Die Rückkehr des verlorenen Films

12.02.16 -
Wenn man sich so umschaut, erinnert erst einmal nicht viel an eine Kinoaufführung. Die Orchester-Aufbauten irritieren, Musiker stimmen hinter der gewaltigen Bühne ihre Instrumente. Hier startet gleich ein klassisches Konzert, so scheint es. Doch der Berliner Friedrichstadt-Palast ist am Freitag zum Schauplatz einer ganz besonderen Uraufführung der Berlinale in diesem Jahr geworden.
12.02.2016 - Von Daniel Rademacher, dpa, KIZ

Der Stummfilm «Der müde Tod» von Regisseur Fritz Lang («Metropolis») aus dem Jahr 1921 wird gezeigt - zum ersten Mal in digital restaurierter Überarbeitung und mit Live-Orchester-Begleitung.

Worum geht es? In «Der müde Tod» bittet eine junge Frau (Lil Dagover) den Tod, ihr den gestorbenen Geliebten wiederzugeben. Das will er ihr jedoch nur dann erfüllen, wenn sie dafür ein anderes Menschenleben rettet. Daraufhin führt der Film die Zuschauer an den Hof des Kalifen, nach Venedig und sogar nach China. Wenige Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges reflektiert der Film die Folgen der verhängnisvollen Katastrophe und den ewigen Kampf von Liebe und Tod.

«Der Film markierte den Start von Fritz Langs erfolgreicher Karriere», erläutert Ernst Szebedits, Vorstand der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung, die sich für die Erhaltung und Pflege des deutschen Filmerbes einsetzt und in diesem Jahr ihr 50-jähriges Bestehen feiert.

Was ist das Besondere an diesem fast 100 Jahre alten Stummfilm? «Der müde Tod» kam seinerzeit nicht als Schwarz-Weiß-Film, sondern eingefärbt ins Kino. Doch die farbigen Kopien sind verschollen. «Das erhaltene Material war ein Schatten der eingefärbten Version», so Szebedits.

Hinter ihm und seinem Team um Restauratorin Anke Wilkening liegt eine mühevolle und vor allem kostspielige Arbeit, die Institutionen etwa aus New York, Prag, Toulouse und Brüssel beschäftigte. Eine «sechsstellige Summe» habe die Restaurierung gekostet, verrät Szebedits. Unterstützung kam auch vom Bertelsmann-Konzern. 

Bei der Welturaufführung am Freitag sind die Ränge des Friedrichstadt-Palasts bestens gefüllt. Und als das Berliner Rundfunk-Sinfonieorchester unter der Leitung von Frank Strobel die ersten Takte spielt, vergisst man schnell, dass man eigentlich in einer Stummfilm-Aufführung sitzt. Facettenreich und nicht aufdringlich untermalen die Musiker den Klassiker Fritz Langs (1890-1976) nach eigens komponierter Musik des Freiburger Komponisten Cornelius Schwehr.

Lang verbinde in seinem Film romantisches Märchen und Abenteuergeschichte, heißt es in der Ankündigung - quasi Wilhelm Hauff und Karl May. Dazu gibt es Spezialeffekte wie einen schwebenden Teppich und beeindruckende Kulissen.

Wie fanden es die Zuschauer? «Harmonisch», sei es gewesen, sagt eine Besucherin nach der Vorstellung. Ein Pärchen sieht es ähnlich: «Film und Musik sind verschmolzen.» In der jetzigen Fassung sei der Film viel dramatischer als die frühere Version. Jugendliche sollten den Klassiker mit seinem zeitlosen Thema unbedingt sehen, empfehlen sie. «Im Kino und am besten mit Gespräch.» 

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