Hufis Hinweise

Unser Internetredakteur, Dr. Martin Hufner, durchforstet immer wieder einmal das Internet und liest dabei manches Dokument, manche Diskussion, manche Wunderlichkeit auf. An dieser Stelle finden sich seine Kommentare und Fundstücke.

In den reißenden Gewässern des Internet: Mit der Digitalen Gesellschaft verändert sich Politik

02.02.12 (Martin Hufner) -
Es ist nicht zu übersehen, dass die Politik gegenwärtig den Druck, der über und durch die Präsenz des Internet als Kommunikations-und Aktionsplattform entsteht, nur sehr schwer in den Griff bekommt. Das Netz wirkt immer mehr wie ein losgelassener, geradezu wild wuchernder Organismus und dessen Selbstorganisation so zufällig, anarchisch und gleichzeitig so wirtschaftlich konsequent wie keine politische Bewegung zuvor. [aus nmz 2/2012]

Künstler als Quell der Berichterstattung – Berichterstattung als Qual für den Künstler

25.01.12 (Martin Hufner) -
Moritz Eggert hat im BadBlog Of Musick auf eine unfeine Begebenheit hingewiesen. Offenbar ist es nicht gestattet, als Künstler die Berichterstattung in Zeitungen zu eigenen Auftritten zu zitieren. Das haben einige Künstler zu spüren bekommen, die sogenannte Pressestimmen auf ihren Webseiten zur Information angeboten hatten. Peter Schöne, Schauspieler und Sänger, bekam es mit der Süddeutschen und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu tun. Am Ende fielen für Schöne Kosten in Höhe von 1.400 Euro an. Aber auch die Frankfurter Oper ist von dieser neueren Abmahnwelle betroffen gewesen. Die wird die zur Rede stehenden 7.500 Euro etwas lockerer aufbringen können. Was passiert da?

Vom Looping der Loops – Bernhard Langs „Differenz/Wiederholung 1.2“ bei „2 × hören“ im Konzerthaus Berlin

11.01.12 (Martin Hufner) -
Seit einiger Zeit wird im Konzerthaus Berlin mit einer Veranstaltungsreihe experimentiert bei der ein Werk der Neuen Musik zwei Mal zu Gehör gebracht wird. Vor dem zweiten Hören erläutert ein Moderator einige Aspekte des zuvor gehörten Musikstücks. Beim zweiten Hören können sich auf diese Weise gegebenenfalls die Stücke in neuer Beleuchtung erschließen. Am 9. Januar kam Bernhard Langs „Differenz/Wiederholung 1.2“ für Flöte, Tenorsaxophon und Klavier mit Musikern des Kammerensembles Neue Musik Berlin zur Aufführung.

Wieviel Thema braucht eine Veranstaltung? Hauptsache Kunst! Jour fixe der Berliner Gesellschaft für Neue Musik verfehlt ihren Gegenstand

09.01.12 (Martin Hufner) -
Eingeladen hatte die Berliner Gesellschaft für Neue Musik (BGNM) in das Foyer der Komischen Oper Berlin, um mit Aribert Reimann über „Wieviel Avantgarde braucht die Oper? – Expression, Kalkül und Katharsis im modernen Musiktheater“ zu sprechen. Ralf Hoyer, Vorstandsvorsitzender der BGNM und die Journalistin Christine Lemke-Matwey vom „Tagesspiegel“ sollten den Komponisten Aribert Reimann (letztjähriger Siemens- und GEMA-Musikautoren-Preisträger) dazu befragen. Dachte man zumindest, nachdem der Einladungstext und Titel der Veranstaltung dies ankündigten. War aber nicht so.

