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Alle Artikel kategorisiert unter »Verena Fischer-Zernin«

Orientalische Längen in Hamburg: Simon Wills’ neue Opera buffa „The Stolen Smells“ ist leider keine

06.02.12 (Verena Fischer-Zernin) -
Es ist ein Stoff wie aus dem Mythenschatz der Menschheit: Ein junger, so brot- wie talentloser Dichter liebt die Tochter eines Bäckermeisters. Als er den Fehler macht, ausgerechnet vor der Backstube den Duft des frisch gebackenen Brots zu inhalieren, sieht der Bäcker seine Chance gekommen, dem unerwünschten Bewerber eins auszuwischen: Zahlen solle der für den Genuss. Das kann er natürlich nicht, weshalb der Bäcker ihn als Dieb anklagen und ins Gefängnis werfen lässt. Erst dann erfährt er, welch brachiale Strafe auf Diebstahl steht, nämlich Handabhacken. Aber die Anklage zurückziehen und sich lächerlich machen will der gestrenge Bäcker dann doch nicht.

Späte Heimkehr: Karoline Gruber und Simone Young holen Reimanns „Lear“ im Triumphzug nach Hamburg zurück

16.01.12 (Verena Fischer-Zernin) -
Wenn ein Opernhaus unter dem Stichwort Neue Musik keine Uraufführung in den Spielplan nimmt, sondern ein Werk von gesetzten 34 Jahren, dann braucht es einen Grund. Die Hamburger Staatsoper hat einen: War es doch ihr Intendant August Everding, der 1974 Aribert Reimann den Auftrag zu der Oper „Lear“ gab. Allerdings nahm Everding den Auftrag mit, als er an die Bayerische Staatsoper in München wechselte. Dort kam der „Lear“ 1978 heraus. Regie führte Jean-Pierre Ponnelle, die Titelpartie sang Dietrich Fischer-Dieskau, dem der Komponist die Anregung verdankte, Shakespeares Drama zu vertonen.

Der Komponist und die Löwin

04.10.11 (Verena Fischer-Zernin) -
Mittags um zwölf kann man hören, wie klein der Ort ist. Glockenläuten erfüllt die Luft, und das gedrungene, graue Schulhaus spuckt pünktlich eine Schar Kinder aus. Zwischen Blumenrabatten grüßt ein Schild: „Blonay lächelt Sie an“. Der Molkereiwarenhändler verkauft Käse der Region an rüstige Damen mit Stoffbeuteln, die Zahnradbahn schiebt sich bergan durch die Wiesen, doch niemand scheint Notiz von der überwältigenden Kulisse zu nehmen: Vom Zentrum des Dorfs fällt der Blick auf das kantige Château de Blonay hoch über dem Genfer See. Das Auge reicht über die schimmernde Fläche des Sees bis nach Frankreich hinüber auf die Savoyer Alpen.

Alles so schön eindeutig hier: Doris Dörrie und Simone Young bügeln in Hamburg Mozarts „Don Giovanni“ platt

20.09.11 (Verena Fischer-Zernin) -
Mozarts Menschheitswerk „Don Giovanni“ ist offen für viele, auch tiefenpsychologische Deutungen. Das ist Gemeingut, und darauf haben sich die Autorin und Filmregisseurin Doris Dörrie und ihr Ausstatter Bernd Lepel an der Hamburger Staatsoper ihren eigenen Reim gemacht: Vieles, allzu vieles hatte Platz in ihrer Fassung, bis hin zu einer Verneigung vor Sigmund Freud persönlich.

Als Semele einmal Zoff mit Jupiter hatte

30.06.11 (Verena Fischer-Zernin) -
Länger könnten die Beine nicht sein und die Absätze nicht höher. Acht junge Damen schreiten über den Catwalk. Da glitzern Roben ganzkörperlich in Gold und bauscht sich der Tüll, Wespentaillen und Culs de Paris treiben die weibliche Silhouette ins Absurde, wispernde Seide trifft auf T-Shirt-Stoff und Jeans mit Löchern. Die Gesichtszüge der Models verlieren sich hinter weißer Theaterschminke und Clownsmündern, darüber türmen sich die toupierten, knallrot oder orange gefärbten Haare.

„Ich will nicht der Alte-Musik-Guru sein": Thomas Hengelbrock über seine erste Saison mit dem NDR Sinfonieorchester

28.03.11 (Verena Fischer-Zernin) -
Es ist noch nicht lange her, dass die Originalklangbewegung in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist - da wechselt einer ihrer prominentesten Vertreter die Richtung. So scheint es zumindest: Thomas Hengelbrock übernimmt in der kommenden Saison den Posten des Chefdirigenten beim NDR Sinfonieorchester. Doch Hengelbrock hat sich noch nie Etiketten aufkleben lassen. Bekannt geworden ist er zwar als Gründer und Leiter des Balthasar Neumann Chores und Ensembles, er hat aber auch zahlreiche zeitgenössische Werke uraufgeführt und an den bedeutendsten Opernhäusern Europas gearbeitet. Gerade hat er in Hamburg die Pläne vorgestellt, die er mit seinem neuen Orchester hat. Ein Gespräch mit dem Dirigenten.

Die Profis, die mit den Beinen baumeln

29.01.11 (Verena Fischer-Zernin) -
Eine Traube von Schülern drängt sich in der blassblau gestrichenen Eingangshalle. Sie lachen und schnattern, sie tragen Jeans, Turnschuhe und Rucksäcke wie auf irgendeinem deutschen Gymnasium. Erst auf den zweiten Blick fallen die vielen Instrumentenkästen auf, die ihnen über die Schultern hängen. In der hölzernen Loge, die sie umlagern, wiegt eine Dame das silberlockige Haupt. Sie leckt einen Finger an und blättert durch ein großes Buch. Die Seiten wellen sich, so eng hat sie die Zeilen mit vielarmigen kyrillischen Buchstaben bedeckt.

Versöhnung mit Pfeifen, Tasten und Pedalen

21.10.10 (Verena Fischer-Zernin) -
Platanen säumen den Kirchplatz, der sich zum Tal hin weitet. Durch die schmalen Fenster fällt spärliches Licht ins Innere der Kirche. Fast naiv wirkende Malereien bedecken die Wände. Von der jüngsten Hochzeit hängt noch ein quietschrosa Tüllgebinde da, wir sind schließlich in Italien. Auf der Empore aber erhebt sich mit größter Selbstverständlichkeit eine Barockorgel, wie sie auch in einer norddeutschen Backsteinkirche stehen könnte mit dem dreigeteilten Prospekt und den Schnitzwerkverzierungen aus Kastanienholz. Sie ist gerade einmal drei Jahre alt.
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