Leipzig: Buchmesse-Direktor Zille sorgt sich um kleine Verlage und Händler

15.03.11 -
Leipzig - Der Direktor der Leipziger Buchmesse, Oliver Zille, sorgt sich um die Zukunft der kleinen unabhängigen Verlage und Buchhändler. «Der Konzentrationsprozess in der Branche geht weiter», sagte Zille in Leipzig in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dapd. Das beziehe sich sowohl auf die Verleger in Deutschland als auch auf das Sortiment. Kleine Verlage und Randthemen hätten immer weniger Chancen, im Handel gelistet zu werden. «Für viele Kleine in der Branche ist ein Online-Anbieter wie Amazon mittlerweile der wichtigste Buchhändler», sagte Zille.
15.03.2011

Die Buchmesse müsse in dieser Situation speziell auf kleine Verlage und unabhängige Buchhändler zugeschnittene Angebote machen. Sowohl Fach-Veranstaltungen am Rande der Messe seien wichtig, vor allem aber der möglichst enge Kontakt mit den Lesern. «Veranstaltungen sind für Klein-Verlage ganz wichtig», sagte Zille. Wer meine, er könne allein mit einem gelungenen Internetauftritt Leser gewinnen, «kann seine Potenziale nicht ausschöpfen». Eine gute Präsentation sei wichtig, aber die persönliche Ansprache bleibe entscheidend.

Einer generellen Spezialisierung der kleinen Buchhändler steht Zille skeptisch gegenüber. «Auf dem Land wird das überhaupt nicht funktionieren», ist er sich sicher. Da müsse ein Händler das ganze Sortiment anbieten. Schon einer Halb-Millionen-Stadt wie Leipzig seien die Chancen, mit einem ausgesuchten Sortiment bestehen zu können, eher gering. Einzig in Millionenstädten wie Berlin, Hamburg oder München können solche Konzepte erfolgsversprechend sein.

Die am Donnerstag beginnenden Buchmesse ist in diesem Jahr um rund vier Prozent gewachsen. Das Flächenwachstum komme zumeist von den Großverlagen. «Das Ausstellerwachstum hingegen kommt ganz klar von den Kleinverlagen», sagte Zille.

 

Die Leipziger Buchmesse 2011 in fünf Daten

Vom 17. bis 20. März zeigen 2.150 Aussteller aus 35 Ländern ihre Neuerscheinungen.

- Das Literatur-Festival «Leipzig liest» bietet in seinem 20. Jahr rund 1.500 Autoren und 2.000 Veranstaltungen auf der Messe und in der Stadt.

- Schwerpunktland der Buchmesse in diesem Jahr ist Serbien. In den vergangenen Jahren hatten sich bereits Kroatien und Slowenien präsentiert. Daneben bietet die Buchmesse der Literatur Islands erstmals breiten Raum.

- Höhepunkt ist die Verleihung des Preises der Leipziger Buchmesse am Donnerstag: In den Kategorien Belletristik, Sachbuch und Essay/Übersetzung stehen je fünf Werke in die Endrunde zur Wahl.

- Neben den Hörbüchern, die auf der Buchmesse seit Jahren ihren Platz haben, werden erstmals auch Hörspiele präsentiert. Unter preis-der-leipziger-buchmesse können Leser erstmals auch ihren eigenen Favoriten bestimmen.

 

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