Das Instrument des Jahres steht fest: Es ist das Fagott

07.01.12 (Martin Hufner) -
Das jedenfalls ist die Meinung der der Landesmusikräte Schleswig-Holstein und Berlin, die dies am 6. Januar in der Landesvertretung Schleswig-Holsteins beim Bund verkündeten. Als Schirmherren für ihre Aktion konnten sie den wohl renommiertesten Fagottisten in Deutschland gewinnen, die Sabine Meyer des Fagotts, Klaus Thunemann. Ein Jahr lang steht das Fagott im besonderen Augenmerk der beiden Musikräte. Eine illustre Reihung von Veranstaltungen wird die Aktion flankieren. Vermutlich wird es zu einem einmaligen rekordverdächtigen Fagotttreffen in Berlin kommen. Vom 7. bis 10. Juni sind in Berlin die Fagotte los und der 1. September wird zum Tag des Fagotts erkoren. Zur schlagenden Berümtheit hat es allerdings der Ausdruck „Zippelfagottist“ im Chor Johann Sebastian Bach gebracht – Faust gegen Degen.

Martin Hufners Weihnachts-Cluster: Alle Jahre wieder kommt der GEMA-Mann …

19.12.11 (Martin Hufner) -
… auf die Weihnachtsmärkte nieder, wo wir Hörer sind. Großes vorweihnachtliches Wehgeklagen über die Anspruchshaltung der Autoren, wo man zwischen Glühwein, Zuckerwatte und Bratapfel allerlei mehr oder minder Brauchbares finden kann. Für die Stimmung sorgt Musik, denn der Weihnachtsbeat soll uns mehr Zittern machen als die Kälte.

Das Urheberrecht kann nur Gehilfe sein

06.12.11 (Martin Hufner) -
Nun wird schon seit Jahren an der Verfeinerung des Urheberrechts gearbeitet. Körbeweise werden neue Regelungen und Präzisierungen ins Urheberrecht eingearbeitet. Das alles findet im deutschen Recht statt, welches außerdem mit dem europäischen harmonisiert werden muss. Eine schwere Arbeit. Alles soll ja auch passen und alle Interessengruppen, von den Herstellern, der Verbreitern bis zu den Nutzern sollen nach Möglichkeit adäquat berücksichtigt werden. Es geht seinen Gang, streitbar und mit Abstrichen einvernehmlich im Ergebnis. Jetzt sind von der Piratenpartei und den GRÜNEN jedoch neue Steine in den Weg gerollt worden; für manche türmen sie sich vorderhand zu einer massiven Mauer auf, die auf die Urheber zu fallen drohe.

Wenn das Model die Blockflöte zückt: Ein stromloses Kraftwerk im Asphalt des Waldes

21.11.11 (Martin Hufner) -
Die deutsche Gruppe Kraftwerk gilt als Pionier der elektronischen Musik. Und zumindest für den populären Zweig der Musik gilt das, wenn auch mit gewissen Einschränkungen. Der Einfluss auf Techno und Co. ist aber unbestritten. Was aber passiert, wenn man denen den Strom abstellt? Vor Jahren machte das das Balanescu-Quartett ganz erfolgreich. Die Musik lief als Trennermusik in ARTEs längst abgesetzter Kurzfilm-Schiene. In diesem Jahr haben sich die Schweizer Jazzer unter dem Projektnamen MenschMaschine bekanntere und seltenere Stück vorgeknüpft. Mit gutem Erfolg, wie man so zu sagen pflegt.

Neuer Blogger im Bad Blog Of Musick: Alexander Strauch

17.11.11 (Martin Hufner) -
Seit heute schreibt der Münchner Komponist Alexander Strauch für das nmz-Blog „BadBlog Of Musick" und ist nun neben Moritz Eggert, Patrick Hahn und Arno Lücker für konstruktive und kontroverse Texte zur Biosphäre der Neuen-Musik-Szene aktiv. Er startet mit einem Hinweis auf den Komponisten Christophe Bertrand (*1981 – †2010).

Im aufblasbaren Friseursalon – Willi Landls Ausflug ins Leben

14.11.11 (Martin Hufner) -
Willi Landl: Rabatt – Anarchie – Pailletten (JWR 01/11). Es war ein urkomisches Gefühl, gleich von den ersten Tönen an. Wie Willi Landl mit dieser Platte durch das Gestrüpp des Jazzufers flitscht, ist unglaublich böse. Wie kann man nur so ungestüm gegen alle Erwartungshaltungen anrennen, fragt man sich, hört man die Musik mitsamt den grazilen Texten. Diese Platte verwundert und verwundet.