Oper im Zentrum eines undogmatischen Schaffens: Giselher Klebe ist tot
Die Kritik stufte Klebes Oper nach Schillers Die Räuber 1957 als „stilistisch konsequenteste und originellste Opernpartitur“ seit Bergs Wozzeck und Schönbergs Moses und Aaron ein. Im gleichen Jahr wurde Klebe als Nachfolger von Wolfgang Fortner Dozent (ab 1962 Professor) für Komposition und Tonsatz an der Hochschule für Musik in Detmold. Dieser Stadt, deren Ehrenbürger Klebe war, blieb er treu, wenngleich ihn seine Liebe zu Italien immer wieder gen Süden gezogen hat.
Als hoch geschätzter Leiter einer Meisterklasse für Komposition hat er vielen erfolgreichen Komponisten, darunter Matthias Pintscher, das notwendige Handwerkszeug und die produktive Verunsicherung des kritischen Gesprächs von Autor zu Autor mit auf den Weg gegeben.
Klebe vertritt einen undogmatischen ästhetischen und kompositionstechnischen Standpunkt: ”In meiner Musik kenne ich nur eine Leidenschaft: die zur Klarheit, zu der mir größtmöglichen Einfachheit. Im Zentrum meiner Arbeit steht die Oper, ausschließlich konzentriert auf die Form, in der der singende Mensch im Mittelpunkt steht.”
Ungefähr im gleichen Alter, in dem Verdi seinen Falstaff schuf, schrieb Klebe 2007 seine letzte Oper, den heiteren Dreiakter „Chlestakows Wiederkehr“ nach Gogols „Der Revisor“, der im Landestheater Detmold sehr erfolgreich das Licht der Welt erblickte. Am Ende singt das komplette Ensemble – ganz im Sinne Verdis – „Die ganze Welt ist ein Tollhaus!“
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