Dirigent Thielemann will im Streit mit Stadt München nicht nachgeben

22.07.09 -
München - Im Streit um eine Verlängerung seines Vertrags als Generalmusikdirektor der Münchner Philharmoniker pocht Christian Thielemann auf seine künstlerische Richtlinienkompetenz. Es könne nicht sein, «dass ich über 30 Konzerte bestimme und der Kollege Intendant über 60. Da wäre ich als Chefdirigent nicht mehr existent», sagte Thielemann der «Süddeutschen Zeitung» (Mittwochausgabe).
22.07.2009 - Von Agentur ddp, KIZ

Den vorliegenden Vertrag wolle er zunächst nicht unterschreiben: «Gewisse Dinge müssen in gewisser Weise geregelt werden. Dann kann ich mir vorstellen, zu unterschreiben. Sonst geht es nicht.»

Der Münchner Stadtrat wollte am Mittwoch in nicht öffentlicher Sitzung über eine Verlängerung des Vertrags mit Thielemann ab 2011 entscheiden. Dabei zeichnete sich eine Mehrheit für eine Klausel ab, die eine starke Stellung von Intendant Paul Müller neben dem Generalmusikdirektor vorsieht. Thielemann lobte Müller in dem Interview zwar als «erstklassigen Intendanten», will aber in künstlerischen Fragen weitgehend allein bestimmen. Aus Stadtratskreisen hieß es, man wolle sich dies nicht bieten lassen. Thielemann habe schon einen Intendanten in München «verschlissen».

Thielemann gibt pro Saison 25 bis 30 Konzerte und 15 Konzerte auf Tourneen, will jedoch auch bei den übrigen 60 Auftritten der Philharmoniker mitreden, die von Gastdirigenten geleitet werden. «Wenn ich zu den 60 Konzerten nichts sagen kann, (…) könnte meine Arbeit konterkariert werden», kritisierte der Dirigent und fügte hinzu: «Dann könnte ein anderer Dirigent einen Beethoven-Zyklus dirigieren, der meinem entgegensteht, und ich würde in meinem eigenen Haus ein Gastdirigent. Dann wüsste ich nicht, was ich da noch soll.»

In dem seit Monaten andauernden Konflikt sieht sich Thielemann als Opfer einer «Intrige». Es sei vorstellbar, dass diese mit einer Trennung von seinem Orchester 2011 enden könne. «Und ich kann ihnen sagen, dass mich das sehr traurig machen würde, weil ich so viel erreicht habe mit dem Orchester.»

 

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