstelle in Sachsen, die sich jüngst in einer Leipziger November-Sonntagnacht in der knackevollen naTo als Bastion gegen das Diktat standardisierter Abläufe präsentiert hat. Knapp 20 Akteure waren gar nicht zufällig mobilisiert und inszenierten unter der Federführung des agilen Leipziger Statthalters Oliver Schwerdt ein Projekt aus Klängen, Bewegungen, Farben, Worten und Bildern. Diese Musik des Zufalls dominierte ein Nummernprogramm der vereinseigenen Kapelle EUPHORIUM_- freakestra, junge Leute allesamt, die zwischen Jazz und Rock die Töne setzten, wobei ihnen der Spaß ins Gesicht geschrieben stand. Ihren schrillen Reigen haben sie durch die Integration zweier Altvorderer der improvisierten deutschen Musik geadelt: Günter ‘Baby’ Sommer und Friedrich Schenker. Sommer, die Dresdner Schlagzeuglegende, der leibhaftige Blechtrommler, hat die konventionelle Rolle seines Instruments seit Jahrzehnten hinter sich gelassen hat, um Grenzen einzureißen mit einem Spiel, das Rhythmus in jedem Wortsinne verkörpert. Schenker, Meisterschüler Paul Dessaus, ist Motor zeitgenössischer Musik und also ebenfalls Initiator des konzeptionell Abweichenden, wobei er als studierter Posaunist stets den improvisierenden Virtuosen mitdenkt. Zwei Mentoren seit gut 30 Jahren, zwei die dem Leipziger Projekt Kontur gaben.

Inhalt abgleichen