Semperoper mit 13 Premieren - weiter Engagement gegen Pegida

03.03.16 -
Dresden - Die Semperoper setzt den regelmäßigen Auftritten der Pegida-Bewegung vor ihren Türen Werke voller humanistischer Botschaften entgegen. Nachhaltig negative Auswirkungen befürchtet das Haus von den bizarren Auftritten der Islamfeinde nicht. In der kommenden Spielzeit erinnert die Oper an 350 Jahre Musiktheater in Dresden und will mit neuen Stücken zudem weiter Operngeschichte schreiben.
03.03.2016 - Von dpa, KIZ

 

Wolfgang Rothe, kommissarischer Intendant der Sächsischen Staatsoper, kündigte am Mittwoch für die neue Saison 13 Premieren an. Darunter befinden sich neben Klassikern wie «Salome» von Richard Strauss und Giuseppe Verdis «Otello» auch Stücke, die auf deutschen Bühnen eher selten zu sehen oder bislang noch nicht aufgeführt wurden. So bringt die Junge Szene der Oper am 16. Oktober als Auftragswerk das Stück «The killer in me is the killer in you my love» von Ali N. Askin heraus.

Mit diesem Werk nach dem gleichnamigen Theaterstück von Andri Beyeler wird zugleich eine neue Spielstätte eingeweiht - «Semper Zwei». Sie ersetzt den Betrieb auf der bisherigen Probebühne und soll vor allem Stücke für Kinder und Jugendliche im Angebot haben. In dem Haus, das zu den drei 1985 errichteten Funktionsgebäuden der Oper gehört, war früher ein Restaurant. Nun soll dort musikalische Feinkost serviert werden. Auch die Premieren der Stücke «Alles Schwindel» von Mischa Spoliansky, «Lohengrin» von Salvatore Sciarrino, «Schneewitte» von Jens Joneleit und ein Tanzabend mit Arbeiten des Choreografen Joseph Hernandez sind in der ersten Spielzeit von «Semper Zwei» geplant.

Zum Jubiläum 350 Jahr Oper in Dresden ist im Februar 2017 unter anderem ein Symposium geplant. Am 27. Januar 1667 war als erster der Semperoper-Vorläufer das «Klengelsche Opernhaus» in Dresden eröffnet worden. Der Bau war nach Wien (1651) und München (1657) die dritte Opernhaus-Neugründung im deutschsprachigen Raum, hieß es.

Auch die jüngsten fremdenfeindlichen Übergriffe in Sachsen spielten bei der Vorstellung des Jahresprogrammes am Mittwoch eine Rolle. Dirigent Christian Thielemann wurde gefragt, ob er negative Auswirkungen auf Engagements von Künstlern befürchte. Der Dirigent sieht das bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht so. Die Leute würden nach Dresden kommen, wenn hier etwas gutes laufe, sagte er.

Thielemann distanzierte sich zugleich von den Umtrieben der islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung, die regelmäßig auf dem Theaterplatz vor der Oper Kundgebungen abhält. «Unser ganzes Tun, der ganze Spielplan zeigen, was wir über solche Sachen denken», sagte er. An der Oper gebe es Mitarbeiter aus aller Herren Länder, ohne diese könne und wolle man in Dresden gar nicht arbeiten.

Nach Angaben von Intendant Rothe hatte es um den ersten Pegida- Jahrestag im Oktober 2015 herum kurzzeitig einen Einbruch der Besucherzahlen gegeben. Im Dezember hätten sie sich aber wieder in normalen Bahnen bewegt.

Fans von Thielemann können sich auch über weitere Wagner-Dirigate in der neuen Saison freuen. Nach der kürzlich umjubelten Wiederaufnahme von «Walküre», folgen im Herbst zunächst «Rheingold» und Anfang 2017 «Siegfried» aus dem «Ring des Nibelungen». «Irgendwann kommt der Ring als gesamter Zyklus. An diesem Haus muss ein «Ring» sein», sagte Thielemann.

 

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