Jossi Wieler: Wichtige Entscheidung für Opernsanierung im Februar

01.02.16 -
Stuttgart - Der Stuttgarter Opernintendant Jossi Wieler erwartet noch vor der baden-württembergischen Landtagswahl eine Weichenstellung für die Sanierung des mehr als 100 Jahre alten Theaterbaus. «In der nächsten Sitzung des Verwaltungsrats Mitte Februar könnten wichtige Entscheidungen zur Sanierung fallen», sagte Wieler der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart.
01.02.2016 - Von dpa, KIZ

 

Der Musentempel ist mehrfach zum Opernhaus des Jahres gekürt worden. «Im Moment stehen circa 342 Millionen Euro Kosten im Raum - inklusive eines Ausweichquartiers», sagte der Regisseur. «Die Experten gehen von einer siebenjährigen Sanierungszeit aus. Abgeschlossen sein wird sie wohl in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre», sagte der 64-Jährige. Wieler sieht die Kulturpolitik im Land angesichts der Landtagswahl am 13. März vor großen Herausforderungen - nicht nur wegen der Flüchtlingskrise. Und er warnt vor Abstrichen.

«Es gibt Werte, die schützenswert sind. Dafür muss man heute mehr kämpfen als früher», betonte der Regisseur im Interview. Heute gebe es eher Diskussionen, etwas zu verkleinern oder sogar zu schließen. «Man muss Sorge tragen, dass unter anderen ökonomischen und auch weltpolitischen Bedingungen, wie wir sie jetzt haben, die Investitionen in Kunst, Kultur und Bildung erhalten bleiben», sagte Wieler.

Wieler will nach seinem Abschied als Stuttgarter Opernintendant 2018 wieder als freier Theatermacher arbeiten. «Meine Neugier treibt mich dann wieder an andere Orte. Es wird mehr Freiräume für Inspirationen, neue Ideen und das Privatleben geben», sagte der Chef des mehrfach zum Opernhaus des Jahres gekürten Theaters. Vor allem will der 64-Jährige wieder mehr Schauspiel machen. «Es reizt mich, in den Klang eines solchen Sprachwerks hineinzuhorchen, um es dann szenisch zum Klingen zu bringen.»

Erstmals seit sechs Jahren wieder inszeniert Wieler an einem Schauspiel - die Uraufführung «I'm searching for I.N.R.I.» am 11. März in Stuttgart. Dabei gehe es um die Geschichte eines Paares, «das sich fremd bleibt, weil beide unfähig sind, über ihre Vergangenheit im Zweiten Weltkrieg zu sprechen», sagte er. «Das Stück ist eher ein Vexierbild der Geschichte, das sich nicht zu einem Ganzen zusammenfügen lässt. Eine Geschichte wie ein Krimi.»

Der Theater- und Opernregisseur wurde 1951 im deutsch-schweizerischen Grenzort Kreuzlingen am Bodensee in einer liberalen jüdischen Familie geboren. Er lebte viele Jahre in Israel. Stationen seiner Karriere waren unter anderem in Düsseldorf, Heidelberg, Basel, Hamburg, München. In Stuttgart inszeniert Wieler seit 1994 mit dem Dramaturgen Sergio Morabito auch Opern.

 

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